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Ausstellungstipp ¦ Jeff Wall – Transit

Freitag, Juli 9th, 2010

Jeff Wall Storyteller, 1986Gleich die erste Fotoarbeit After ‚Invisible Man’ by Ralph Ellison, the Prologue (1999-2000), die ich von Jeff Wall bei der Documenta 11 gesehen habe, hat bei mir einen derart nachhaltigen Eindruck hinterlassen, dass mich seine Arbeiten nicht mehr losgelassen haben. Es folgte die große, monographische Schau im Jahr 2004 im Baseler Schaulager und immer wieder sah ich The Storyteller (1986) im MMK Frankfurt .

Jetzt gibt es wieder eine größere Schau: Die Staatlichen Kunstsammlungen Dresden zeigen im Lipsiusbau 26 Werke des kanadischen Fotokünstlers aus Vancouver. Eine durchaus beachtliche Zahl für den sorgfältig arbeitenden Jeff Wall mit seinem überschaubaren Oeuvre.

Das Faszinierende an diesen Fotoarbeiten ist für mich, Walls Fähigkeit Geschichten zu erzählen und Fragen aufzuwerfen. Auf den ersten Blick wirken die Fotografien wie beiläufige Beschreibungen von Alltagsszenen und wie zufällig geknipst. Doch dann - auf den zweiten Blick - werden die aufwändige konstruierten und theatralischen Inszenierung offensichtlich. Und plötzlich scheint so gar nichts mehr dem Zufall überlassen zu sein. Häufig sind urbane und häusliche Szenarien sein Sujet in denen er Laienschauspieler und Details in aufwändigen Einzelaufnahmen festhält und anschließend zu einem Gesamtbild montiert. Er verschmilzt Elemente der Fotografie mit denen des Films und der Malerei. So sind diese Fotografien perfekt ausgeleuchtet, nachgestellt und sehr genau geplant.

Jeff Wall, Restoration, 1993

Die Leuchtkästen geben den Großbilddias einen ganz eigenen Status: Sie sind weder Projektionen auf der Wand noch gerahmte Bilder an der Wand und doch irgendwie beides - Bilder im Raum. Der größte Leuchtkasten der Auswahl mit dem Titel Restoration (1993), schlägt eine Brücke nach Dresden. Denn „er thematisiert Wiederherstellung und Bewahrung der Vergangenheit anhand der Restaurierung eines monumentalen Panoramagemäldes”, so der Direktor der Galerie Neue Meister, Prof. Dr. Ulrich Bischoff.

Jeff Wall, Morning Cleaning, 1999

Ähnlich verhält es sich mit der Arbeit Morning Cleaning (1999), die Mies van der Rohes Deutschen Pavillon in Barcelona zeigt: Die akkurate Stuhlreihe ist verschoben, auf dem Teppichboden liegen Fussel, eine Reinigungskraft wischt den Boden. Jeden Morgen muss das kulturelle Erbe von Neuem hergerichtet werden. Der dokumentarisch wirkende Leuchtkasten ist ein Beispiel für Jeff Walls „kinematografisches” Werk.

Die Ausstellung Transit (bis 19. September 2010) bezieht sich auf die feinen Übergänge, sei es zwischen Privatsphäre und Öffentlichkeit, sei es zwischen Stadt und Land oder eine verborgene Geschichte, die es zu entdecken gilt. Und es gibt viel zu entdecken in den Arbeiten Jeff Walls.

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