Posts Tagged ‘Kultur-PR’

KultUp - Tweet up your cultural life

Dienstag, Mai 15th, 2012

KultUp FanbannerVergangenen Donnerstag hat der 2. KultUp in Frankfurt stattgefunden. Organisiert werden die KultUps von Tanja Neumann und mir und wir haben diesen Twitter-Event unter das Motto „KultUp - Tweet up your cultural life” gestellt.

Nachdem ich an anderer Stelle schon einiges über Kultur-Tweetups und ihren Nutzen sowohl für die Rezipienten als auch für die Kultureinrichtungen geschrieben habe (etwa hier, hier oder auch in dieser Präsentation) möchte ich auch in dieser Stelle auf diese Veranstaltungsreihe eingehen, deren Ziel es ist, offline- und online-Welt zu verbinden und Kulturvermittlung zu betreiben. (weiterlesen…)

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Vom Schreiben einer Online-Pressemeldung

Donnerstag, April 12th, 2012

qwerty

Foto: Katscan ¦ Flickr.com

Online-Pressemeldungen sind nach Angaben einer jüngst veröffentlichten Studie von PR-Gateway zu einem eigenständigen Kommunikationsinstrument geworden. Nicht die Journalisten sind die alleinigen Adressaten, sondern vielmehr alle, die Informationen nach einem Produkt oder  zu einem bestimmten Thema im Web suchen, heißt es in der Studie.

Inwieweit dies auch in der Kultur-PR respektive für die Kulturkommunikation zutrifft, sei dahingestellt. Fakt ist allerdings, dass eben Online-Pressemeldungen nicht nur von Journalisten und Bloggern gelesen werden, sondern von allen möglichen, an einem bestimmten Kulturthema interessierten Leserinnen und Lesern. (weiterlesen…)

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Aufruf zur MUSEO-Blog-Parade 2012 der Residenz München

Mittwoch, Februar 29th, 2012

Carnevale Venezia S. Marco 25
Im Vorfeld zur Tagung “aufbruch. museen und web2.0” und des 1. Münchner stARTcamps am 20. und 21. April ruft die Residenz München zur Blogparade auf.

Die Blogparade steht unter  dem Motto „Was ist Euer herausragendes Thema für 2012?” Gesucht werden Beiträge, die sich mit den folgenden Inhalten befassen:

  • Um-/Neubau einer Ausstellungsfläche oder eines Museums
  • Neustrukturierung der Dauerausstellung/Sammlungsbestandes
  • Restaurierung eines Kunstwerkes
  • Konzeption und Durchführung einer geplanten Ausstellung
  • Vermittlungsangebote in der On- und Offline-Welt
  • Finanzierungskonzepte/Freundeskreis
  • Veranstaltungsreihe

„Kurzum - gefragt sind Themen, die die museale Arbeit in ihrer gesamten Bandbreite berühren”,

heißt es in der Ankündigung auf dem Blog.

Aufgrund der Vielschichtigkeit, dürfte für jedes Museum etwas dabei sein - und mit etwas Fantasie auch für andere Kultureinrichtungen. Gerade die drei letztgenannten Punkte dürften sowohl bei Theatern als auch bei Orchestern ein Thema sein. Beteiligen dürfen sich übrigens auch Kulturblogger.

Was ist eine Blogparade?

Eine Blogparade oder Blogkarneval,  ist eine „Blog-Veranstaltung”, bei der ein Blog-Betreiber - in dem Fall die Residenz München - als Veranstalter ein bestimmtes Thema festlegt, dieses als Blog-Beitrag veröffentlicht und andere Blogger dazu auffordert, innerhalb eines vorgegebenen Zeitraums einen Artikel zu diesem Thema im jeweils eigenen Blog zu veröffentlichen und auf den Ursprungsbeitrag zu verlinken. Am Ende listet der Organisator alle Beiträge, erstellt einen entsprechenden Abschlussblogbeitrag oder macht aus allen „Einsendungen” ein E-Book.

Wer, wann, wie?

  • Teilnehmer: Mitmachen können nicht nur Museen, sondern auch Kultureinrichtungen/-institutionen sowie Kulturbloger_innen
  • Stichwort: MUSEO-Blog-Parade 2012
  • Zeitraum: Die Blogparade läuft noch bis 23. März 2012
  • Verlinkung: Per Trackback auf den „Ursprungsbeitrag”, den Blogparadeninitiator”. (Zur Sicherheit auch noch in der Kommentarfunktion den Link angeben - nicht dass ein Beitrag verloren geht)
  • Twitter Hashtag: #MBlogParade2012

Warum mitmachen?

  • Um in einem größeren Kontext, Blick hinter die Kulissen zu gewähren
  • Durch die Teilnahme Vieler erhalten Kultureinrichtungen gebündelte Aufmerksamkeit
  • Um einen vielschichtigen Einblick in die faszinierende Welt musealer und kultureller Tätigkeit zu vermitteln
  • Um Eigen-PR für sich zu machen
  • Damit am Ende ein schönes E-Book rauskommt - wäre mein Wunsch!

Und für all diejenigen, die gerne mitmachen möchten, aber über keine eigenes Blog verfügen sowohl das Blog „aufbruch. museen und web 2.0 als auch ich stellen unser Blogs als Plattform zur Verfügung. Einfach unten Kommentar eingeben, wenn Interesse besteht.

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Twittern unterm „grünen Hügel der Kunst“

Freitag, Februar 24th, 2012

Der Erweiterungsbau des Städel Museums, Außenansicht, Foto: Norbert Miguletz © Städel Museum, Frankfurt am Main

Der Erweiterungsbau des Städel Museums, Außenansicht, Foto: Norbert Miguletz © Städel Museum, Frankfurt am Main

Bei der Pressekonferenz des Städel Museums am 22. Februar 2012 anlässlich der Erweiterung um den Sammlungsbereich Gegenwartskunst wurde der Erweiterungsbau als „grüner Hügel der Kunst” bezeichnet. Als Opern- und neuerdings Wagner-Fan gefällt mir diese Assoziation zu Bayreuth natürlich ganz besonders.

Die detaillierte Kunstberichterstattung überlasse ich den „klassischen” Medien. Nur soviel: Der Bau ist toll geworden und auch die Präsentation der Arbeiten gefällt mir ausnehmend gut.

In diesem Blogpost geht es um meine „one woman tweetup show”, wie Tanja Praske es nannte, und um generelles Twittern von Pressekonferenzen.

Bereits zum wiederholten Male war ich bei einer Pressekonferenz des Städels, um von dort zu twittern. Aber noch nie hat es so viel Spaß gemacht. Außerdem hatte ich den Eindruck, dass es gestern verstärkt wahrgenommen wurde. Die hohe Aufmerksamkeit und Akzeptanz war sicherlich einerseits dem aktuellen Thema Erweiterungsbau und andererseits der Tatsache geschuldet, dass das Städel Museum schon per se (online und offline) in vielerlei Hinsicht über einen guten Ruf verfügt und sich Follower leicht dafür begeistern lassen. Vorweg: Die Twitterei war meine Eigeninitiative und war nur insofern mit dem Städel Museum abgesprochen, als ich bei der Akkreditierung zur PK meine Twitter-Motivation kundgetan habe und wir uns über einen Hashtag (es waren dann letztlich zwei) verständigt haben. Ansonsten war ich völlig frei in meinem Tun. Und als Information am Rande: Im Erweiterungsbau selbst kann man leider aufgrund der dicken Stahlbetondecken nicht twittern, aber im übrigen Haus.

Warum es sich lohnt, von einer PK zu twittern

Die Frage, die bei solchen Aktionen ja immer sofort gestellt wird ist: Was bringt es einer Kultureinrichtung? Im Gegensatz zum Marketing bin ich als PR-Beraterin in der glücklichen Lage, sagen zu können:

  • mehr Aufmerksamkeit,
  • Steigerung der Reputation,
  • höhere Reichweite und vor allem die Möglichkeit,
  • mit dem Blick hinter die Kulissen Vertrauen aufzubauen, das letztlich in neuen Fürsprechern für die Kultureinrichtung münden kann.

Vor allem Letzteres ist dem Städel Museum mit der Bürgerkampagne „Frankfurt baut das neue Städel” ja im Vorfeld bereits Bestens gelungen.

Kultur vermitteln und Fürsprecher gewinnen

Für mich ist Event-Twittern (egal ob von PK, Tweetup oder Tagung) immer auch eine Form der Kulturvermittlung, weil die Follower „hautnah” am Geschehen dran sind und Infos erhalten, die sie sonst nicht erfahren, da sie den Journalisten vorbehalten sind.

Viele Kultureinrichtungen - wie auch das Städel Museum - machen ihre Pressematerialien auf ihren Websites mittlerweile für jedermann zugänglich. Aber mal ehrlich: Wie viele „Normalsterbliche” schauen sich tatsächlich die Presseinfos an? Statt selbst aktiv werden zu müssen, wird man bei Twitter dagegen förmlich auf den Event gestoßen, sofern man dem entsprechenden Account folgt, und kann einfach mitlesen. Wenn dann noch die Möglichkeit geboten wird, Fragen zu stellen, ist man der Funktion der Kulturvermittlung - zwischen kultureller Produktion und Rezeption zu moderieren - einen Schritt näher gekommen.

Der Reiz solcher Aktionen liegt immer auch darin, dass sich in der „Twitter-Gemeinde” Gespräche und Diskussionen entwickeln und sich verselbstständigen, wie dieses Beispiel zur Frankfurter Hängung zeigt:

Plötzlich hat man nicht nur jede Menge inhaltlichen Input, sondern auch eine riesige Reichweite.

Neue Dialogpartner erreichen und neugierig machen

Sobald Externe twittern, die über eine große Anhängerschaft verfügen, erreicht die PK auch Leute, die sich (noch) gar nicht für die Kultureinrichtung interessieren. Meine Follower wurden durch mein Twittern von der PK zwangsläufig auf das Städel gestoßen. „Entfollowed” hat mich deshalb niemand, im Gegenteil: Die Tweets wurden fleißig kommentiert und weitergeleitet, so dass der berühmt-berüchtigte Twitter-Schneeballeffekt eintrat. Das Städel Museum selbst hat ebenfalls Infos eingestreut und retweetet. Das Twittern von Pressekonferenzen lohnt daher nicht nur, um neue Zielgruppen zu erreichen, sondern auch um bereits vorhandene neugierig zu machen, wie dieses Beispiel zeigt:

Dos and Don’ts

Hashtag: Wir haben relativ spät einen Hashtag festgelegt und ihn auch erst am Tag selber kommuniziert. Empfehlenswert ist ein Hashtag, der eindeutig der Kultureinrichtung und der PK zuzuordnen ist. Dieser sollte dann auch bereits im Vorfeld auf möglichst vielen Kanälen kommuniziert werden.

Twitterwall: Eine Twitterwall ist für die Visualisierung aller Tweets sinnvoll. Wenn diese dann auch noch in der Kultureinrichtung selbst zu sehen ist, verschmelzen Online- und Offline-Welt.

Dialogförderung: Innovativ wäre es, Fragen aus der Online-Welt während der PK zuzulassen und sie auch zu beantworten. Das erfordert allerdings eine gute Moderation und Beobachtung des Geschehens. Die Fragen könnten aber auch gebündelt und nach dem Ende der PK in einem Blogpost aufgegriffen werden. Denkbar ist auch eine Twitter-Fragestunde innerhalb eines vorher festgelegten Zeitfensters.

Fazit

Ich fand es ein interessantes Experiment, das noch viel Spielraum für Kreativität lässt. Kommunikationstechnisch katapultiert solch ein Twitter-Event ein Thema explosionsartig nach oben, ebbt allerdings auch schnell wieder ab. Die Tweets sind nur für kurze Zeit sichtbar. Eine Zusammenfassung des Events in einem Blogbericht, um die Tweets nachhaltig festzuhalten, wäre daher ratsam.

Zur PK (und Eröffnung) des Städel Museums gab es gestern rund 170 Tweets (hier geht’s zum Archiv) mit dem Hashtag #staedel. Als Vergleichszahlen kann ich lediglich diejenigen der Münchner Tweetups heranziehen. Da wurden durchschnittlich 180 Tweets pro Tweetup verschickt. Von andern Pressekonferenzen ist mit lediglich eine weitere Ausstellungseröffnung bekannt ist, von der getwittert wurde (Haus der Kunst, hier twitterte Christian Gries).

Aufgrund des positiven Feedbacks habe ich das Twittern von Pressekonferenzen (und anderen Events) in mein Dienstleistungsportfolio aufgenommen. Man kann mich dafür buchen. Schicken Sie mir bei Interesse gerne eine E-Mail.

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Go out and ask. Das war das zweite Forum Kulturvermittlung

Freitag, Dezember 2nd, 2011

© Ioannis Kounadeas, Fotolia Die schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia organisiert vier Foren zur Kulturvermittlung, die sich primär an Entscheidungsträger aus der Kultur- und Bildungspolitik richten.

„Auch in der Schweiz erhält die Kulturvermittlung ein zunehmendes Gewicht: sei es im kulturellen Schaffen, in der Kulturförderung oder in der Bildung. So groß das Interesse für Kulturvermittlung ist, so zahlreich sind die Fragen, die sich rund um sie stellen: Welcher politische Auftrag steht dahinter? Welche Leute soll sie erreichen? Und wer ist eigentlich für die Finanzierung zuständig? Ist es ein bildungs- oder ein kulturpolitisches Thema?”

heißt es in der Projektbeschreibung.

Im ersten Forum wurde der Frage nachgegangen „Die Kulturvermittlung. Ein Bedürfnis? Für wen? Wozu?” Vergangenen Freitag fand das zweite Forum statt, unterstützt von der Abteilung Kulturelles der Präsidialdirektion der Stadt Bern, in dem der Aspekt „Kulturvermittlung: Marketingmaßnahmen oder Veränderungsimpuls” diskutiert wurde. In drei Referaten wurde das Thema aus drei verschiedenen (Länder-)Blickwinkeln beleuchtet.

Worum ging es?

Ruud Breteler (Projektmanager der Abteilung für Kunst und Kultur der Stadt Rotterdam) hat zwei Kulturvermittlungsprojekte aus Rotterdam vorgestellt. Im ersten Projekt ging es darum für das Theater Zuidplein einen Spielort zu programmieren, der einen Zuschauerkreise mit über 170 verschiedenen kulturellen Hintergründen bedienen und anziehen sollte. Realisiert wurde es dadurch dass ein Programmausschuss zusammenstellt wurde, der die Zusammensetzung der Bevölkerung so getreu wie möglich widerspiegelt. Und nachdem der Ausschuss einmal steht, war es an ihm, selbständige Entscheide über die Programmgestaltung unabhängig vom künstlerischen Leiter zu treffen. Klar, dass Ruud Breteler sich anfangs die Frage gefallen lassen musste, ob er denn verrückt geworden sei, die Macht und das Kuratieren leichtfertig aus den Händen zu geben. Doch der Erfolg hat ihm recht gegeben - es war äußerst erfolgreich. Und zehn Jahre später, also 2008, beschloss der Stadtrat von Rotterdam, sich u. a. auf die soziale Entwicklung - Kunst und Kultur eingeschlossen -zu konzentrieren. Kunst und Kultur wurden verwendet, um das Leben in den Nachbarschaften zu verändern. Im Klartext hieß das Bewohner, Künstler, wichtige kulturelle Einrichtungen, die örtlichen Bibliothek, das lokale Kulturzentrum, der Kulturscout, Sozialarbeiter, Lehrer sowie Unternehmen wurden einbezogen, um soziale Fragen anzupacken, gemeinsame Sache zu machen und Kultur als Werkzeug zu nutzen. Frei nach dem Motto „go out and ask”

Andrew Burke (Leiter der London Sinfonietta) stellte in seinem Referat die Vermittlung von klassischer Musik vor, die in Großbritannien einen hohen Stellenwert und tiefgreifende Diskussionen um den Eigenwert und den instrumentellen Nutzen der Kultur in Gang gesetzt hat. In der Praxis heißt das, dass Musikvermittlung auf Konzerterlebnissen und kreativen Projekten mit aktiver Teilnahme von Amateurmusikern aller Altersklassen und völligen Anfängern beruht. Die Teilnehmenden werden von Komponisten und Workshopleitern angeleitet, ihre eigene Musik, oft ohne jegliche Noten, zu kreieren und diese zusammen mit Berufsmusikern aufzuführen. Die Motivation für diese Bewegung liegt darin begründet den Menschen Kenntnisse des Repertoires zu vermitteln, sie für Musik zu begeistern, sie mit dem Akt des Musizierens vertraut zu machen und sie im Sinne eines besseren Lebens zu beeinflussen. Da dieses Zeil erreicht wurde ist es irrelevant, dass die Besucherzahlen bei Konzerten durch die Kulturvermittlung nicht nennenswert verändert wurden.

Im Lauf der Jahre wurde die Umsetzung der Musikvermittlung vereinheitlicht. Mittlerweile ist das nächste Stadium der Arbeit erreicht: Die Menschen im Publikum werden zu Mitspielern im künstlerischen Hauptprogramm und Computertechnologie und soziale Netzwerke bewirken einen Wandel in der Beziehung zwischen Publikum und kulturellen Organisationen.

In meinem Referat ging es dann darum aufzuzeigen, inwieweit Public Relations mehr Zugang zur Kultur bringen.

Hier meine Folien dazu.

Was mir besonders gut gefiehl war einerseits, dass die Veranstaltung eingerahmt wurde von einführenden und resümierenden Worten des Kulturjournalisten Wolfgang Böhler, Chefredakteur des Online-Musikmagazins Codex Flores und dass fünf Teilnehmer resümierende Statements abgaben. Zum anderen gefiehl mir das intensive Diskutieren, das nur möglich war, weil die Teilnehmer in drei Gruppen aufgeteilt wurden. Jedem Referenten wurde eine Moderatorin zur Seite gestellt und so „zog” ich gemeinsam mit ihr von Gruppe zu Gruppe, um im kleinen Kreis über meine Thesen und den Vortrag zu diskutieren. Sehr gut gefallen hat mir auch, dass sich unter den Teilnehmern eine Diskussion entfachte und nicht nur ich Rede und Antwort stehen musste.

In meinen drei Runden ging es viel um das Thema Social Media für Kultureinrichtungen und das obwohl ich Social Media gar nicht so sehr in den Vordergrund gestellt hatte, sondern es als integralen Bestandteil der Public Relations betrachtet hatte. Auch gab es konkrete Nachfragen zu den vorgestellten Beispielen, was sie gebracht haben und wie die konkrete Umsetzung aussah. „Mein Kunstabenteuer” und der „KAtalk” waren dabei besonders beliebt. Das hat mich natürlich besonders gefreut, nicht nur weil ich sie entwickelt und realisiert hatte, sondern weil es auch „Low-Budget-Maßnahmen” waren, die dennoch wirksam waren. Meine Thesen zu Public Relations, die ich in diesem Blogbeitrag dargelegt hatte, stießen nicht bei allen auf Zustimmung. V. a. die These, dass Kultureinrichtungen mehr auf Corporate-PR setzen sollen, wurde so nicht geteilt. Einige sahen Produkt-PR als ausreichend an und die Medienarbeit als wichtigsten Aspekt der Public Relations.

Durch die Aufteilung in Gruppen, hab ich nicht mitbekommen, was mit den anderen Referenten besprochen wurde, aber dafür habe ich ja Birgit Schmidt-Hurtienne von den Kulturwirtschaftswegen mitgenommen, die die Diskussionen mit allen drei Referenten mitbekommen hat. ;-) Ich denke bei ihr wird es auch noch etwas zum Forum zu lesen geben.

Ich habe selten eine so gut vorbereitete und organisierte Tagung erlebt, auch - oder vor allem - was die Absprachen und das Briefing im Vorfeld anging. Ganz große klasse und sehr zuvorkommend. Es war ein sehr inspirierender Tag in der Dampfzentrale Bern. Danke für die Einladung. Eine Dokumentation der einzelnen Foren gibt es hier.

Nachtrag:  Birgit Schmidt-Hurtienne (Kulturwirtschaftswege) hat einen lesenswerten Bericht, der den Titel “Forum Kulturvermittlung Bern: Wie kann der Zugang zur Kultur für alle gefördert werden?” trägt, geschrieben.

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Public Relations sind nicht Medienarbeit

Dienstag, November 29th, 2011

Public Relations

PR Daily hat auf seiner Facebook-Seite kürzlich die Frage gestellt

„ If you could change one thing about being a PR pro, what would it be?”

PR Daily

Eine Antwort, die häufig genannt wurde war „Having to explain what I do for living over and over again” Auch ich kenne diese Frage bzw. das Erklären müssen zur Genüge und zwar nicht nur im Familien- und Bekanntenkreis, sondern auch von Kultureinrichtungen.

Ich hatte mich im Rahmen meines Vortrags zu „Kultur PR und Social Web” beim KMtreff ja schon mal den Begriff erklärt. Damals ging es um die Einbindung von Social Media in die PR-Arbeit. Heute soll’s etwas konkreter werden.

Public Relations sind - verkürzt gesagt - die Gewinnung öffentlichen Vertrauens, also das bewusste und legitime Bemühen um Verständnis sowie der Aufbau und die Pflege von Vertrauen in der Öffentlichkeit. Durch eine transparente Informationskultur nach innen und außen bauen PR-Leute Verständnis auf, das in Vertrauen resultiert und letztendlich aus Interessierten Fürsprecher macht. Konkret heißt das, dass jede Organisation - egal ob Unternehmen oder Kultureinrichtung - Menschen benötigt, um ihre Ziele zu erreichen. Zu diesen Menschen zählen die Mitarbeiter (interne Kommunikation) genauso wie die verschiedenen Teilöffentlichkeiten (externe Kommunikation) wie etwa potentielle Besucher, Journalisten, Dienstleister, Geschäftspartner, Sponsoren etc. Ich nenne diese Menschen Dialoggruppen, da Kultureinrichtungen durch die Social Media nicht nur Beziehungen eingehen, sondern weil im Social Web jeder zum Kommunikator wird. Mehr noch als in der herkömmlichen klassischen PR, sind diese Menschen mehr als Empfänger, sie sind Teil des Ganzen, reden (auch ungefragt) mit und rezipieren Partizipierend. All diesen Personen (intern und extern) muss ein klares Vorstellungsbild der Kultureinrichtung vermittelt werden: Wofür steht die Kultureinrichtung? Was macht sie so einmalig, dass sich andere angezogen fühlen? Mehr noch als früher hat PR hat vor diesem Hintergrund die Aufgabe, intern mit und für die Mitarbeiter ein klares Bild von der Organisation und ihrer Einzigartigkeit zu entwerfen. Nutzen die Mitarbeiter Social Media, werden sie auch von ihrer Einrichtung berichten - berufliches und privates verschwimmen zunehmend. Umso wichtiger ist es, dass die Mitarbeiter zufrieden sind und von der Einzigartigkeit ihrer Kultureinrichtung überzeugt sind und entsprechend kommunizieren. Haben die Mitarbeiter eine klare Vorstellung von der Einzigartigkeit ist es ein Leichtes auch die potentielle Besucher, Geschäftspartner, Sponsoren, ein klares Bild zu vermitteln.

Im Unterschied zur Werbung sind Public Relations auf Dauer angelegt und dienen der Reputation. Vom Marketing unterscheiden sie sich dahingehend, dass Marketing die Funktion hat, so Bernhard Heidel,

„die absatzpolitischen Instrumente eines Unternehmens unter Berücksichtigung des Konsumentenverhaltens zu gestalten”.

In meinem Berufsalltag mache ich oft die Erfahrung, dass Public Relations mit Medienarbeit gleichgesetzt wird. Dass diese Annahme viel zu kurz greift ist, zeigte schon der eingangs erwähnte Hinweis auf die Dialogpartner. Um das öffentlich Vertrauen zu gewinnen sind Newsletter, Flyer, Mitarbeiterzeitschriften, Events, Intranet und Internet, das Social Web sowie die Organisation und/oder Teilnahme an Symposien, um nur einige Beispiele zu nennen, geeignet. Kommuniziert werden hierdurch einerseits Informationen über ganz konkrete Leistungen einer Kultureinrichtung (z. B.  Ausstellungseröffnung, neues Theaterstück) und andrerseits  über den Kulturbetrieb allgemein (Vortragsreihen “Was ist Gegenwart” oder auch zu gesellschaftlichen Themen “Museum Public”).

Häufig wird der Fokus in den Public Relations zu sehr nur auf Kommunikation über die Leistungen gelegt. Ich unterscheide in meinem täglichen PR-Alltag zwischen „Produkt-PR” also die Kommunikation über neue Ausstellungen, Konzerttermine, Lesungen etc., die eher marketingorientiert ist, da sie auf den Verkauf von Tickets abzielen und punktuell (wenn auch kontinuierlich) auftreten. Parallel dazu stehen die Corporate-PR, die kontinuierlich mit übergreifenden, allgemeinen Informationen, Reputationsbildend wirken.

Meine These 1 lautet: Nur wer kontinuierlich Corporate-PR macht, wird längerfristig und nachhaltig auch Erfolg in der Produkt-PR haben, offline oder online. Für Kultureinrichtungen, auch für kleiner und mittlere, ist das Social Web auch aus Public-Relations-Sicht und hier insbesondere für Corporate-PR aus mehreren Gründen interessant. Nicht jede kleine Kultureinrichtung hat die Chance, in den klassischen Medien präsent zu sein sowie Flyer und Newsletter zu gestalten und Vortragsreihen oder Tage der offenen Tür zu organisieren. In dieser Hinsicht bieten Social Media eine Möglichkeit die Dialogpartner kontinuierlich auch mit dem „Blick hinter die Kulissen” an ihrer Arbeit teilhaben zu lassen und ihre Reputation zu schärfen.

Viele Kultureinrichtungen betreiben im Social Web allerdings nur Produkt-PR und wundern sich dann, dass ihr Social-Media-Engagement nur bedingt erfolgreich ist. These 2: Würden sie mehr Corporate-PR zulassen und sich auf Diskussionen einlassen, wären sie sicherlich auch begehrter. Zum einen bieten virtuelle Räume den Kultureinrichtungen die Möglichkeit, sich und ihre Kunst in einem neuen Umfeld zu präsentieren und erlebbar zu machen. Zum anderen führt der Mitmachgedanke, der Dialog, dazu, dass ein Meinungs- und Erfahrungsaustausch stattfindet - Kulturvermittlung  - und sich Aussagen über die Kultureinrichtungen viral verbreiten und die Reputation steigern.

(Der Beitrag war Teil meines Vortrags “Schafft PR mehr Zugang zur Kultur?” im Rahmen des Forum Kulturvermittlung der Pro Helvetia Stiftung)

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