Posts Tagged ‘Christian Kabitz’

Kulturtipp ¦ 42. Würzburger Bachtage

Freitag, November 19th, 2010

Klazz Brothers and Cuba Percussion, © Mirko Joerg Kellner

Klazz Brothers & Cuba Percussion ©Mirko Joerg Kellner

Heute Abend ist es wieder soweit: Die 42. Würzburger Bachtage beginnen - und erstmals in der 42-jährigen Geschichte werden sie mit einem Festakt eröffnet. Neben Johann Sebastian Bach steht in diesem Jahr Felix Mendelssohn Bartholdy im Fokus.

Den ersten musikalischen Höhepunkt des neuntägigen Festivals bildet morgen Abend Mendelssohn Bartholdys Oratorium Elias, das in der St. Johanniskirche auf dem Programm steht. Mitwirkende sind unter anderem die Thüringen Philharmonie sowie der Würzburger Bachchor und der Frankfurter Cäcilien-Chor unter Leitung von Christian Kabitz.

Am Mittwoch (24. Nov.) gibt es bei den Würzburger Bachtagen erstmals ein Familienkonzert. Unter dem Titel Bach für Kinder können im Kammermusiksaal der Hochschule für Musik Kinder ab sechs Jahren gemeinsam mit ihren Eltern, vier Instrumenten und viel Fantasie den ganzen Kosmos Bachscher Musik erforschen.

Im Orchesterkonzert am Donnerstag (25. Nov.) erklingen in der Hochschule für Musik Werke von Bach und Mendelssohn. Unter der Leitung von Christian Kabitz führen Florian Sonnleitner (Violine), Matthias Kirschnereit (Klavier) sowie die Münchner Bachsolisten Bachs Violinkonzert E-Dur und das Klavierkonzert d-Moll sowie Mendelssohns „Streichersinfonie c-Moll” und sein verblüffend modernes Doppelkonzert d-Moll für Violine, Klavier und Orchester auf.

Die lange Orgelnacht am Freitag, dem 26. November, ist der Beckerath-Orgel an St. Johannis gewidmet. Im Dezember 1960 eingeweiht, wird ihrem 50-jährigen Bestehen mit einem Bach-Marathon gewürdigt.

Am Samstag (27. Nov.) findet dann das zweite Oratorium in der St. Johanniskirche statt. Aufgeführt werden Bachs Weihnachtsoratorium I-III sowie Mendelssohn Bartholdys selten zu hörende Kantate Vom Himmel hoch, da komm ich her, die er ganz im Geiste Bachs geschrieben hat.

Mit einem musikalischen Ausflug nach Kuba enden die 42. Würzburger Bachtage am Sonntag (28. Nov.). Das Ensemble Klazz Brothers und Cuba Percussion bringt mit weltbekannten Weihnachtsmelodien, kubanischen Rhythmen und sinnlichen Jazzharmonien Weihnachtsstimmung und Latin Groove in die St. Johanniskirche - oder anders gesagt Christmas meets Cuba.

Detaillierte Informationen zu den einzelnen Konzerten gibt es hier.

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Mozartfest Würzburg ¦ Ein Interview mit dem Künstlerischen Leiter Christian Kabitz

Mittwoch, Juli 8th, 2009

In den vergangenen Wochen berichtete Christian Kabitz immer mittwochs  über das Mozartfest Würzburgs. Zum Abschluss der Serie habe ich ihn zum Mozartfest und seiner Erfahrung mit dem Bloggen interviewt.

Das erste Mozartfest unter Deiner Regie ist am Sonntag mit einem Picknick-Konzert zu Ende gegangen. Ein etwas unspektakuläres Ende, wie ich finde. Weshalb gab es kein großes Abschlusskonzert, wie man das etwa vom Rheingau-Musik Festival kennt?
Wir scheuen aus Erfahrung die Konzerte Sonntag abends - viele Besucher kommen von auswärts und wollen /können nicht noch eine Übernachtung anhängen. Vielleicht sollten wir es trotzdem einmal versuchen mit einem großen Open-Air-Spektakel - man wird sehen.

Wie lautet Dein erstes Resümee?
Jetzt bin ich erst einmal unendlich dankbar, dass alles so wunderbar gelaufen ist; wir hatten nur eine schwerwiegende Absage - die Labeques - diese konnten wir durch die kurzfristige Verpflichtung der Paratores mehr als wettmachen. Das Wetter bei den beiden Nachtmusiken hat mitgespielt, wir konnten draußen musizieren - herrlich! Die Besucher waren ganz überwiegend von meiner neuen Bühnenaufstellung und damit verbunden mit der neuen Bestuhlung zufrieden - alle Konzerte fanden eine begeistertes Echo - was will man mehr?

Haben sich Deine Erwartungen erfüllt? Ist es gelungen, eine Festival-Atmosphäre zu verbreiten, sodass jeder spüren, sehen, hören konnte: Jetzt ist Mozartfest!, wie Du das im Vorfeld formuliert hast?
Eindeutig nein - aber das war im ersten Jahr nicht zu erwarten. Ich denke, ein klein wenig konnten wir zeigen, was sich im nächsten Jahr noch verändern wird - nur ein Beispiel: Das erfolgreiche Mozart-Cafe - und alles, was wir jetzt in den nächsten Tagen für 2010 auf den Weg bringen, rückt uns hoffentlich ein klein wenig näher an mein großes Ziel.

Du hast in einem Blog-Beitrag geschrieben, dass das Festival innovativ und voller neuer Ideen sein soll und ein anderes Publikum gewonnen werden muss. Erreichen wolltest Du das u. a. mit Künstlern, Ensembles und Programmen, die Überraschungen versprechen. In wie weit ist die Rechnung aufgegangen oder anders gefragt wie wurden die Konzerte mit den, dem Mainstream (noch) unbekannten, Künstlern angenommen?
Es gab einige unbekannte Größen, sprich: Künstler und Ensembles, die nicht zum lebenden Inventar des Mozartfestes gehören, die aber trotzdem großen Anklang fanden: Das Mannheimer Mozartorchester (wird bestimmt wieder eingeladen), die Polnische Kammerphilharmonie (dito), und andere mehr. Wir hatten mit „Les Siecles” ein hier noch ganz unbekanntes französisches Orchester eingeladen - die Leuten dankten mit standing Ovations. Wir werden in dieser Richtung mutig weitergehen, nächstes Jahr wird es auf jeden Fall eine Reihe „Aufgehende Sterne” geben, wo wir junge Künstler explizit vorstellen wollen.

Wie wurde die von Dir ins Leben gerufene Reihe “Kabitz trifft …” angenommen?
Was mich besonders gefreut hat, war das Mozart-Cafe mit Prof. Konrad, Deutschlands bedeutendstem Mozartforscher. Im Vorfeld hatten Bekannte Besorgnis geäußert, das werde sicher sehr akademisch. Das Gegenteil war der Fall: selbst die 15jährige Tochter meine Sekretärin - der Musikwissenschaft gegenüber eher distanziert - sagte nach der Gesprächsstunde, sie „schwebe”…

Du hast jetzt hier auf diesem Blog 18 Wochen lang über das Mozartfest Würzburg berichtet. Wie lautet Dein Fazit?
Auch wenn es manchmal etwas beschwerlich war, pünktlich meinen Blogbeitrag abzuliefern, war ich dankbar, denn ich konnte meine eigenen Empfindungen ordnen, bewerten und noch mal überdenken. Und ich habe mich unglaublich über das enorme Echo gefreut - aus allen Ecken unserer Republik meldeten sich Leser!

Wie stehst Du den Möglichkeiten, die Social Media bieten, gegenüber? Wirst Du verstärkt auf diese Form der Kommunikation setzen?
Da gibt es gar kein Nachdenken: Natürlich! Und mehr!

Dürfen sich die LeserInnen jetzt auf ein eigenes Blog, wo Du auch über all Deine anderen Aktivitäten berichtest, freuen?
Das muss ich mir genau überlegen - ich habe ja gemerkt, dass es sehr zeitaufwändig ist, denn man kann ja nicht hinschreiben, was einem gerade mal so einfällt, das soll ja auch eine Qualität haben. Es ist eine tolle Form der Kommunikation. Also: Warum nicht?

Dein nächstes größeres Projekt?
Das nächste Großprojekt sind meine Bachtage im November, es geht in diesem Jahr um die Gegenüberstellung von Bach und Bruckner und erstmals sind die Bachtage zu Gast im Dom zu Würzburg, ich dirigiere dort Bruckners Große Messe f-moll und sein Te Deum; dazu gibt es ein wunderbares Programm mit Orchester- und Kammermusik-Konzerten, Orgel- und Klavier-Recitals, Festgottesdienste mit Bachkantaten und sogar Jazz mit Flöte und Orgel … www.bachtage-wuerzburg.de

Christian, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit all Deinen Projekten!

PS Die Beiträge kamen überpünktlich und ohne dass ich nachfragen musste!

Von Christian Kabitz sind hier folgende Blogbeiträge erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste
XIII-Das Eröffnungskonzert
XIV-Chevalier de Saint George
XV-Himmel schenk uns noch einen sonnigen Abend
XVI-Ein kleiner Rückblick
XVII-Wehmut

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Mozartfest Würzburg ¦ Wehmut

Mittwoch, Juli 1st, 2009

Heute beschleicht mich Wehmut: Als ich an der Residenz entlanggehe, steht schon ein Tieflader bereit, um unsere vielen kleinen Kassenhäuschen abzuholen, aus denen heraus die Tickets für die Nachtmusik verkauft werden. Für ein Jahr machen sie jetzt einen Mozart-Winterschlaf … und es sagt mir: Bald ist es wieder vorbei mit „deinem” Fest! Am Sonntag hatten wir wieder unglaubliches Wetterglück - auch „meine” zweite Nachtmusik kann draußen stattfinden, wir werden mit 3.200 Besuchern für unsere Gebete, Kerzen, Zaubersprüche belohnt, mit Hilfe derer wir uns einen blauen Himmel herbeigewünscht haben. Ich verschenke meinen Sitzplatz und promeniere durch den Hofgarten - die Akustik ist viel besser als ich gedacht hatte. Interessant ist nur, dass ein Minichor von Rotkehlchen dann doch stärker singen als das Orchester bei Mozarts Prager Sinfonie spielen kann.

Am Montag stellten wir Thomas Hengelbrock, meinen künstlerischen Beirat und Artist in Residence (auf deutsch und würzburgerisch: Künstler in der Residenz) der Presse vor. Wir lassen seine beeindruckende Karriere Revue passieren, ich erzähle, wie tief mich sein Feldkirch-Festival beeindruckt hat, von dessen „spirit” ich mir eine große Portion nach Würzburg wünsche, und dann kommen die Fragen der Journalisten. Wir erzählen über unsere Pläne für 2010, die ja schon weit gediehen sind, nennen Namen von Künstlern und Ensembles - und dann muss Thomas wieder zur Probe mit dem BALTE-Orchester (unsre Abkürzung für Balthasar-Neumann-Ensemble).

Jetzt, wo das laufende Fest seinem Ende entgegengeht, denke ich intensiv an 2010. Thomas hat wunderbare Ideen für ein Chor-Event. Ich habe mich während der letzten Tage intensiv um Künstler bemüht, wir schieben die Termine hin und her, rechnen am Budget - und ich merke, was für eine grandiose Aufgabe es ist, so ein Festival für eine ganze Stadt zu gestalten. Viele Leute geben einem Anregungen, es meldet sich Kritik, an der Anfangszeit (ich habe diese für fast alle Konzerte auf 20.30 Uhr gelegt), an der neuen Bühnenaufstellung - aber überwiegend sind alle sehr zufrieden und freuen sich auf das „neue” Mozartfest 2010.

Nachdem es am Montag in der Pressekonferenz schon bekannt gegeben worden ist, kann ich es heute auch heute hier verkünden, was im nächsten Jahr auf die Fans alles wartet:

  • Thomas Hengelbrock mit Balte-Orchester und die drei letzten Mozart-Symphonien
    Derselbige mit dem Chor und einem Nacht-Programm
  • Das Basler Kammerorchester und Sol Gabetta (Haydn Concertante, Cellokonzert, Mozart)
  • Das Mahler-Chamber-Orchestra unter Andrew Manze mit Janine Jansen und Julian Rachlin (Mozart Concertante u.a.)
  • Il Giardino Armonico mit Giovanni Antonini (Sturm & Drang + Mozart)
  • Das Stuttgarter Kammerorchester mit Mozart & Tango (Nicolas Altstaedt, Cello)
  • Christian Zacharias und Mitglieder des Alban-Berg-Quartetts (Mozart & Schubert)
  • Die Kammerphilharmonie Bremen mit Wunderklarinettist Martin Fröst (Mozart u. a.)
  • Das BR-Symphoniekonzert mit Andras Schiff (Haydn & Mozart)
  • Das amerikanische Pianisten-Wunderkind Kid Armstrong (Bach, Mozart, Amrstrong)

Und natürlich tausend andere Sachen rundherum …

von Christian Kabitz

Bisher erschienen

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste
XIII-Das Eröffnungskonzert
XIV-Chevalier de Saint George
XV-Himmel schenk uns noch einen sonnigen Abend
XVI-Ein kleiner Rückblick

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Mozartfest Würzburg ¦ Himmel, schenke uns noch einen sonnigen Abend

Mittwoch, Juni 17th, 2009

Immer mittwochs schreibt hier der künstlerische Leiter des Mozartfests Würzburg.

Wer hat die beste Wettervorhersage? Kachelmann, Flughafendienst oder doch wetter.de? Egal, sämtliche Internetquellen werden ab Sonntag früh alle halbe Stunden befragt wie das Orakel zu Delphi: Haben wir heute Abend Chancen auf eine trockene Nachtmusik?

Diese legendäre Nachtmusik - das Orchesterkonzert im Hofgarten der Residenz - gibt es seit der Gründung des Mozartfestes 1921. 800 Sitzplätze werden vorab verkauft, dazu gibt es bis zu 3000 Promenadenplätze, die allerdings nur bei gutem Wetter kurz vor dem Konzert vergeben werden; bei Regen wandern die 800 Privilegierten nebst Orchester in den nur 100 Meter entfernten Konzertsaal der Musikhochschule.

Was sich - ich gestehe: auch in meinen unbedarften Ohren - als nicht gerade dramatisch anhörte (man hat ja ein Ausweichquartier), entpuppt sich bei näherem Hinsehen als ein wirklich generalstabsmäßig organisiertes Großunternehmen, dem ein paar blöde Regentropfen komplett den Garaus machen. Schon am Nachmittag werden auf dem Rasen, dem nichts zuleide geschehen soll, riesige Holzplatten verlegt, darauf werden von mehreren Gabelstaplern gefühlte tausende von Stühlen verteilt, die Bühne fürs Orchester fügt sich zusammen, Fackeln sind bereitgestellt, Notenpulte mit Beleuchtung verkabelt, mindestens 60 Leute hämmern, elektrifizieren, räumen oder machen sonst was, nur für diesen Abend.

Um 18.30 Uhr kommt das Hochschulorchester zur Stellprobe. Ich habe mir ein spannendes Programm ausgesucht (eigentlich zu schwer für die wenigen Proben), und freue mich unbändig aufs Konzert, probiere ein paar komplizierte Tempoübergänge in Gershwins „Ein Amerikaner in Paris”, dann die Ouvertüre zu „Candide” von Bernstein, Paul Meyer, der Weltklasse-Klarinettist spielt mit den Streichern um die Wette die schönsten Stellen in Mozarts Klarinettenkonzert, und schließlich hangeln wir uns durch Mozarts Posthorn-Serenade, ein Riesenstück mit neun Sätzen!

Alle sind glücklich, dass sich der gigantische Aufwand gelohnt hat, das Wetter bleibt traumhaft, es ist eine Atmosphäre, wie sie sich bestimmt Hugo von Hofmannsthal bei seinem „Fest im Park” vorgestellt hat. Als ich kurz nach neun aufs Podest komme, meine ich, noch nie so viele Menschen im Hofgarten gesehen zu haben. Jeder Stuhl ist besetzt, und soweit das Auge reicht, stehen, sitzen oder liegen musikbegeisterte Promenaden-Besucher und lassen sich von unseren Tönen davontragen. Dass sich gegen zehn Uhr eine dunkle Wolke hinter der St. Johanniskirche zusammenzieht, bekomme ich nicht mit. Das Publikum will noch eine Zugabe, bekommt den ersten Satz der Kleinen Nachtmusik und dann ist dieses Ereignis zu Ende. Ich bin plötzlich völlig erschlagen, möchte gerne ganz alleine ein Riesenglas Bacchus trinken und Bauernbrot essen - und als ich gegen Mitternacht aus dem Lokal trete, sehe ich, dass es intensiv geregnet hat - heute hat der Himmel ein Einsehen gehabt und unsere Nachtmusik verschont.

Als ich am Montag zur Residenz gehe, um das Mozart-Caf vorzubereiten, schaue ich in den Hofgarten - nichts ist mehr zu sehen, als hätte ein Magier mal kurz die richtigen Worte gesprochen und schon ist der ganze Zauber vorbei. Am 28. Juni gibt’s noch eine Nachtmusik - da fängt wieder das Zittern und Daumendrücken an … Himmel, schenke uns noch einen sonnigen Abend!

Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste
XIII- Das Eröffnungskonzert
XIV-Chevalier de Saint George

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Mozartfest Würzburg ¦ Chevalier de Saint-George

Mittwoch, Juni 10th, 2009

Langsam beginnt das Mozartfest mein Leben mit einem ganz neuen Rhythmus zu versehen. Verkehrswidrig links auf den Residenzparkplatz abbiegen, immer wieder neu dieses einzigartige Kunstwerk in Sandstein und das holprige Kopfsteinpflaster auf dem Vorplatz bewundern, jedes Mal erneut das Bild vor Augen, wie bewundernd wohl Napoleon bei seinen Besuchen in Würzburg vor dem „schönsten Pfarrhaus Europas” gestanden hat.

Am Samstag stand eine Welt-Ur-Wiederaufführung auf dem Programm: Salieris Ouvertüre zu der damals berühmten Oper „La calamità de’ cuori” ist seit der Premiere 1774 damals in Wien nie wieder erklungen. Thomas Fey hat die Partitur ausgegraben und das höchst hörenswerte Stück (übrigens für zwei Orchester!) effektvoll musiziert. Dazu ein besonderes Erlebnis: Wilhelm Bruns auf dem Naturhorn mit Mozarts Hornkonzert KV 417.

Domin QuartettAm Sonntag haben wir die Teekonzerte wieder aufleben lassen, mit einem Benefiz-Konzert für die Restaurierung der Toskana-Möbel. An jedem ersten Sonntag im Juni findet jährlich europaweit der „World-Heritage-Day” statt, der Tag des UNESCO-Denkmals und die Residenz gehört natürlich dazu. Erstmals hat das Mozartfest die Ausrichtung des Konzertes übernommen - ein voller Erfolg, wir werden das zur Gewohnheit werden lassen … Herr Weiler, Chef der Residenz, hat die in einem beklagenswerten Zustand sich befindenden Sitzmöbel vorgestellt, die auch ausgestellt waren, ich habe das Konzert moderiert. Der Gartensaal war wunderbar geschmückt, das Domin-Quartett aus Heidelberg hat einen herrlichen Mozart und einen überraschenden Chevalier de St. George gespielt. Und weil die Quartettisten vorher noch nie in der Würzburger Residenz waren, gab’s nach dem Konzert eine (auch für mich) beeindruckende Privatführung. Herrlich: wir waren ganz alleine, eine fast unwirkliche Stille in diesem Riesengebäude. Dank an Frau Leo von der Residenz für dieses unvergessliche Erlebnis!

Ein (längerer) Satz zum Joseph Chevalier de St. George: Er war der erste farbige Komponist von Weltruhm, geboren entweder 1739 oder 1745 in Guadeloupe. Sein Vater George de Boulogne de St. George lebte dort als Plantagenbesitzer, seine Mutter Nanon, war eine schwarze Sklavin. 1749 geht die Familie nach Paris, der kleine Joseph bekommt Musik- und Fechtunterricht, avanciert zum Superathlet, schwimmt einarmig durch die Seine, war ungeschlagener Fechtkünstler und Sprinter, wird Offizier der königlichen Wache (mit Alexander Dumas als Untergebenem), wird nebenher Konzertmeister im damals berühmten Orchester „Le Concert des Amateurs” und ab 1773 dort Dirigent.

Nun begann auch seine Laufbahn als Komponist. 1778 - in dem Jahr, als Mozart seine so erfolglose Reise nach Paris antrat - finden wir St. George auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Drei Opern, viele Symphonien, Violinkonzerte, mehrere „Sinfonien concertante”, Kammermusik, darunter Violinsonaten, Streichquartette usw. Interessanterweise erwähnt ihn Mozart in seinen Briefen mit keinem Wort. Man weiß auch nicht, ob sich die beiden irgendwann einmal begegnet sind. Schon bald bekam St. George den Beinamen „Der schwarze Mozart”. Ab 1779 unterrichtete er die Prinzessin Marie Antoinette in Versailles. Überdies muss er großen Erfolg bei Frauen - besonders verheirateten - gehabt haben.

In den Wirren der französischen Revolution finden wir ihn als Capitain eines Reiterregiments für den König, nur ein Jahr später führt er nun für die Revolution ein Corps von Afro-Franzosen, also ein Regiment aus Farbigen. Er besucht England und wirbt für die Aufhebung der Skalverei, zurück in Paris wird er für fast ein Jahr inhaftiert, geht dann zurück in seine Heimat, dann nach Saint-Dominique, heute Haiti. 1797 kehrt er zurück nach Paris, gründet wieder ein Orchester, Le Cercle de Harmonie, dirigiert sehr erfolgreich und stirbt 1799. Heute fast unbekannt, in Paris gibt es eine Straße mit seinem Namen - und beim Mozartfest 2009 erklang sein Streichquartett in D-Dur - mehr als hörenswert!

Von Christian Kabitz

Bisher erschienen:

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste
XIII- Das Eröffnungskonzert

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Mozartfest Würzburg ¦ Das Eröffnungskonzert

Mittwoch, Juni 3rd, 2009

Immer mittwochs schreibt hier der künstlerische Leiter des Mozartfests Würzburg.

Am Freitag war es endlich soweit: Eröffnung des Mozartfestes 2009! Ich war schon um 18.30 Uhr in der Residenz, zwei Stunden zu früh, aber ich wollte so viel als möglich von der festlich-betriebsamen Atmosphäre eines solchen Events mitbekommen. Manchmal ist das Wort „Routine” leicht negativ besetzt, aber wenn ich sehe, mit welcher Routine Elke Kuhn es geschafft hat, dass alle Platzanweiser, alle Kartenverkäufer, die Tresen und Stellwände an ihrem richtigen Platz stehen, gewinnend lächeln und eine Stimmung gelöster Heiterkeit verstrahlen - das ist einfach super.

Und schon um 19.30 Uhr begann der Auftritt unserer Ehrengäste. In der Person von Wolfgang Bötsch, dem ehemaligen Postminister, unserem Schirmherren, haben wir einen unersetzlichen „Patron” in des Wortes bester Bedeutung, der über all die Jahre hinweg es immer geschafft hat, dass die große Politik (und auch die kleinere) Station in Würzburg gemacht hat. Unser Alt-Ministerpräsident Stoiber samt Gattin stieg aus dem Auto, gleich danach Alt-Bundespräsident Roman Herzog, Ex-Wirtschaftsminister Michael Glos und Grünen-Vorsitzende Claudia Roth, dazu Prominenz aus der Wirtschaft und natürlich alles, was in Würzburg Rang und Namen hat, allen voran unser OB Georg Rosenthal mit seiner Gattin Hannah, die sich weit über das gewohnte Maß hinaus für Kultur interessiert, mehr noch: aktiv einsetzt.

Dazwischen immer wieder - durch den Dienstfrack erkenntlich - Musiker aus dem Symphonie-Orchester des Bayr. Rundfunks, von denen ich viele persönlich kenne, weil sie im Bachorchester Würzburg mitspielen oder Mitglied im Bach-Collegium München sind, das ich vor mehr als 30 Jahren gegründet habe und das jetzt von Florian Sonnleitner geleitet wird, der auch Konzertmeister im BR-Orchester ist.

Die Stunde vor dem Konzert ist wunderbar gefüllt mit Gesprächen - endlich lerne ich alle die Leute (oder wenigstens einen Teil davon) kennen, die für unsere Stadt und letztendlich für das Mozartfest wichtig sind, sein oder werden könnten.

Sir Neville ist im April 85 geworden, steigt aber mit fast jugendlichem Schwung aufs Podest und dirigiert die fabelhaften Münchner, eine Ouvertüre in B-Dur, bei der einem schon nach 10 Takten klar wird: Das ist kein Mozart … Dann das Flöte-Harfe-Konzert, souverän musiziert von Boucly und Moretti, nach der Pause (für Viele der Höhepunkt des Konzerts!) Brittens „Les Illuminations” nach Gedichten von Rimbaud mit Laura Aikin, - traumhaft! Und dann - wegen Mozart & Paris - die Pariser Sinfonie D-Dur.

Nach dem Konzert möchte Sir Neville noch ein bisserl feiern und so sind wir schließlich eine lustige Gesellschaft, die bei Spargel, Bratwürsten, Weißburgunder und vielen Anekdoten vor allem Sir Neville Marriner feiern.

von Christian Kabitz

Bisher erschienen

I-Mein Mozartfest
II-Die angenehmen Seiten eines Festivalleiters
III-Eine kleine Nachtmusik
IV-Les petits riens
V-Aufgehende Sterne
VI-Mozart und Paris
VII-Kabitz trifft Hengelbrock
VIII-Die Suche nach dem Sturm und Drang Komponisten
IX-Randnotizen
X-Mozarts Posthorn-Serenade
XI-Nur noch neun Tage bis zum Eröffnungskonzert
XII-Mozarts Zauberkiste

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