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Kulturbetriebe und Web 2.0 ¦ Teil 1: Informieren Sie noch oder kommunizieren Sie bereits?

Donnerstag, Oktober 15th, 2009

Immer mehr deutsche Kultureinrichtungen nutzen Social Media für ihre Kommunikation. Die Twitter-Accounts haben explosionsartig zugenommen, keine größere Kultureinrichtung kommt mehr ohne einen aus. Ebenso verhält es sich mit einer eigenen Fanseite oder Gruppen bei Facebook. Auch Accounts bei Flickr und You Tube sind fast selbstverständlich geworden. Soweit so gut. Dies alles ist ja sehr erfreulich und zeigt, dass viele Kultureinrichtungen die Zeichen der Zeit erkannt haben.

Bei all dem Hype den Social Media zurzeit bei Kultureinrichtungen erfahren, sind mir  einige Aspekte aufgefallen, die so gar nicht Web 2.0-mäßig anmuten. Ursprünglich wollte ich nur auf den mangelnden Dialog eingehen Doch beim Schreiben dieses Beitrags sind mir noch einige weitere Punkte gekommen, sodass es jetzt eine kleine Serie geben wird. Auf den elementarsten und offensichtlichsten komme ich heute zu sprechen: Dialog/Interaktion

Mittlerweile nutzt jede größerer Kultureinrichtung, die etwas auf sich hält und am Puls der Zeit sein will Social Media. Von wenigen Ausnahmen abgesehen dient ihnen Twitter und auch Facebook nur dazu, Veranstaltungen anzukündigen. Ein Austausch findet so gut wie gar nicht statt. Die neuen Medien werden genutzt um in den althergebrachten Strukturen zu arbeiten, also reine Informationen (Veranstaltungshinweise) zu geben. Die Weitergabe von Wissen geschweige denn, dass auch mal zugehört wird und Wünsche aus der Online Community angenommen werden, findet nicht statt. Diese reinen Ankündigungen machen es anders herum auch den Followern schwer, zu reagieren. Was soll ich zu einem Konzerthinweis schon groß antworten?

Als einfachste und auch unterste Stufe einer Interaktion - will man eine Skala für Interaktion festlegen - zähle ich einen Retweet. Eine Kultureinrichtung würde bei mir damit schon punkten, weil sie mir damit zeigt, dass sie auch Themen, die nicht nur sie angeht, empfiehlt. Diese Erfahrung habe ich bisher allerdings nur mit englischen oder amerikanischen Einrichtungen gemacht.

Ich frage mich: Liegt es nur am Zeitmangel, ist es Desinteresse oder ist in den Köpfen der Verantwortlichen einfach noch angekommen, dass das Schlagwort „Dialog” mehr ist als ein Schlagwort - nämlich zuhören und sich in Diskussionen einzubringen. Bin ich nur wieder einmal zu ungeduldig und die Kulturinstitutionen benötigen einfach noch mehr Zeit?

Meine These ist ja, dass die die Social-Media-Aktivitäten von der PR-Abteilung gemacht werden - und das sicherlich auch zu Recht. Ich glaube nur, dass die wenigsten loslassen können und eher Sorge haben, sie könnten die Kontrolle verlieren. Die Gefahr „etwas Falsches” zu twittern ist natürlich bei Tweets, die nicht auf eine Veranstaltung verweisen viel größer.

Christian Henner-Fehr hat in seinem Blogbeitrag “Web 2.0 ist auch eine Frage der Haltung” kürzlich empfohlen, die Kultureinrichtungen sollten beginnen zu moderieren.

„Versuchen Sie doch mal, sich nicht nur als Sprachrohr Ihrer Kultureinrichtung zu verstehen, sondern schlüpfen Sie mal ganz bewusst in die Rolle eines Moderators, wenn Sie das nächste Mal twittern oder Ihre Facebook-Seite bzw. Ihr Blog mit Inhalten füllen.”

Und weiter

„Aus dem Ansatz „ich möchte meine Info loswerden” wird z. B. plötzlich „ich bin gespannt, worüber wir heute twittern werden”.

Eine schöne Vorstellung, die allerdings auch bedeutet, dass der/die Verantwortliche den ganzen Tag über die Twitterstreams der Follower verfolgt - und ich habe meine Zweifel, dass dem so ist.

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Mein Kunstabenteuer

Montag, September 22nd, 2008

Mein liebstes Projekt – Mein Kunstabenteuer – ging am Freitag mit der Prämierung der Kunstabenteurerin 2008 zu Ende. Dieses Projekt, das mich nun knapp ein Jahr – von der ersten Idee, über die Konzeption bis zur Umsetzung – begleitet hat, will ich nun an dieser Stelle vorstellen.

Was verbirgt sich dahinter?

Die Idee zu diesem Projekt entstand, weil eines der fünf Mindelheimer Museen – das Heimatmuseum – ein Schattendasein führt. Untergebracht in einem ehemaligen Kloster birgt es zwar zirka 20.000 Exponate, die personelle und damit auch finanzielle Situation der Stadt lässt allerdings nur Öffnungszeiten am Donnerstagnachmittag und an jedem zweiten Sonntag im Monat zu. Nicht nur, aber auch, deshalb soll das Museum ins Jesuitenkolleg umziehen, wo sich bereits drei andere Museen befinden.

Um die Bevölkerung dennoch für dieses Museum und seine Schätze zu begeistern, wurde das Projekt „Mein Kunstabenteuer“ ins Leben gerufen. Der Kulturamtsleiter Christian Schedler war sofort von meiner Idee begeistert. Auch der Chefredakteur der örtlichen Tageszeitung, Johann Stoll, war bereit als Dritter im Bunde der Kooperationspartner alle zwei Wochen einen Platz für einen Artikel in der Mindelheimer Zeitung bereit zu stellen.

Die Idee

Idee des Projekts war es, dass „Leute, wie du und ich“ ins Heimatmuseum gehen, sich ein Objekt aussuchen, begründen weshalb ihnen dieses Werk so gut gefällt und sich mit ihm fotografieren lassen. Die Erklärungen wurden redaktionell überarbeitet und im vierzehntägigen Rhythmus mit Foto veröffentlicht. Zeitversetzt wurden die einzelnen Kunstabenteuer noch auf einer eigens dafür eingerichteten Internetseite der Stadt eingestellt. Am Ende waren es 16 Kunstabenteurer, die ganz unterschiedliche Objekte entdeckt hatten: Von Schmuck, über Möbel und Gemälde bis hin zu Skulpturen und Spielzeugen.

Nutzen für das Museum

Einerseits stiegen die Besucherzahlen an. Die Besucher nahmen den Artikel als Anlass endlich ins Museum zu gehen und waren schon vorab gut informiert. Gleichzeitig war das Heimatmuseum über sechs Monate regelmäßig in der Zeitung. Das Heimatmuseum war im Gespräch. Menschen, die ansonsten nichts oder nur wenig mit Kultur zu tun haben, lasen plötzlich die Geschichten, welche die Kunstabenteurer erlebt hatten. Teils weil sie die betreffende Person kannten, das Foto ansprechend war oder auch nur weil der „gehobene Schatz“ das Interesse weckte. Ehrlich gesagt, war für mich das Schönste, dass gerade die „Nicht-Kulturbeflissenen“ sich dadurch angesprochen fühlten. Ganz bewusst hatten wir keine hoch-wissenschaftlichen Abhandlungen geschrieben. Die Eindrücke der jeweiligen Personen waren viel wichtiger, ergänzt durch ein paar Daten und Fakten zum jeweiligen Objekt. Es wurden Geschichten erzählt und Einblicke in manch privaten Gedanken der Kunstabenteurer gewährt.

Das Ende

Mit der achtjährigen Julia wurde am Freitagabend eine Kunstabenteurerin prämiert, wie wir es uns als Organisatoren nicht besser hätten wünschen können. Für Julia war es nämlich damals im März der allererste Besuch eines Mindelheimer Museums. Als Preis hat sie einen Erlebnistag, den sie gemeinsam mit Freunden im Museum verbringen darf, gewonnen. Dass Julia sich auf ihren nächsten Museumsbesuch schon sehr freut, versteht sich da fast schon von selbst. Und ob das Ende jetzt der Anfang einer großen Museumsfreundschaft wird, wird sich zeigen …

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