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Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ Möglichkeiten von Video-Portalen noch nicht ausgeschöpft

Donnerstag, März 25th, 2010

Aufruhr 1225Bewegtbildkommunikation gewinnt auch im Kulturbereich zunehmend an Bedeutung. Kein Medium bietet bessere Möglichkeiten und Chancen, auch „Nicht-Kulturbeflissene” durch eine entsprechende Ansprache und Umsetzung inhaltlich und vor allem emotional zu erreichen. Insofern ist es nicht weiter verwunderlich, dass Video-Portale - allen voran YouTube und Vimeo - zu den beliebtesten Social Media Tools von Kultureinrichtungen zählen. Knapp 43 % der untersuchten Orchester und 32 % der Museen laden auf diesen Plattformen Videos und Trailer hoch.

Bereits 2007 wurden die ersten Profile angelegt: Das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM), Deutsche Museum, Museum für Völkerkunde in Leipzig und Deutsche Symphonie Orchester Berlin waren die Ersten mit einem eigenen Kanal auf YouTube. 2009 kam es dann zu einem regelrechten Boom an Registrierungen. Zu erklären ist dieser Boom, so Olaf Kaestner, Geschäftsführer von artsite.tv

„einerseits mit den technischen Möglichkeiten. Seit 2007 führt die Verbreitung schneller Internet-Anschlüsse zum Erfolg für Bewegbild im Internet. Schritt für Schritt ist diese Entwicklung bei den Kulturinstitutionen angekommen. An Video-Portalen wie YouTube schätzen sie die geringe technische Einstiegshürde, um Anbieter zu werden. Andererseits bietet die Anschaulichkeit von Bewegtbild gerade für den Kulturbereich enorme inhaltliche Möglichkeiten, die bei weitem noch nicht ausgeschöpft wurden.”

YouTube oder Vimeo?
YouTube ist auch bei Kultureinrichtungen führend. Lediglich die Duisburger Philharmoniker, die Bühnen Halle und das NRW-Forum Düsseldorf stellen ihre Videos bei Vimeo ein und begründen dies mit der besseren Qualität.

Profilierung nicht ausgeschöpft
Die Eigenpräsentation der Institutionen in Videoportalen reicht von sehr spärlich bis umfassend vernetzt. Manche Museen und Orchester haben weder ein Profilbild noch beschreiben sie sich selbst oder verweisen auf ihre Internetseite. Eine Verlinkung zu den anderen Social-Web-Präsenzen ist nur bei zwei Museen (Städel Museum und Schirn) und einem Orchester (Berliner Philharmoniker) zu finden. Die Möglichkeiten „Markenaufbau” zu betreiben bleiben größtenteils ebenso ungenutzt, wie die Chancen, über Plattformvernetzungen (-verlinkungen) den Dialog mit Interessenten zu intensivieren.

Anzahl und Inhalt der jeweiligen Videos variieren stark
Die Anzahl der eingestellten Videos liegt zwischen 0 und 241. Teilweise - Museum Kurhaus Kleve - werden keine eigenen Videos erstellt, sondern lediglich Videos Dritter im eigenen Profil verlinkt. Spitzenreiter mit 241 Videos ist das ZKM in Karlsruhe. Auch die Anzahl der Kanalaufrufe variiert stark: Sie liegen zwischen lediglich 9 und 126.844 (Berliner Philharmoniker).

Inhaltlich reicht die Bandbreite von 30-sekündigen Stimmungsbildern (Müritzeum) über Probenmitschnitte bis hin zu ausführlichen Ausstellungs- und Konzertankündigungen, die Interviews mit den künstlerischen Leitern und Kuratoren beinhalten. Bei den Orchestern, die nicht nur als Sinfonieorchester auftreten, wie etwa die Dortmunder Philharmoniker, werden häufig (Proben-)Ausschnitte aus Opern- und Ballettinszenierungen eingestellt.

Kaum Kommentare
Sowohl Orchester als auch Museen erhalten nur wenig Feedback in Videoportalen. Über die Hälfte aller Videos sind unkommentiert, der Rest erhält im Schnitt 2 Kommentare.

Eine Ausnahme stellen die Videos der Berliner Philharmoniker dar. Sie erhalten im Schnitt zwischen 20 und 30 Kommentare, teilweise sogar über 200. Doch auch beim Orchester der Staatsoperette oder beim Bayerischen Staatsorchester, um weniger prominente Beispiele zu nennen, wird über den Inhalt diskutiert.

Dies zeigt, dass es in der Art der Kommentare einen großen Unterschied zwischen den beiden Institutionen gibt. Gehen die Kommentare bei Museen meist nicht über „schöne Ausstellung, will ich sehen” hinaus, finden bei Orchestern inhaltliche Diskussionen zu den Opern- und Ballettinszenierungen sowie Konzerten statt.

Zusatznutzen Medienarbeit
Das Gros der eingestellten Videos adressiert ausschließlich an Besucherinnen und Besucher. Inhaltlich und in Form der Aufbereitung zielen die Videos darauf ab, Interesse zu wecken und die Anzahl der Besuche zu erhöhen. Dass Videos allerdings auch für die Medienarbeit erfolgreich genutzt werden können, zeigen die Beispiele Schirn und Städel.

Bewegtbilder gewinnen bei Online-Redaktionen zunehmend an Bedeutung - das ist spätestens seit Erscheinen der Bewegtbild-Studie bekannt. Denn jeder dritte Redakteur schaut sich (fast) täglich Bewegtbilder im Internet an und recherchiert auch in allgemeinen Videoportalen dazu. Außerdem verwenden Journalisten Videos als eigenständige Darstellungsform und veröffentlichen auch von Nutzern erstellte Webvideos. Die Chance, die sich hierbei für Kultureinrichtungen bietet, bleibt meist ungenutzt. Einige der Videos der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, des LWL-Museums für Archäologie in Herne und vom Kunstmuseum Wolfsburg sind so aufbereitet, dass sie auch für die Medienarbeit eingesetzt werden könnten.

Fazit
Der Bedeutungszuwachs von Bewegtbild-Content im Netz wird zunehmend steigen. Eine gute Präsenz bei einem Video-Portal wird deshalb für Kultureinrichtungen zunehmend wichtiger, um virale Effekte zu unterstützen. Hierzu sollten Videos Kanal-übergreifend und vernetzt mehrfach genutzt werden: Einbindung in Blogs anderer, Veröffentlichung auf sozialen Netzwerken, Weiterleitung via Twitter etc. Mangelnde Kommentierung sollte - wie das Verhältnis Videoabrufe zu Kommentierung zeigt - als Erfolgskriterium nicht überschätzt werden. Selbstverständlich sollten Videos nicht nur extern auf Videoportalen eingesetzt, sondern auch auf der eigenen Homepage genutzt werden, um das bereits Kulturaffine Publikum und nicht zuletzt die Medienvertreter zu erreichen.

Wichtig erscheint mir, dass die Videos authentisch sind, die Menschen hinter den Kulissen zu Wort kommen und Prozesse der Entstehung von Inszenierungen, Konzerten und Ausstellungen gezeigt werden.

Teil 1 - Einleitung
Teil 2 - Allgemeine Beobachtungen
Teil 3 - Beliebteste Kanäle
Interview: Werner Lippert, NRW-Forum

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NPO-Blogparade ¦Zusammenfassung der 6. Runde

Dienstag, April 14th, 2009

NPO-Blogparade

Als ich Mitte März im Rahmen der NPO-Blogparade gefragt habe „Warum werden Bewegtbilder bei NPOs so wenig genutzt” hatte ich damit auch die Kultureinrichtungen miteinbezogen. Ich war überrascht ob der vielen Kommentare und Blogbeiträge, die v.a. die klassischen NPOs im Blick hatten und weniger die Kultureinrichtungen. Einzig ein Beitrag bezog sich auf den (Nicht-)Einsatz audiovisuellen Contents bei Kultureinrichtungen.

Zur Auswertung:

Hannes Jähnert vom Blog die Wunderbare Welt sieht als Ursache für den seltenen Einsatz von Bewegtbildern die fehlende

„Medienkompetenz, die sie im Zuge der weit verbreiteten Skepsis gegenüber “neuer” und ganz speziell “ganz neuer” Medien (gemeint ist das Social Web) seitens der Organisationsleitung auch nicht auf- oder ausbauen können.”

Um dies zu ändern sieht er

„Für soziale Organisationen das Implizieren eines Freiwilligenmanagements, das für eben solche Aufgaben Volunteers sucht, als sinnvoll an.”

Herbert Schmidt vom Blog wueDesign listet mehrere Gründer auf:

„Der Nutzen wurde bisher noch nicht so richtig erkannt. Das notwendige Wissen und Können um Software und Hardware ist nicht vorhanden. Und überhaupt, wie geht man vor, um einen interessanten Film zu machen. Die Zwickmühle: Profis (und entsprechende Kosten) vs. Marke Eigenbau (mit den entsprechenden Qualitätsproblemen). Ein kleines Team, auch wenn noch wenig Know-how vorhanden ist, scheint mir wesentlich besser zu sein, als ein einziger Macher.”

Günther Bressau vom Blog bresgun konstatiert, dass große NPOs wie etwa Amnesty Deutschland oder Greenpeace auf YouTube längst ihre eigenen Kanäle führten, über die sie ihre entsprechend Kampagnen bewerben und Teil einer Gesamtstrategie seien.

„NPOs [...] müssen eine Strategie entwickeln, mit der sie im Internet präsent sein wollen. Wenn es in Richtung Online-Marketing gehen soll, dann ist sicher eine andere Strategie bestimmend, als wenn es in Richtung einer stärkeren Beteiligung von Nutzern, Stakeholdern oder anderen Interessensgruppen gehen soll, wie es beim Web 2.0 der Fall ist.” Er hält „Transparenz als Grundhaltung für beeindruckend und wegweisend.”

Gerald Czech vom Blog Rredcross Sociologist sieht eher schon ein zuviel an Video-Content, denn zu wenig und er sieht den Einsatz durchaus kritisch.

„wenn ich mich für den Einsatz eines Tools entscheiden müsste, würde ich mich „auf jeden Fall für gute Fotographie entscheiden und zu ungunsten von Videos, weil der Mehraufwand in jedem Falle nicht mit dem erhöhten Nutzen im Einklang steht.”

Seiner Meinung nach verursachen Videos einen

„höheren Aufwand, sowohl was die benötigten Zeitressourcen angeht, als auch hinsichtlich ihrer technischen Voraussetzungen” und würden „auch meist nicht dem Ressourcenverbrauch adäquate Verbesserungen in der Kommunikation [bringen]. Außerdem sei die Einbindung in die Homepages wesentlich schwieriger als dies bei Fotos der Fall sei.”

Brigitte Reiser von npo_vernetz konstatiert, dass es mit professionell erstellten Videos kein inhaltliches Problem, sondern lediglich ein finanzielles gäbe. Ihrer Meinung nach könnten Ehrenamtlicher da Abhilfe schaffen, indem Videos produziert werden,

„die von den Stakeholdern einer Organisation gemacht und anschließend auf die Webseite der Organisation gestellt werden (nicht auf eine gesonderte Plattform).”

Petra Dilthey verweist im Umgang mit Bewegtbildern auf ihre praktischen Erfahrungen u. a. von Care & Share Deutschland e.V. die ihre Projekte und ihre Arbeit durch Videos zu präsentieren und festgestellt haben, dass

„ Zum Einen setzen sich die Unterstützer intensiver mit der Arbeit und der Wirkung der NGO auseinander, zum Anderen begreifen sie die Videos als direkte Hilfe für die Spendensammlung.”

Uli Schwarz von einer Videoproduktionsfirma, die Videos für NPOs produziert, ist

„der Überzeugung, dass man Bewegtbilder als Teil einer lebendigen Kommunikation zwischen den Akteuren, in meinem Fall zwischen den Spendern, der NGO/NPO und den „Empfängern” [ansehen sollte].

Christian Henner-Fehrs (Kulturmanagement-Blog) Beitrag ist der einzige, der sich mit dem Einsatz von Bewegtbildern bei Kultureinrichtungen befasst und nennt als Gründe für den seltenen Einsatz, die häufig fehlende

„[...] Einsicht, dass sich unser Medienverhalten [...] in den letzten Jahren stark verändert hat. [...]“

und dass man für die Videoproduktion

„eine entsprechende technische Ausstattung und das Wissen, wie man solche Videos gestaltet” [braucht].

Und viele Kultureinrichtungen verfügen letztendlich

„[...] nicht über die entsprechenden Mittel, um sich eine solche Präsenz im Internet aufzubauen.”

Mein Fazit: Bei NPOs, und hier v.a. bei den großen und weltweit bekannten, sind Bewegtbilder längst ein Teil ihrer Kommunikation. Bei Kultureinrichtungen hingegen herrscht noch Nachholbedarf. ”Dass Bewegtbild-Anwendungen häufig (und zunehmend) lediglich auf die Produktion einzelner Videos reduziert werden und wenig sinnvoll medial eingebunden werden,” (Matthias Röder) ist gerade, wenn man sich die im November erschienene Bewegtbildstudie 2008 ansieht, eine vertane Chance. Dass Online-Medien durchaus an Bewegtbildern interessiert sind und sie übernehmen, zeigen die Beispiele des Städel Museums auf der Internetseite von  hr-online oder des Kunstmagazins art.

Die 7. Runde der NPO-Blogparade wird vom Blog bresgun gehostet und wird sich mit der Frage “Gibt es eine eigene Web 2.0-Marketingstrategie für Nonprofit-Organisationen?” befassen.

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NPO-Blogparade ¦ Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?

Montag, März 16th, 2009

In der sechsten Runde der NPO-Blogparade bin ich dran, die Frage für den März zu stellen, die sich mit dem Thema Bewegtbild befasst.

Spätestens mit erreichen einer kritischen Masse an „videotauglichen” Internetzugängen beschäftigen sich Unternehmen, Handelshäuser, Verlage oder sonstige (Kultur-)Institutionen mit Bewegtbildkonzepten für ihre Websites oder Online-Portale. Endlich können Produkt- oder Dienstleistungsangebote audiovisuell Kunden, Geschäftspartnern oder der Presse präsentiert werden. Bewegtbild ist bezahlbar und „massentauglich” geworden. Verlage agieren heute crossmedial und werten ihre Onlineportale mit Web2.0-Funktionalitäten und Bewegtbildinhalten auf. Der Erfolg bestätigt den Trend: WebTV oder Videoclips im Internet haben teilweise eine hervorragende Akzeptanz - vorausgesetzt die Inhalte sind geeignet, das Thema interessant und die Umsetzung qualitativ gut ist. Mittlerweile sind auch einige (wenn auch wenige) Kulturinstitutionen „auf diesen Zug aufgesprungen” und diejenigen, die Bewegtbildinhalte in ihre Kommunikation integrieren, verzeichnen „traumhafte”  Zugriffszahlen.

Doch noch sind NPOs - und ich schließe hier die Kunst- und Kulturbetriebe (zumal sie mir am Vertrautesten sind) mit ein - mit dem Einsatz dieses Mediums sehr zögerlich. Daher nun meine Frage

„Warum werden Bewegtbilder von NPOs noch so wenig genutzt?”

Ist es das Nicht-Wissen um die Möglichkeiten, die dieses Medium bietet oder ist es der Irrglaube, dass die Produktion von gut gemachten Bewegtbildern enorme Kosten verursacht?

Ein paar Anmerkungen zu den Möglichkeiten, die Bewegtbilder mit sich bringen und warum man sich als Kulturschaffender intensiv damit auseinandersetzen sollte. Die Stärke des Mediums liegt doch u. a. darin, Emotionen zu transportieren und dadurch Interesse zu wecken. Sind es nicht gerade NPOs, die nicht nur mit ihren Leistungen sondern auch bereits als Organisation selbst Emotionen vermitteln (wollen). Hinter den NPOs stehen Menschen, Schicksale aber auch Kunstwerke, Musiker, oder einfach nur Besucher, die der Einrichtung/Organisation dadurch ein Gesicht geben und den Betrachtern ansprechen. NPOs erbringen Leistungen, die teilweise weitaus besser und erfolgreicher audiovisuell zu präsentieren sind, als das eine oder andere Consumer-Produkt, das heute in TV, auf Websites beworben wird. Die Vorteile der NPOs - ihre Leistungen - sprechen für sich, benötigen keine „werbewirksame Story” und sind authentisch.

Themen der NPOs sind „breit streubar und platzierbar”. „Zuschauer” werden nicht nur auf der eigenen Homepage oder in eigenen Blogs erreicht. Interessierte können über Social Communities, diverse Video-Portale oder Verlagsportale angesprochen werden. „Virale Effekte” unterstützen - gerade im Bereich Bewegtbild - gigantisch.

Alle, die zu diesem Thema etwas beitragen möchten, sind herzlich eingeladen, auf ihrem Blog einen entsprechenden Beitrag zu verfassen und ihn hierher zu verlinken oder einen Kommentar zu hinterlassen.

Diese Runde der NPO-Blogparade läuft bis zum 6. April. Wenn Sie wissen wollen, was eine Blogparade ist, wie sie funktioniert und wer daran als Host teilnimmt, dann finden Sie auf dem Blog der NPO-Blogparade die wichtigsten Informationen.

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