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Von Kulturschaffenden für Kulturschaffende: 6 Experten-Tipps

Donnerstag, Juni 24th, 2010

In den Interviews mit sechs Verantwortlichen aus der Chefetage deutscher Kultureinrichtungen zu deren Social-Media-Aktivitäten, hatte ich immer nach einer Empfehlung für „Neueinsteiger” gefragt.

Hier alle Antworten auf einen Blick

Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Ich glaube, es hat keinen Sinn, Social Media zu nutzen, weil man glaubt, es gehöre dazu. Wer niemanden hat, dem diese Art der Kommunikation Freude bereitet und der sagt, das würde ich gerne machen, bekommt niemals die Leichtigkeit rein, die man braucht. Wenn das „von oben” gewissermaßen gesetzt wird nach dem Motto „jetzt macht mal”, dann wird es leicht statisch und öde.

Wenn es aber gelingt, eine persönliche Note zu etablieren, einen eigenen Stil - und darauf, glaube ich, kommt es an - dann sollten Kultureinrichtungen Social Media nutzen. Ich hatte mit Tine Nowak, die im vergangenen Jahr unsere Pressearbeit gemacht und Social Media im Haus etabliert hat, solch einen Glücksfall. Ihr fallen diese Aufgaben leicht und sie arbeitet weiter daran, obwohl sie inzwischen andere Aufgaben hat, und begeistert auch andere mitzumachen. Nur dann fällt die Mehrbelastung nicht so sehr ins Gewicht.

Max Hollein, Städel Museum, Schirn Kunsthalle, Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
Man sollte sich immer genau ansehen, was zum eigenen Haus passt. Außerdem muss einem bewusst sein, dass mit dem Einsatz von Social Media ein nicht geringer Zeitaufwand verbunden ist. Aber abgesehen davon ist es für viele Formate eine sehr effiziente und kostengünstige Form der Kommunikation.

Werner Lippert, NRW-Forum Düsseldorf
Bevor man sich als Kultureinrichtungen ins Social Web begibt, muss man sich tatsächlich die Frage stellen, will ich das wirklich, passt das zu mir und wie bewerkstellige ich das. Kultureinrichtung sollten sich auch Gedanken um Authentizität machen.

Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Wichtig ist im Vorfeld zu klären: Was wollen Sie erreichen? Womit können Sie das Interesse der Menschen wecken? Und man sollte genau hinschauen, um die Regeln der Kommunikation in den Netzwerken zu verstehen. Wie in jeder Kommunikation nützt es nichts, wenn man selbst als einziger von der Relevanz seiner Inhalte und Äußerungen überzeugt ist. Dann führt man bald Selbstgespräche - auch im Netz. Zu guter Letzt würde ich empfehlen: Nehmen Sie sich nicht zu viel vor und versuchen Sie nicht, ein ganzes Geschäftsmodell auf Social Media aufzubauen. Über diesen Weg etwas unmittelbar verkaufen zu wollen, funktioniert nur bedingt. Wenn Sie diese Kanäle dauerhaft und qualitätsbewusst nutzen, werden Sie allerdings erreichen, dass Ihr Angebot diskutiert wird und im Gespräch bleibt. In einer Welt, in der es so unendlich viele Möglichkeiten gibt, Kultur zu nutzen, ist das viel wert.

Prof. Dr. Klaus Schrenk, Bayerische Staatsgemäldesammlungen
Also ich würde sagen, dass sie sich eine besonders große Ausstellungseröffnung oder eine Neueröffnung als Ausgangspunkt nehmen sollten. Aus meiner Sicht hat sich das sehr bewährt, dass wir die Rubens-Ausstellung zum Auftakt genommen haben. Das ist für die Häuser der am besten begehbare Weg, meine ich.

Wichtig ist, dass man sich bemerkbar macht und sich in das Feld hineinbegibt, auch wenn es nur mit wenigen Tools oder Profilen ist. Das ist ein notwendiger Modernisierungsprozess natürlich auch in den Häusern.

Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Ich würde raten, verhältnismäßig unvoreingenommen heranzugehen. Ich habe das Social Web als eine positive Sache kennen gelernt. Es gibt ein großes Wohlwollen im Netz, das ist eine der positiven Erfahrungen, die ich gemacht habe. Wir als Orchester sind interessanter als wir glauben - das sollte man sich bewusst machen.

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