Posts Tagged ‘Kultur-PR’

Kulturvermittlung transmedial

Mittwoch, Oktober 5th, 2011

screenshot_ken-barbieBei Transmedia Storytelling denke ich auch an die „Ken-will-Barbie-wiederhaben-Geschichte”. Hier hat Mattel verschiedenste Social Media genutzt, um die Wiedervereinigung des Traumpaares zu erzählen und auch die Dialogpartner einzubeziehen. Mehrfach hat Mashable darüber berichtet (u. a. hier  und hier).

Seit ich von dieser Geschichte gelesen habe, stelle ich mir von, wie es wohl wäre, in einer ähnlichen Form über die verschiedensten Social Media - transmedial eben - die Vorbereitungen zu einer Ausstellung oder eines Festivals zu erzählen. Von Anfang an die Dialogpartner am Entstehungsprozess teilhaben zu lassen: Wie entsteht die Idee zu einer Ausstellung oder zu einem Schwerpunktthema eines Festivals, wie wird angefangen, welche Telefonate und Meetings müssen abgehalten werden, welche Reisen unternommen. Wie werden Künstler und Arbeiten ausgewählt etc. Ein (fiktiver) Kurator oder eine Festivalleiterin könnte den Entstehungsprozesses durch Check-Ins, ergänzende Blogbeiträge und Notizen via Twitter, Google plus oder Facebook sowie Fotos der ausgewählten oder in der engeren Auswahl stehenden Arbeiten den Entstehungsprozess dokumentieren und die Dialogpartner mit auf die Reise nehmen.

Ich denke Geschichten rund um solch einen Entstehungsprozess sind vielfältig und spannende Geschichten (und Anekdoten) gibt es sicherlich viele zu erzählen. Durch diese Form des Geschichten-Erzählens über verschiedenste Medien hinweg könnten Kultureinrichtungen v. a. auch dem Aspekt der Kulturvermittelung hervorragend nachkommen. Die Neugierde wird geweckt, indem komplexe Zusammenhänge erklärt, Prozesse gestaltet und Beziehungen gepflegt werden. Und so dürfte am Ende einem realen Besuch dessen, was die Dialogpartner wochenlang online verfolgt haben, nichts mehr im Weg stehen.

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Kulturblogger - Beziehungspflege, aber wie?

Mittwoch, Juni 15th, 2011

Social GraphDas Social Web stellt nicht nur die Beziehung zwischen Kultureinrichtung und Dialogpartnern auf eine neue Grundlage, sondern auch die zu Journalisten. Denn Social Media wirkt sich auf den Arbeitsalltag der Redakteure aus. Nicht nur Medien an sich sind bei Twitter und zunehmend auch bei Facebook, sondern auch immer mehr Redakteure sind bei Twitter und recherchieren dort ganz gezielt nach Informationen und beobachten die Blogs der Kultureinrichtungen. (Eine Übersicht twitternder Redakteure gibt’s bei Tweetranking oder auch bei Talkabout)

Noch beziehen Kultureinrichtungen Journalisten und Blogger selten in ihre Medienarbeit im Social Web ein. Gründe hierfür sind sicherlich,  dass einerseits klassische Medienarbeit nach wie vor eine übergeordnete Rolle einnimmt. Andrerseits treten auch nur wenige Redakteure des Feuilletons öffentlich bei Twitter oder Facebook in Erscheinung und kommunizieren mit den Dialogpartnern. Dass Kulturblogger eine untergeordnete Rolle spielen, liegt darin begründet, dass sie einfach nicht den Einfluss, das Renommee und die Reichweite haben, wie es Blogger anderer Bereiche, wie etwa der Mode, haben.

Dennoch finde ich, dass gerade kleinere Kultureinrichtungen durch diese Beziehungspflege im Social Web ins öffentliche Bewusstsein gelangen können. Natürlich ist diese Form der Beziehungspflege kein Ersatz zu klassischer Medienarbeit, sondern nur eine Ergänzung derselben.

Wie kann diese Beziehungspflege aussehen?

Mittels Social Media haben PR-Verantwortliche nun die Möglichkeit mit Journalisten auf „ungezwungene Art und Weise” ins Gespräch zu kommen und sie schnell und unmittelbar auf dem Laufenden zu halten, ihnen zuzuhören und sie auf Themen zu stoßen. Das können Kultureinrichtungen auch dadurch, indem sie sich bei Gedenktagen mit Videos und Fotos zu Personen und Ereignissen einbringen und so am tagesaktuellen Geschehen partizipieren.

Bei all den Journalisten sollte man allerdings auch Blogger als Multiplikatoren und Meinungsmacher nicht außer Acht lassen, auch wenn die deutsche Kultur-Blogosphäre sehr unübersichtlich und nicht sehr professionalisiert ist. Was ich damit meine ist, dass sie, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen,  schreiben, wann sie gerade Zeit und Lust dazu haben. D. h. man kann sie nur bedingt dazu bewegen einen Beitrag zu einem bestimmten Zeitpunkt zu veröffentlichen. Und nicht vergessen - Blogs sind sehr subjektiv und spiegeln ausschließlich die Meinung des Autors/der Autorin wider.

Robert Basic hat in einem Blogbeitrag sehr ausführlich beschrieben, was beim Umgang mit Bloggern zu beachten sei. Im Kulturbereich kann man das sicherlich etwas entspannter sehen, zumal es hier nicht wirklich darum geht, Produkte zu testen - das könnte ich mir am ehesten noch bei der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker - vorstellen. Ansonsten geht es bei den Kultureinrichtungen doch mehr um Veranstaltungshinweise oder Besprechungen.

Beispiele wie (Kultur-)Blogger-Relation abseits der Ankündigungen aussehen können zeigen folgende Beispiele: Etwa die KAtalks der Kronberg Academy, bei denen u. a. Blogger die Möglichkeit hatten, Musiker über Twitter zu interviewen und über ihre Erfahrung zu schreiben. Oder auch indem unter dem Stichwort Twitter-Freundschaften Birgit Schmidt-Hurtienne in einem Interview erklärte, was unter Notenkorrektorat zu verstehen ist. Das heißt in beiden Fällen wurde aktiv auf die Blogger zugegangen, um sie ins Boot zu holen. Das Museum für Kommunikation Berlin ist die Sache eher passiv angegangen, indem es über die Website Blogger aufgerufen hat, mit ihm gemeinsam über die Geschichte der Kommunikation - im Museum versteht sich - zu diskutieren. Die ersten beiden Beispiele setzen voraus, dass man bereits entsprechende Blogger bereits kennt. Ein Blick in diverse Blogrolls kann da durchaus sinnvoll sein.

Und damit sind wir auch schon bei der Ansprache derjenigen, zu denen man noch keine Beziehung aufgebaut hat. Eine nette, persönliche, Ansprache über Twitter oder Email, die auch zeigt, dass das Blog schon gelesen wurde halte ich für angebracht. Wenn er oder sie Infos bereits zu einem Zeitpunkt erhält, bevor sie breit gestreut wird ist es umso besser, denn die Blogger fühlen sich geschmeichelt. Bei mir waren so ein Fall etwa die Ludwigsburger Schlossfestspiele, die mich eigentlich nur um einen Linktausch baten, ich aber das Gefühl hatte, dass die Absenderin der Mail meine Blogthemen kennt. Am Ende ist dann ein Blogbeitrag entstanden wo sie als Positiv-Beispiel für File-Sharing-Plattformen vorkamen.

Im Gegenzug sollte eine Kultureinrichtung für eine Veröffentlichung durchaus auch etwas zurückgeben, etwa einen (Re-)Tweet oder einen Link auf den Blogbeitrag als Zeichen der Wertschätzung.

Der nächste Schritt wäre dann sicherlich auch Blogger ganz gezielt einzuladen, sei es zu Pressekonferenzen oder Themenrunden.

In dem Zusammenhang sind bereits folgende Artikel erschienen:

Wie Social Media die Kultur-PR verändern
Wie wirkt sich Social Web auf die Kultur-PR aus?

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Wie Social Media die Kultur-PR verändern

Mittwoch, Mai 25th, 2011

Nachdem ich im ersten Teil davon geschrieben habe, was in der PR-Arbeit sowohl off- als auch online gleich bleibt, wird es heute um die Veränderung und auch neue Kompetenzen, die im Social Web gefragt sind, gehen.

Social Media sind zwar keine Massenmedium, dafür ermöglichen sie einen unmittelbaren, direkten Kontakt zu den Dialoggruppen. Bei den klassischen Medien sind die Leser, Zuhörer und Zuseher schon da, im Social Web müssen sie „gesucht” werden, man muss sie für sich einnehmen. Und das wird nur gelingen, wenn man Online-Präsenz schafft, die auf Dialog ausgerichtet ist sowie konstruktive Kritik und Mitgestaltung zulässt. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die (PR-)Verantwortlichen eine Kultureinrichtung nicht in Social Media platzieren können. Was man allerdings tun kann, sind Plattformen auf zu machen und Inhalte zu bieten. Wenn diese Inhalte gut gemacht sind, kommen auch viele, um das Gespräch zu suchen. Machen sie es schlecht, haben sie Pech gehabt. In Social Media bedarf es keiner Mittler mehr; Journalisten als Gatekeeper werden überflüssig. Wobei es sicherlich auch nicht schadet Influencer und Fürsprecher auf seiner Seite zu haben, um die Bekanntheitsgrad der Institution zu steigern. Beziehungspflege eben!

Neu sind auch die Abläufe. Lange Freigabeprozesse sind obsolet. Jeder wird nun zum Sprachrohr der Einrichtung. Die Leitung einer Kultureinrichtung muss einerseits Vertrauen in die Mitarbeiter haben und damit einhergehend auch die Befugnis geben, öffentlich und entsprechend der Erwartungen der Interessierten zu kommunizieren.

Auch wenn es DEN EINEN oder DIE EINE Verantwortliche(n) gibt, sollten andere Mitarbeiter miteinbezogen werden. Auch wenn eine PR- und Social-Media-Verantwortliche etwa Kunstgeschichte studiert hat, ist es mitunter beim Thema Restauration sinnvoller die Kollegin mit dem entsprechenden Know-how zu Wort kommen zu lassen oder sie zu Rate zu ziehen. Kommunikation wird zur Teamarbeit. Jeder Mitarbeiter ist Sprachrohr und Botschafter „ihrer” Kultureinrichtung. Deshalb ist es auch angebracht, dass nicht nur über die Fanseite kommuniziert wird, sondern, dass jeder Einzelne über seine Profile kommuniziert. Dieses Multiplikatoren-Potential wird immer noch viel zu selten genutzt. Und diese Einbindung aller kann wesentlich zum Aufbau der digitalen Reputation beitragen. Positivbeispiel ist in dem Zusammenhang Sebastian Hartmann, der in seinem Profil stets auch über „sein Museum”, das Neanderthal Museum in Mettmann berichtet. Eine Kultureinrichtung hat damit nicht nur ein Gesicht, sodass Interessierte, wissen mit wem sie sich unterhalten, sondern er trägt Informationen des Museums auch in seinen Freundeskreis, der nicht zwingender weise zum Freundeskreis des Museums zählt.

Beim nächsten Beitrag wird es um Medien- und Blogger-Relation gehen.

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Tagungsband zur stART10 “Social Media im Kulturmanagement” ist erschienen

Mittwoch, Mai 11th, 2011

Der Tagungsband der stART10 mit dem Titel Social Media im Kulturmanagement ist nun erschienen. Das Buch enthält eine Sammlung von theoretischen und praktischen Grundlagen, Best-Practice-Beispielen, Aufsätzen zu den Schwerpunktthemen der Konferenz “Geschäftsmodelle im Web 2.0″ und “Mobile Web” sowie Studien. Einen kleinen Vorgeschmack auf den Inhalt und ein Probekapitel gibt es hier.

Zur Einbettung des Buches hier auf dem Blog hab ich, wie von den Herausgebern vorgeschlagen, Book2Look genutzt. Damit ist es einerseits möglich, verschiedene Infos zum Buch, wie Inhaltsverzeichnis und einen Artikel, gleich online zu lesen. Der Vorteil zu anderen File-Sharing-Angeboten ist allerdings, dass die Texte  neben den Sharing- und Embeding-Funktionen zusätzlich durch Links, Videos und Audiofiles ergänzt werden können und das Buch auch gleich online gekauft werden kann. Mit einem Klick auf das rote Kästchen oben ganz rechts werden Links zu Online Shops angezeigt. ;-)

Auf dem Blog der startconference  werden bis morgen, 12. Mai,  noch drei Exemplare des Buches verlost.

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Wie wirkt sich Social Web auf die Kultur-PR aus?

Montag, Mai 9th, 2011

Beim letzten Treffpunkt.Kulturmanagement hatte ich das Impulsreferat zum Thema Kultur-PR im Social Web gehalten. In einer Serie werde ich dieses Thema unter dem Aspekt „Wie wirkt sich Social Web auf die PR-Arbeit” etwas ausführlicher darstellen. Kultureinrichtungen nutzen Social Media, meiner Beobachtung nach, in erster Linie für Marketing und PR. Was heißt den PR konkret und wo gibt es Überschneidung? Dass es im Bereich PR angesiedelt ist, ist durchaus sinnvoll ist. Auch wenn manch einer die klassische PR vom Aussterben bedroht sieht, wird sie meiner Meinung nach nicht aussterben und schon gar nicht, wenn es um kulturelle Themen (der sogenannten Hochkultur) geht. Hier sind die klassischen Medien immer noch zu wichtig, als dass man sie vernachlässigen kann. Die PR wird weiterhin Themen setzen, Zusammenhänge erklären, Prozesse gestalten und Beziehungen pflegen. Was sich allerdings ändert ist einerseits das Instrumentarium, das durch Social Media vielfältiger wird, da mehr und immer wieder neue Kanäle bespielt werden müssen. Andrerseits wird die PR-Arbeit durch die Verbindung mit Social Media auch dynamischer werden.

Schaut man sich verschiedene Definitionen von PR an, finden sich zur Erklärung von PR-Arbeit Schlagwörter wie, Beziehungspflege, Aufbau und Pflege von Vertrauen, bemühen um Verständnis, Kontinuität, Wertschätzung, bewusst, planen, langfristig. Alles Begriffe, die ebenso fürs Social Web gelten. Nur mit dem Unterschied, dass im Social Web noch weiter Begriffe hinzukommen wie Transparenz, Authentizität, zuhören, Rückkanal, kein Mittler, zeitnahes reagieren. Doch auch diese Eigenschaften und Aufgaben sind PR-Fachleuten nicht unbekannt. Auch einem Journalisten muss ich zuhören, um herauszufinden, welche Themen interessieren und auch zeitnahes Reagieren sind auch im PR-Alltag gang und gäbe. Oder lassen Sie Journalisten unnötig lange auf eine Antwort warten? Ich nicht.

Was gleich bleibt

Stichwort langfristige Strategie: Klassische PR zeigt meist erst langfristig betrachtet Erfolge. Es wird eine Strategie, die ein klares Ziel verfolgt entwickelt und dementsprechend werden Maßnahmen zur Erreichung dieser Ziele darauf abgestimmt. Ähnlich verhält es sich auch bei Social Media. Erfolge werden sich erst längerfristig einstellen und wer von Anfang an eine klare Strategie hat, was er erreichen will, ist klar im Vorteil.

Stichwort Verständnis und Vertrauen. Mit transparenten und offenen Information nach innen und außen bauen PR-Praktiker Verständnis auf, das in Vertrauen resultiert. Gleiches gilt auch im Social Web.

Stichwort Denkweise des Gegenüber einnehmen. Im PR-Alltag bedarf es eines Ausgleichs zwischen den Interessen der Kultureinrichtungen und den Öffentlichkeiten (gemeint sind nicht nur Journalisten, sondern auch Künstler, Sponsoren etc. ) So wie PRler nicht nur die Einstellung der Journalisten bzw. aller Dialoggruppen einnehmen, sich in sie hineinversetzen und ihnen die entsprechende Inhalte (Informationen, Content) liefern. Auch im Social Web sollte man die Haltung der Dialoggruppen einnehme und sich fragen, welche Inhalte sie lesen wollen. In dem Zusammenhang finde ich die Antwort von Werner Lippert vom NRW Forum Düsseldorf, die er mir im Interview gab, immer noch erfrischend offen und ehrlich

„Der Blog war unser erster Fehler. Wir haben damit bereits Januar 2009 angefangen und nicht auf die Befindlichkeiten der Szene gehört. Der erste Blog war eigentlich ein Blog, der zu sehr selbstzentriert war. Wir haben dort Sachen geschrieben, die wir selber interessant fanden. [...]“

So wie Journalisten die Medien- oder Hintergrundinformationen entsprechend aufbereitet angeboten werden, damit sie zu den Bedürfnissen ihrer Leser passen, so müssen auch die verschiedenen Social Media bedient werden. Eine FAZ-Feuilleton-Redakteurin erhält andere, tiefer gehende Informationen als eine Redakteurin von der Bunten. Ebenso wird man auch Facebook-Interessierte anders ansprechen als Twitter-User.

Im nächsten Beitrag wird es um Veränderungen gehen.

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Nur wer etwas besonderes anbietet, wird wahrgenommen ¦ Interview mit Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Direktor des Neanderthal Museums

Mittwoch, November 17th, 2010

Auch nach Abschluss der Studie werde ich die Interview-Serie mit Verantwortlichen aus den Kultureinrichtungen zu deren Social-Media-Aktivitäten in loser Folge fortsetzen.

Wer kennt ihn nicht - Mr. N., das Sprachrohr des Neanderthalmuseums, der seit Anfang des Jahres Wissenwertes und Unterhaltsames von den Neanderthalern zwitschert und so dem Bild des keulenschwingenden Höhlenmenschen entgegenwirkt. Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Museumsdirektor des Neanderthal Museums in Mettman, hat mir dazu einige Fragen beantwortet.

Prof. Dr. Gerd-C Weniger mit Mr. N.

Prof. Dr. Gerd-C. Weniger mit Mr. N.

Ulrike Schmid: Was war Ihre Motivation, sich ins Social Web zu begeben?
Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger: Eines unsere zentralen Anliegen ist, sich eng mit der Gesellschaft zu vernetzen, um möglichst viele Menschen zu erreichen und um auf neue Entwicklungen der Wissensvermittlung, der Pädagogik und des Marketing schnell reagieren zu können. Museen müssen heute den jeweils aktuellen technischen Standard in der Gesellschaft abbilden, wenn sie erfolgreich sein wollen. Nach dem Relaunch unserer Website war der Gang ins Social Web daher der nächste logische Schritt. Wir wollten online mit verschiedenen Zielgruppen via Facebook, Twitter, Blog und Co ins Gespräch kommen und die Web-2.0-User mit einem Blick hinter die Kulissen auf unsere umfangreichen Aktivitäten aufmerksam machen und für das Haus werben.

U. S.: Wie sind Sie vorgegangen?
G. W.: Nachdem die grundsätzliche Entscheidung getroffen war, entwickelten wir ein Konzept für unseren Auftritt im Social Web. Entscheidend war dabei, die internen Abläufe, mit denen Informationen, Daten und Geschichten im Web platziert werden sollten, zu definieren und Routinen zu entwickeln. Wir haben als Museum einen entscheidenden Vorteil: Bei uns ergeben sich täglich Prozesse, die es wert sind, nach draußen kommuniziert zu werden. Die Kunst lag nun darin, das Team zu motivieren, um die einmal definierten Informationskanäle auch zu nutzen. Nach der Vorbereitungsphase, fiel im Februar des Jahres der Startschuss.

U. S.: Kam der Anstoß von innen oder wurden Sie extern von einer Agentur/einer Social-Media-Beratung unterstützt?
G. W.: Unser Mitarbeiter der Mediathek, Sebastian Hartmann, hatte die stARTconference 2009 besucht. Nach der Konferenz platzierte er das Thema Social Media im Museum. Nach einer kurzen internen Diskussion wurde in Absprache mit der Abteilung Marketing und Pressearbeit der Prozess in die Wege geleitet. Einer der Konferenzorganisatoren, Frank Tentler, stand uns anfangs beratend zur Seite. Das waren für uns ideale Rahmenbedingungen, denn wir mussten echtes Neuland betreten.

U. S.: Viele Kultureinrichtungen klagen, dass mangelnde Zeit und fehlende Finanzen der Grund dafür seien, weshalb Sie zurückhaltend sind, wenn es um den Einsatz von Social Media geht. Wie haben Sie dieses Problem gelöst?
G. W.: Das Neanderthal Museum finanziert sich zu einem Großteil durch Einnahmen. Wirtschaftliches Denken und Handeln sind Teil unseres Alltags. Wir sahen eine Chance mit den Aktivitäten im Web 2.0 bestimmte Zielgruppen an das Haus zu binden. In erster Linie sehe ich den täglichen Arbeitsaufwand und die „Manpower” im Umgang mit den Web2.0-Werkzeugen als Herausforderung. Die Pflege unserer Accounts ist Teil des Aufgabenprofils des hochmotivierten Mediatheksmitarbeiters. Die Arbeit im Web 2.0 konnte er nach einem höheren Aufwand zu Beginn gut in den Arbeitsalltag integrieren. Außerdem gelang es, weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für eine Beteiligung zu gewinnen - wie zum Beispiel beim Neanderblog.

U. S.: Gibt es bei Ihnen eine Social-Media-Guideline?
G. W.: Viele der Mitarbeiter/innen bei uns am Haus sind jung und in Social Networks wie Facebook vertreten. Sie waren besonders zum Start gute Multiplikatoren, da sie die Werbetrommel für unsere Fanseite rührten. Ich setze in der Online-Kommunikation unserer Mitarbeiter auf Vertrauen und Loyalität unserem Haus gegenüber. Bislang gab es keine negativen Vorkommnisse. Mittelfristig wird es aber die wichtigsten Verhaltensregeln im Social Web auch schriftlich geben.

U. S.: Sie sind ein sehr kommunikatives Museum, das den Dialog mit den Fans und Followern sucht. Wie gehen Sie dabei vor? Welche Unterschiede gibt es in der Konversation innerhalb der verschiedenen Kanäle?
G. W.: Vielen Dank für das Kompliment. Es war klar, dass gerade in der ersten Zeit der Dialog bzw. Multilog im Mittelpunkt stehen muss. Dass heißt: Interaktion und Partizipation. Dabei gibt es natürlich Unterschiede zwischen den Plattformen. Wir legten die Accounts konzeptionell unterschiedlich an: Das Blog ist in seiner Form eine Art „Tagebuch” des Neanderthal Museums, wo die Leser den Museumsalltag mit allen Facetten hautnah erleben können. Wir erlauben einen Blick hinter die Kulissen. Ich selber schreibe auf dem Blog auch Beiträge in der Rubrik „Schulterblick Forschung”. Bei Facebook wollen wir innerhalb einer Neanderthaler-Fangemeinschaft kommunizieren. Wir bestücken die Fanseite mit vielen Museumsinfos, aber auch externen Beiträgen zum Thema Archäologie und Evolution. Hier stellen wir Fragen, regen zu Diskussionen an, „fordern” zum Feedback und zur Interaktion auf. Besonders wichtig sind auch Mitmachaktionen. Twitter ist für uns ein Kanal zur Informationsstreuung - jedoch in Erzählform. Mr. N., die Neanderthaler-Rekonstruktion aus dem Museum, tritt hier als Sprachrohr des Museums auf und zwitschert Neuigkeiten aus dem Neandertal, empfiehlt Angebote, Events und Veranstaltungen oder schlägt auch mal andere Museums-Accounts bei Twitter vor. Gerne antwortet Mr. N. auch auf Fragen anderer Twitterer, die vom Museum begeistert sind.

U. S.: Stichwort Content Syndication. Inwieweit findet eine Verknüpfung von klassischer PR und Social Media statt?
G. W.: Wichtige Elemente des klassischen Marketings wie zum Beispiel die Diffusion eines Ausstellungsplakates oder das Bewerben von neuen Angeboten des Museums oder aktuellen Veranstaltungen fließen selbstverständlich in die Web-2.0-Präsenzen mit ein. Hier ergeben sich hervorragende Synergien, ohne dass es für die User aufdringlich wird. Das gilt auch für die Infos aus den Pressemitteilungen. Ich habe den Eindruck, dass dies sehr positiv wahrgenommen wird. Das zeigen vor allem die Weiterempfehlungen oder auch die Interaktionsraten. Klassische Werbemedien verknüpfen sich mit Social Media. Dies funktioniert dann, wenn alle Abteilungen gut miteinander vernetzt sind. Unser Team ist darauf hervorragend eingestellt.

U. S.: Wie frei darf Ihr Mitarbeiter agieren?
G. W.: Innerhalb der redaktionellen Betreuung hat Sebastian Hartmann viele Möglichkeiten und Freiheiten. Oberste Prämissen sind Aktualität und Qualität. Die kommunizierten Inhalte sollen einen Mehrwert für das Museum erzielen und nicht persönliche Bedürfnisse befriedigen. Wie und auf welche Art und Weise die Informationen über die Kanäle verteilt werden, wurde vorab im Konzept diskutiert und dann definiert. Auf der anderen Seite entwickelt unser verantwortlicher Mitarbeiter für das Social Web eigenständig die Accounts konstant weiter. Gleiches gilt für das Blog, bei dem knapp ein Dutzend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen autonom Beiträge verfassen.

U. S.: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Social-Media-Aktivitäten?
G. W.: Das oberste Ziel ist selbstverständlich einen Mehrwert für das Haus zu produzieren. Erste Erfolge haben wir bereits nach kurzer Zeit erreicht. Wir wollten den Neanderthaler und das Museum im Internet bekannter machen, wollten dem verzerrten Bild des Neanderthalers als einem keulenschwingenden Höhlenmensch entgegenwirken und zeigen, dass er ein sozialer, technikaffiner Mensch war. Darüber hinaus suchen wir den Kontakt mit den Besuchern und verstehen die verschiedenen Netzwerke als virtuelle Gästebücher. Anders als beim klassischen Gästebuch kann sofort ein Feedback erfolgen. Das hat bislang alles gut geklappt. Natürlich möchten wir in einem nächsten Schritt neue Zielgruppen im Museum begrüßen. Die Web2.0-Generation zwischen 20 und 40 Jahren ist in den meisten Museen als realer Besucher unterrepräsentiert. Diese gilt es nun nicht nur „online” anzusprechen, sondern auch „offline” ins Museum zu holen. Wobei wir uns hier keine schnellen Erfolge versprechen.

U. S.: Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen?
G. W.: Im Social Web lässt sich sehr gut mit Zahlen und Statistiken arbeiten. Hier sind die bisher registrierten Erfolge beträchtlich: 3000 bis 5000 Leser greifen auf Blogbeiträge zu, die Fangemeinde auf Facebook wächst langsam Richtung 1000 Fans, im Top-Ten-Ranking der twitternden Museen in Deutschland sind wir eins von lediglich zwei Archäologie-Museen und unser Museumstrailer auf YouTube wurde weit über 20.000 mal angeklickt. Aber auch die Interaktionsrate der User ist für uns wichtig. Bei Facebook wird mittlerweile jeder Beitrag mehrfach mit „gefällt mir” angeklickt oder kommentiert. Dies belegt, dass man über das Neanderthal Museum spricht. Und worüber gesprochen wird, das wird auch weiterempfohlen.

U. S.: Welche Neuerungen/Weiterentwicklungen wird es geben?
G. W.: Das Social Web ist ein bewegtes Medium, dass nach neuen Formen der Kommunikation sucht. Wir halten zukünftig das Mobile Web und Spezialangebote für Twitterer und Facebooker für wichtige Themen. Wer unseren Blog abonniert oder Fan und Follower wird, kann sich über neue Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

U. S.: Was tun Sie, um die Freunde aus dem Social Web ins Museum zu bekommen?
G. W.: Das ist die zweite große Herausforderung für das kommende Jahr 2011. Wir arbeiten zu Zeit daran, unterschiedliche Angebote für die Facebooker und Blogleser wie zum Beispiel Preview-Führungen, zu entwickeln. Diese sollen einen Anreiz für die Online-Gemeinde bilden, das Museum „in echt” zu besuchen. Auch spezielle Twitter-Events (Twittwoch, Twittagessen) sind in Planung.

U. S.: Was empfehlen Sie anderen Kultureinrichtungen, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden wollen?
G. W.: Das Social Web heute als ein Muss für jedes Museum zu fordern, ist sicher falsch. Richtig ist, zunächst die Chancen von Social Media für eine Einrichtung zu bewerten. Dabei sollte geprüft werden, inwieweit ein Alleinstellungsmerkmal oder eine besondere Expertise für ein Thema vorliegt. Auch im Web 2.0 gilt: nur wer etwas Besonderes anbietet, wird wahrgenommen. Unabhängig davon wird Social Media zukünftig ein wichtiges Feld für die Kultur werden, da sich immer mehr Personen auf diesem Wege informieren und organisieren. Es gilt mittelfristig hier präsent zu sein, um unsere Kunden überall dort abzuholen, wo sie sich aufhalten.

Vielen Dank Herr Professor Weniger für das Interview.

Bisher erschienene Interviews:

Johannes Reiss, Österreichisches Jüdisches Museum, Eisenach
Prof. Dr. Klaus Schrenk, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Max Hollein, Städel Museum, Schirn Kunsthalle und Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf

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