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Rechtliche Stolperfallen (1) – Scannen, Zitieren, Verlinken

Freitag, März 9th, 2012

© skvoor, Fotolia.com

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In den vergangenen Wochen war viel von Urheber- und Nutzungsrecht im Kulturbereich die Rede. Die Abmahnungen der Süddeutschen und der Frankfurter Allgemeineen Zeitung gegenüber Künstlern haben für reichlich Aufregung gesorgt.

Ich möchte etwas Licht ins Dunkel bringen und da ich keine Rechtsexpertin bin, habe ich mir mit Sebastian Dramburg
von der Berliner Rechtsanwaltskanzel Schwenke & Dramburg - im Netz unter Spreerecht bekannt - einen Experten ins Boot geholt.

Das Feld der „Rechtsverfehlungen im Netz” ist weit. Im Folgenden gehe ich nur auf das Thema „Zitieren” bzw. Einstellen von Ausstellungs-, Konzert- oder Theaterbesprechungen etc. ein.

Die häufigsten unkorrekten Darstellungsformen, die mir bei der Recherche aufgefallen sind, waren:

  • Zitate aus Besprechungen ohne jeglichen oder mangelhaften Hinweis auf das Medium,
  • Komplett eingescannte Artikel oder,
  • „nur” Zitate mit denen die künstlerische Leistung unter Beweis gestellt werden soll.

Dass die beiden erstgenannten Punkte ein No-Go sind, versteht sich von selbst. Ersterer verstößt nicht nur gegen jedwede Form des korrekten Zitierens, sondern auch gegen die Netiquette. Auch beim zweiten Punkt dürfte jedem einleuchten, dass es sich um einen Rechtsverstoß handelt, sofern die Autorin/der Autor bzw. der Verlag nicht die Zustimmung gegeben hat.

Viele Künstler und PR-Verantwortliche sind davon ausgegangen, dass ein Zitat mit Quellenangaben, das lediglich aus ein paar Sätzen besteht, erlaubt sind. Dass dem nicht so ist, zeigt der Fall FAZ/Oper Frankfurt. Klar, wer (mich eingeschlossen) weist nicht gerne auf Berichte in namhaften Medien hin? Wenn Sie jetzt denken, Sie fragen einfach bei der Redakteurin/beim Redakteur nach, ob Sie den Beitrag veröffentlichen dürfen, liegen Sie leider falsch. Die Einwilligung muss der Verlag erteilen. Fragt man sich natürlich was das Problem der Medien dabei ist? Ist es nicht für beide Parteien eine „Win-Win-Situation”?

Rechtsanwalt Sebastian Dramburg

Rechtsanwalt Sebastian Dramburg

„Nicht ganz”, sagt Sebastian Dramburg dazu „Es kommt vor allem auf die Länge des Zitats an. Wenn komplette Texte verwendet werden, ist klar, dass dies nicht mehr vom Zitatrecht gedeckt ist. Wenn man Ausschnitte aus einem Text nutzen möchte, dann ist dies nur möglich, wenn man sich auch inhaltlich mit dem zitierten Text auseinander setzt. Die häufigsten Problem ist, dass entweder zu viel Text übernommen wird, oder der Text gar nicht als Zitat verwendet wird, sondern einfach nur kopiert wird, ohne sich inhaltlich damit zu befassen”.

Ein frei erfundenes Beispiel:

Die positiven Pressestimmen und die Reaktionen der Zuhörer haben uns ermutigt auch im nächsten Jahr kein barockes Werk zur Aufführung zu bringen, sondern erneut Werke aus dem 19. Jahrhundert auf den November-Spielplan zu setzen, nicht zuletzt auch deshalb, weil unsere Interpretation so positiv bewertet wurde „[...] Der Chor hat in diesem Jahr in die von Barockmusik geprägten Weihnachtskonzerte eine Bresche für Neues geschlagen und damit großen Mut bewiesen. Er präsentierte französische und italienische Kompositionen der Romantik auf höchstem Niveau. [...]” [Name Medium, Link]

Gleiches gilt auch wenn man aus einem Online-Artikel oder einem Blogbeitrag ein Zitat übernimmt und direkt darauf verlinkt wird. Denn, so der Anwalt „ob online oder offline Inhalte spielt dabei keine Rolle. Sobald ein Text eine gewisse Schöpfungshöhe erreicht hat, ist er urheberrechtlich geschützt. Wenn ich also im Rahmen eines Beitrages fremden Text als Zitat nutzen möchte, dann

  • darf ich nicht mehr als nötig kopieren,
  • muss ich den Text als Zitat kennzeichnen,
  • darf den Text nicht verändern und
  • muss die Quelle benennen und wenn möglich verlinken.”

So wie das meist unerlaubte Einstellen von ausgewählten Zitaten auf der Website, so gehört auch das Erstellen von Clipping-Dokumentationen (Medienspiegel) zum PR-Geschäft - schließlich wollen die Sponsoren sehen, wofür sie ihr Geld hergeben. Da werden ganze Bücher mit Pressebelegen gefertigt und verteilt. Da dies unter Ausschluss der Öffentlichkeit und der Medien passiert, scheint sich daran allerdings niemand am Urheberrecht zu stören, oder? „Auch bei den sog. Pressespiegeln oder Medienclippings darf man die Inhalte nur nach Einwilligung der Autoren/Verlage nutzen. Durch die Erwähnung des eigenen Unternehmens oder des Kunden wird keine Erlaubnis fingiert.

Nach § 49 UrhG ist eine Nutzung von Pressespiegeln ohne Einwilligung nur unternehmensintern erlaubt. Sobald also eine Agentur eine Pressemappe einem Kunden zu Verfügung stellt, liegt hier eine Verletzung des Urheberrechts vor.”

Gern integriert wird bei der Nennung des Zitats auf der Website in dem Zusammenhang auch immer das Logo des Mediums. „Das Textzitat betrifft nur den Text. Das heißt Fotos, oder urheberrechtlich geschützte Logos dürfen weiterhin nur mit Einwilligung genutzt werden. Möglich ist die Nutzung eines Markenlogos, wenn sich bspw. mit dem Unternehmen auseinander gesetzt wird. Werden die Logos und Marken aber aus Selbstdarstellungsgründen verwendet, wie bspw. bei „Unsere Kunden in den Medien” kann es hier Ärger geben”, so Dramburg.

Also, wer Ärger vermeiden will, sollte so wenig wie möglich zitieren und/oder sich die Einwilligung des Verlags holen (die dann häufig kostenpflichtig ist).

In einem zweiten Beitrag werden wir einige, für Kultureinrichtungen relevante, Aspekt des Social-Media-Rechts beleuchten.

Auf Spreerecht gibt es auch einen Blogbeitrag zum Zitieren.

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