Posts Tagged ‘Museum’

Fan sein macht Spaß, ist aber zeitaufwändig

Donnerstag, Januar 10th, 2013

FCA-StadionEnde vergangenen Jahres habe ich das Projekt „Orchestrasfan” begonnen. Dabei geht es darum, meiner Begeisterung für Orchester Ausdruck zu verleihen und ihr eine virtuelle Heimat zu geben.

Zum Thema Fan heißt es bei Wikipedia

„Ein Fan ist ein Mensch, der längerfristig eine leidenschaftliche Beziehung zu einem für ihn externen, öffentlichen, entweder personalen, kollektiven, gegenständlichen oder abstrakten Fanobjekt hat und in die emotionale Beziehung zu diesem Objekt Ressourcen wie Zeit und/oder Geld investiert.” (weiterlesen…)

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Linktipps 15-3-2012 ¦ Kultur-Tweetups

Donnerstag, März 15th, 2012

KultUp-Logo. Gestaltung Birgit Schmidt-Hurtienne Heute in einer Woche steht der erste Frankfurter Kultur-Tweetup an. Ort des Geschehens ist das MMK Museum für Moderne Kunst Frankfurt. Die Reihe haben wir unter das Motto “Tweet up your cultural life!” gestellt.

und bei

  • KultUp gibt es detaillierte Infos darüber, was wir vorhaben und wie’s funktioniert.

In diesem Sinne “Tweet up your cultural life!”

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Wissen sollte frei zugänglich sein ¦ Interview mit Dr. Susanne Gaensheimer, Direktorin des MMK Frankfurt

Freitag, November 4th, 2011

Deutscher Pavillon der Kunstbiennale in Venedig und 20 Jahre Museum für Moderne Kunst Frankfurt: Ein Interview mit der Direktorin Dr. Susanne Gaensheimer über Social Media und Kunstvermittlung.

Dr. Susanne GaensheimerUlrike Schmid: Das MMK nutzt seit gut einem Jahr Social Media, v. a. Facebook zur Kommunikation. Wie lautet Ihr erstes Resümee?
Susanne Gaensheimer: Seit der Anmeldung bei Facebook im Frühjahr 2010 haben wir über 7.000 Fans. Auch wenn die Zahl dabei nicht ausschlaggebend ist, erreichen wir vor allem junge Leute zwischen 25 und 35 als Zielgruppe. Das ist uns sehr wichtig, da gerade diese Personengruppe zu unseren potentiellen Museumsbesuchern zählt.

Facebook bietet uns die Chance, das MMK mit all seinen verschiedenen Facetten zu präsentieren. Wir können etwa mit Reihen wie unserem Mittwochsquiz im Rahmen der Jubiläumsausstellung die Sammlung vorstellen und mit einem Blick hinter die Kulissen, wie bei den Beiträgen zum Ausstellungsaufbau, die Museumsarbeit transparenter machen. All das könnten wir auf unserer Website nicht in diesem Maß darstellen. Wichtig ist uns jedoch, dass auch die Social-Media-Einträge immer inhaltlich fundiert sind. Denn die Entscheidung bei Facebook eine Fanseite einzurichten, haben wir im vergangenen Jahr nicht einfach getroffen, um „auch dabei zu sein”, sondern um eine neue Form der Vermittlung unserer Inhalte anzubieten, die eine spezifische Zielgruppenansprache und auf Facebook abgestimmte Inhalte erfordert. Facebook bietet uns die Chance, unseren Fans täglich einen Einblick in unsere Arbeit zu geben, diese transparenter zu machen und auf unsere Sammlung, Ausstellungen und besondere Highlights aufmerksam zu machen. Besonders die Facebook-User fordern die von uns geteilten Informationen oft als Newsletter. Deswegen verweisen wir häufig auf unsere eigene Website, auf der die interessierten User noch mehr Hintergrundinformationen erfahren.

U. S.: Wo sind die Social-Media-Aktivitäten angesiedelt?
S. G.: Die Social-Media-Aktivitäten sind bei uns in der Abteilung der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, also bei unserer Pressesprecherin Christina Henneke und ihrem Team angesiedelt. Selbstverständlich werden andere Abteilungen des MMK - wie die Kunstvermittlung, die Kuratoren, die Restauratoren oder der Verein der Freunde des MMK - je nach Thema der Beiträge einbezogen.

U. S.: Wie haben Social Media die (Öffentlichkeits-)Arbeit verändert?
S. G.: Die Öffentlichkeitsarbeit des MMK hat sich in den vergangenen Jahren generell verändert. Wir haben erst seit eineinhalb Jahren eine offizielle Stelle „Presse- und Öffentlichkeitsarbeit”. In dieser Zeit haben wir uns stärker und offensiver nach außen geöffnet. Beispielsweise produzieren wir zu unseren Ausstellungen regelmäßig Videos, die wir auf unserer Website sowie bei YouTube und Vimeo einstellen, und auch Veranstaltungen wie etwa die MMK-Talks dokumentieren wir filmisch.

Die Kommunikation über ein junges und aktuelles Medium wie Facebook gehört dann selbstverständlich auch dazu. Da die Kommunikation über Facebook eine ganz andere Ansprache erfordert, ist dadurch ein weiteres Arbeitsgebiet zu den klassischen Medien wie Pressemitteilungen, Web-Texte, Newsletter, Ausstellungsfolder usw. hinzugekommen. Durch die Social-Media-Aktivitäten hat sich die Öffentlichkeitsarbeit auch dahingehend verändert, dass wir viel stärker in unmittelbarem Kontakt zu den Fans und potentiellen Besuchern stehen, wenn diese unsere Pinnwandeinträge kommentieren oder Fragen zu unseren Postings stellen.

U. S.: Wird es weitere Kanäle geben, die Sie in die Social-Media-Kommunikation einbeziehen?
S. G.: Wir beobachten die Entwicklung der Social Media und reagieren entsprechend. Da wir ein sehr kleines Team sind und immer am Rande unserer Kapazitäten arbeiten, muss jeder weitere Social-Media-Kanal auch immer im Verhältnis zum Aufwand gesehen werden. Seit Kurzem sind wir auch bei Flickr. Bei Twitter sind wir derzeit noch nicht, überlegen jedoch, wie wir es sinnvoll nutzen könnten. Wir möchten allerdings nicht unüberlegt herangehen und riskieren, dass wir das personell gar nicht bewältigen können. Es geht uns nicht darum, überall dabei zu sein. Wenn wir uns irgendwo neu einklinken, muss auch immer ein auf dieses Medium zugeschnittenes und praktikables Konzept dahinterstehen.

Wir achten bei der Kommunikation als Museum immer sehr auf die Gleichstellung von Text und Bild. In Zukunft möchten wir vermehrt Ausstellungsvideos in unsere Beiträge einfließen lassen. Dennoch sollen die Beiträge den Museumsbesuch natürlich nicht ersetzen, sondern anregen, motivieren und das Interesse am MMK wecken.

U. S.: Mit der Aktion „Für euch gesammelt” bringen Sie den Facebook-Fans den Sammlungsbestand nahe. Welche Chancen, gerade hinsichtlich der Vermittlung, ergeben sich aus Ihrer Sicht durch Social Media für die Museen?
S. G.: Bei dem Mittwochsquiz „Für euch gesammelt” stellen wir wöchentlich ein Kunstwerk aus dem Museumsbestand vor und stellen oft kniffelige Fragen, die sich nicht nur auf den Titel oder den Namen des Künstlers beziehen, sondern auf Besonderheiten hinweisen, die es zu lösen gilt. So lautete eine unserer Fragen zum Beispiel, was es mit der 150 kg schweren Konfettilandschaft von Markus Sixay auf sich hat. Um die Frage zu beantworten, musste man sich mit dem Kunstwerk auseinandersetzen und einige Zeit recherchieren. Bis jetzt liefen die Beiträge und Kommentare sehr gut. 10 Antwortkommentare empfinden wir dabei als zufriedenstellende Teilnahme.

Wir können unseren Facebook-Fans unseren Sammlungsbestand natürlich nur rudimentär vorstellen. Unser Anspruch lautet aber auch nicht, die Kunstvermittlung mit den Originalen im Museum zu ersetzten, sondern die Lust an der Kunst zu wecken oder das ein oder andere Geheimnis, dass sich um ein Kunstwerk rankt, durch unsere Fragen aufzudecken, bzw. überhaupt darauf hinzuweisen, dass hinter der Oberfläche einer Abbildung vielleicht oder ganz sicher noch Dinge liegen, die es zu entdecken gilt.

U. S.: Für mich ist das Mittwochsquiz eine Form der Kunstvermittlung. Was ist Kunstvermittlung für Sie?
S. G.: Wir sehen unsere Social-Media-Aktivitäten als eine Erweiterung unseres umfangreichen Kunstvermittlungsangebotes und der Öffentlichkeitsarbeit. Die Vermittlungsarbeit im Museum kann dadurch nicht ersetzt werden, da das Erleben der Originale im Museum hierbei immer eine große Bedeutung hat. Jedoch bieten wir auch Kunstvermittlungsprogramme an, in denen sich ein online- und offline-Erleben der Kunst miteinander verbindet: Beispielsweise in einem Ferienworkshop übernahmen Jugendliche für eine Woche den Facebook-Account des MMK und haben ausgehend von ihren Erlebnissen im Museum die Pinnwandbeiträge der Woche eigenständig konzipiert und gepostet.

U. S.: Wie stehen Sie der Einbeziehung der Dialogpartner, sprich potentiellen Besuchern, in den Museumsalltag gegenüber? Also, sie beispielsweise in die kuratorische Arbeit einzubeziehen.
S. G.: Eine Einbeziehung in die allgemeine kuratorische Arbeit kann ich mir nicht vorstellen. Im Rahmen der Museumspädagogik bieten wir allerdings regelmäßig Kooperationsprojekte an, in denen wir Schülerinnen und Schüler einbinden. Bei SHOW UP! haben Schülerinnen und Schüler unter professionellen Bedingungen eine Ausstellung mit Werken der Sammlung zu einem selbst gewählten Thema kuratiert. Die Gruppe entwickelte dabei die Konzeption der Ausstellung. Die Entscheidung über das Thema, über die Auswahl der gezeigten Kunstwerke, sowie deren Hängung im Raum lagen dabei in der Hand der Jugendlichen. Dieses Projekt wurde auch von der Kulturstiftung der Länder ausgezeichnet und wird in den nächsten Monaten fortgesetzt.

U. S.: Seit Sommer ist der Sammlungsbestand des MMK online zu sehen. Was versprechen Sie sich davon? Wie wird das Angebot angenommen?
S. G.: Die Online-Sammlung ist eine tolle Möglichkeit die Vielfalt der Sammlung immer öffentlich darstellen zu können - für jedermann. Das kann schließlich keine noch so umfangreiche Ausstellung leisten. Wir haben einen Sammlungsbestand von über 4.500 Werken internationaler Kunst. Mit einer solchen Konzentration an herausragenden Arbeiten kann kaum ein anderes Museum in Deutschland aufwarten und auch international gilt das MMK als eines der führenden Museen für moderne und zeitgenössische Kunst. Diese Fülle könnten wir in einem Bestandskatalog gar nicht erfassen, weil sie sich ständig weiterentwickelt und wir das finanziell auch gar nicht stemmen könnten.

Wissen sollte frei zugänglich sein, nicht nur für die Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker, für die die Sammlung ein wichtiges Forschungsmedium ist. Jeder sollte die Möglichkeit haben, sich mit den Kunstwerken des Museums auseinanderzusetzen und weiterführende Hintergundinformationen zu erhalten. Generell weckt die Transparenz der Sammlung sicher auch ein Verständnis für die Sammlungstätigkeit eines Hauses.

U. S.: Mein Eindruck ist, dass sich unter Ihrer Leitung das Haus einem breiteren Publikum öffnet. Wie ist die Resonanz etwa auf „MMK After Work”?
S. G.: „MMK After Work” ist eine sehr erfolgreiche Reihe, die wir gemeinsam mit dem Offenbacher Club „Robert Johnson” durchführen. Bei diesem regelmäßig stattfindenden Abend-Event, wie auch bei all unseren Veranstaltungen, geht es uns um Vermittlung. So gibt es nicht nur Musik, Drinks und Essen, sondern auch den ganzen Abend über Führungen, die extrem gut angenommen werden. „MMK After Work” gibt es nun seit einem Jahr und die Resonanz ist enorm. Mit diesem Event erreichen wir auch ein ganz anderes Publikum, ein neues Publikum das wir allmählich auch bei unseren Ausstellungseröffnungen oder an anderen Tagen im Haus sehen.

U. S.: Sie haben für die diesjährige Biennale den Deutschen Pavillon kuratiert und dafür den Goldenen Löwen erhalten. Hat sich dadurch Ihr „Standing” in Frankfurt geändert? Erfährt das MMK einen größeren, öffentlicheren Zuspruch?
S. G.: Dadurch, dass im Zusammenhang mit meinem Namen auch immer das MMK genannt wurde, ist das Haus jetzt natürlich bekannter.

Letztendlich hat aber die Summe aller Maßnahmen, angefangen bei einer veränderten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, den Social Media und diversen Events, den Kooperationen mit anderen Institutionen wie dem Schauspiel Frankfurt, der Städelschule, dem „Robert Johnson” oder dem Frankfurter Kunstverein dazu geführt, dass das MMK nun stärker im Bewusstsein der Frankfurter Bevölkerung verankert ist.

Vielen Dank Frau Dr. Gaensheimer für das Gespräch.

Bisher erschienene Interviews:

Marcus Bosch, Sinfonierorchester Aachen, Staatsphilharmonie Nürnberg, Waldhauskonzerte Flims, Opernfestspiele Heidenheim
Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Neanderthal Museum Mettmann
Johannes Reiss, Österreichisches Jüdisches Museum, Eisenach

Prof. Dr. Klaus Schrenk, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München

Max Hollein, Städel Museum, Schirn Kunsthalle und Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt

Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt

Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker

Tobias Möller, Berliner Philharmoniker

Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf

Christian Kabitz, Künstlerischer Leiter des Mozartfestes Würzburg

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Museum nachgefragt

Freitag, April 29th, 2011

„Museum nachgefragt: Positionen - Erwartungen - Perspektiven” lautet der Titel der diesjährigen Tagung des Deutschen Museumsbundes in Kooperation mit der Kulturstiftung der Länder (8. bis 11. Mai in Magdeburg).

In Zeiten, in denen Museen zunehmend Sparzwängen zum Opfer fallen, ist es nötig, den Mehrwert von Museen als gesamtgesellschaftliche Aufgabe neu zu definieren. Und deshalb soll gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Bildung, Wirtschaft und Tourismus sowie aus verschiedenen Interessensverbänden herausgefunden werden, welche Relevanz Museen für die verschiedenen gesellschaftlichen Bereiche haben.

Fragen, die erörtert werden sollen, sind etwa:

  • Kommt Museen bei immer drängenderen Bildungsfragen aus politischer Sicht eine tragende Rolle zu?
  • Von welchem Interesse sind sie für die Medienberichterstattung?
  • Gibt es bislang unentdeckte Potenziale, die Museen eine Hauptrolle als Darsteller bei der Programmentwicklung zuweisen könnten?
  • Werden Museen bei touristischen Marketinganalysen einbezogen und bei Tourismuskonzepten berücksichtigt?
  • Sind sie Partner für die Wirtschaft?
  • Bieten Museen Chancen für eine breite gesellschaftliche Partizipation?

Kurz gesagt Was macht ein Museum zu einem nachgefragten Ort?

Wenn es um die Frage der Wahrnehmung der Museen in den Medien geht, werde ich als Vertreterin für Social Media mitdiskutieren.

Ich bin gespannt, was mich erwartet, und freue mich auf die Tagung und neue Erkentnisse.

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Nur wer etwas besonderes anbietet, wird wahrgenommen ¦ Interview mit Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Direktor des Neanderthal Museums

Mittwoch, November 17th, 2010

Auch nach Abschluss der Studie werde ich die Interview-Serie mit Verantwortlichen aus den Kultureinrichtungen zu deren Social-Media-Aktivitäten in loser Folge fortsetzen.

Wer kennt ihn nicht - Mr. N., das Sprachrohr des Neanderthalmuseums, der seit Anfang des Jahres Wissenwertes und Unterhaltsames von den Neanderthalern zwitschert und so dem Bild des keulenschwingenden Höhlenmenschen entgegenwirkt. Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Museumsdirektor des Neanderthal Museums in Mettman, hat mir dazu einige Fragen beantwortet.

Prof. Dr. Gerd-C Weniger mit Mr. N.

Prof. Dr. Gerd-C. Weniger mit Mr. N.

Ulrike Schmid: Was war Ihre Motivation, sich ins Social Web zu begeben?
Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger: Eines unsere zentralen Anliegen ist, sich eng mit der Gesellschaft zu vernetzen, um möglichst viele Menschen zu erreichen und um auf neue Entwicklungen der Wissensvermittlung, der Pädagogik und des Marketing schnell reagieren zu können. Museen müssen heute den jeweils aktuellen technischen Standard in der Gesellschaft abbilden, wenn sie erfolgreich sein wollen. Nach dem Relaunch unserer Website war der Gang ins Social Web daher der nächste logische Schritt. Wir wollten online mit verschiedenen Zielgruppen via Facebook, Twitter, Blog und Co ins Gespräch kommen und die Web-2.0-User mit einem Blick hinter die Kulissen auf unsere umfangreichen Aktivitäten aufmerksam machen und für das Haus werben.

U. S.: Wie sind Sie vorgegangen?
G. W.: Nachdem die grundsätzliche Entscheidung getroffen war, entwickelten wir ein Konzept für unseren Auftritt im Social Web. Entscheidend war dabei, die internen Abläufe, mit denen Informationen, Daten und Geschichten im Web platziert werden sollten, zu definieren und Routinen zu entwickeln. Wir haben als Museum einen entscheidenden Vorteil: Bei uns ergeben sich täglich Prozesse, die es wert sind, nach draußen kommuniziert zu werden. Die Kunst lag nun darin, das Team zu motivieren, um die einmal definierten Informationskanäle auch zu nutzen. Nach der Vorbereitungsphase, fiel im Februar des Jahres der Startschuss.

U. S.: Kam der Anstoß von innen oder wurden Sie extern von einer Agentur/einer Social-Media-Beratung unterstützt?
G. W.: Unser Mitarbeiter der Mediathek, Sebastian Hartmann, hatte die stARTconference 2009 besucht. Nach der Konferenz platzierte er das Thema Social Media im Museum. Nach einer kurzen internen Diskussion wurde in Absprache mit der Abteilung Marketing und Pressearbeit der Prozess in die Wege geleitet. Einer der Konferenzorganisatoren, Frank Tentler, stand uns anfangs beratend zur Seite. Das waren für uns ideale Rahmenbedingungen, denn wir mussten echtes Neuland betreten.

U. S.: Viele Kultureinrichtungen klagen, dass mangelnde Zeit und fehlende Finanzen der Grund dafür seien, weshalb Sie zurückhaltend sind, wenn es um den Einsatz von Social Media geht. Wie haben Sie dieses Problem gelöst?
G. W.: Das Neanderthal Museum finanziert sich zu einem Großteil durch Einnahmen. Wirtschaftliches Denken und Handeln sind Teil unseres Alltags. Wir sahen eine Chance mit den Aktivitäten im Web 2.0 bestimmte Zielgruppen an das Haus zu binden. In erster Linie sehe ich den täglichen Arbeitsaufwand und die „Manpower” im Umgang mit den Web2.0-Werkzeugen als Herausforderung. Die Pflege unserer Accounts ist Teil des Aufgabenprofils des hochmotivierten Mediatheksmitarbeiters. Die Arbeit im Web 2.0 konnte er nach einem höheren Aufwand zu Beginn gut in den Arbeitsalltag integrieren. Außerdem gelang es, weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für eine Beteiligung zu gewinnen - wie zum Beispiel beim Neanderblog.

U. S.: Gibt es bei Ihnen eine Social-Media-Guideline?
G. W.: Viele der Mitarbeiter/innen bei uns am Haus sind jung und in Social Networks wie Facebook vertreten. Sie waren besonders zum Start gute Multiplikatoren, da sie die Werbetrommel für unsere Fanseite rührten. Ich setze in der Online-Kommunikation unserer Mitarbeiter auf Vertrauen und Loyalität unserem Haus gegenüber. Bislang gab es keine negativen Vorkommnisse. Mittelfristig wird es aber die wichtigsten Verhaltensregeln im Social Web auch schriftlich geben.

U. S.: Sie sind ein sehr kommunikatives Museum, das den Dialog mit den Fans und Followern sucht. Wie gehen Sie dabei vor? Welche Unterschiede gibt es in der Konversation innerhalb der verschiedenen Kanäle?
G. W.: Vielen Dank für das Kompliment. Es war klar, dass gerade in der ersten Zeit der Dialog bzw. Multilog im Mittelpunkt stehen muss. Dass heißt: Interaktion und Partizipation. Dabei gibt es natürlich Unterschiede zwischen den Plattformen. Wir legten die Accounts konzeptionell unterschiedlich an: Das Blog ist in seiner Form eine Art „Tagebuch” des Neanderthal Museums, wo die Leser den Museumsalltag mit allen Facetten hautnah erleben können. Wir erlauben einen Blick hinter die Kulissen. Ich selber schreibe auf dem Blog auch Beiträge in der Rubrik „Schulterblick Forschung”. Bei Facebook wollen wir innerhalb einer Neanderthaler-Fangemeinschaft kommunizieren. Wir bestücken die Fanseite mit vielen Museumsinfos, aber auch externen Beiträgen zum Thema Archäologie und Evolution. Hier stellen wir Fragen, regen zu Diskussionen an, „fordern” zum Feedback und zur Interaktion auf. Besonders wichtig sind auch Mitmachaktionen. Twitter ist für uns ein Kanal zur Informationsstreuung - jedoch in Erzählform. Mr. N., die Neanderthaler-Rekonstruktion aus dem Museum, tritt hier als Sprachrohr des Museums auf und zwitschert Neuigkeiten aus dem Neandertal, empfiehlt Angebote, Events und Veranstaltungen oder schlägt auch mal andere Museums-Accounts bei Twitter vor. Gerne antwortet Mr. N. auch auf Fragen anderer Twitterer, die vom Museum begeistert sind.

U. S.: Stichwort Content Syndication. Inwieweit findet eine Verknüpfung von klassischer PR und Social Media statt?
G. W.: Wichtige Elemente des klassischen Marketings wie zum Beispiel die Diffusion eines Ausstellungsplakates oder das Bewerben von neuen Angeboten des Museums oder aktuellen Veranstaltungen fließen selbstverständlich in die Web-2.0-Präsenzen mit ein. Hier ergeben sich hervorragende Synergien, ohne dass es für die User aufdringlich wird. Das gilt auch für die Infos aus den Pressemitteilungen. Ich habe den Eindruck, dass dies sehr positiv wahrgenommen wird. Das zeigen vor allem die Weiterempfehlungen oder auch die Interaktionsraten. Klassische Werbemedien verknüpfen sich mit Social Media. Dies funktioniert dann, wenn alle Abteilungen gut miteinander vernetzt sind. Unser Team ist darauf hervorragend eingestellt.

U. S.: Wie frei darf Ihr Mitarbeiter agieren?
G. W.: Innerhalb der redaktionellen Betreuung hat Sebastian Hartmann viele Möglichkeiten und Freiheiten. Oberste Prämissen sind Aktualität und Qualität. Die kommunizierten Inhalte sollen einen Mehrwert für das Museum erzielen und nicht persönliche Bedürfnisse befriedigen. Wie und auf welche Art und Weise die Informationen über die Kanäle verteilt werden, wurde vorab im Konzept diskutiert und dann definiert. Auf der anderen Seite entwickelt unser verantwortlicher Mitarbeiter für das Social Web eigenständig die Accounts konstant weiter. Gleiches gilt für das Blog, bei dem knapp ein Dutzend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen autonom Beiträge verfassen.

U. S.: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Social-Media-Aktivitäten?
G. W.: Das oberste Ziel ist selbstverständlich einen Mehrwert für das Haus zu produzieren. Erste Erfolge haben wir bereits nach kurzer Zeit erreicht. Wir wollten den Neanderthaler und das Museum im Internet bekannter machen, wollten dem verzerrten Bild des Neanderthalers als einem keulenschwingenden Höhlenmensch entgegenwirken und zeigen, dass er ein sozialer, technikaffiner Mensch war. Darüber hinaus suchen wir den Kontakt mit den Besuchern und verstehen die verschiedenen Netzwerke als virtuelle Gästebücher. Anders als beim klassischen Gästebuch kann sofort ein Feedback erfolgen. Das hat bislang alles gut geklappt. Natürlich möchten wir in einem nächsten Schritt neue Zielgruppen im Museum begrüßen. Die Web2.0-Generation zwischen 20 und 40 Jahren ist in den meisten Museen als realer Besucher unterrepräsentiert. Diese gilt es nun nicht nur „online” anzusprechen, sondern auch „offline” ins Museum zu holen. Wobei wir uns hier keine schnellen Erfolge versprechen.

U. S.: Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen?
G. W.: Im Social Web lässt sich sehr gut mit Zahlen und Statistiken arbeiten. Hier sind die bisher registrierten Erfolge beträchtlich: 3000 bis 5000 Leser greifen auf Blogbeiträge zu, die Fangemeinde auf Facebook wächst langsam Richtung 1000 Fans, im Top-Ten-Ranking der twitternden Museen in Deutschland sind wir eins von lediglich zwei Archäologie-Museen und unser Museumstrailer auf YouTube wurde weit über 20.000 mal angeklickt. Aber auch die Interaktionsrate der User ist für uns wichtig. Bei Facebook wird mittlerweile jeder Beitrag mehrfach mit „gefällt mir” angeklickt oder kommentiert. Dies belegt, dass man über das Neanderthal Museum spricht. Und worüber gesprochen wird, das wird auch weiterempfohlen.

U. S.: Welche Neuerungen/Weiterentwicklungen wird es geben?
G. W.: Das Social Web ist ein bewegtes Medium, dass nach neuen Formen der Kommunikation sucht. Wir halten zukünftig das Mobile Web und Spezialangebote für Twitterer und Facebooker für wichtige Themen. Wer unseren Blog abonniert oder Fan und Follower wird, kann sich über neue Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

U. S.: Was tun Sie, um die Freunde aus dem Social Web ins Museum zu bekommen?
G. W.: Das ist die zweite große Herausforderung für das kommende Jahr 2011. Wir arbeiten zu Zeit daran, unterschiedliche Angebote für die Facebooker und Blogleser wie zum Beispiel Preview-Führungen, zu entwickeln. Diese sollen einen Anreiz für die Online-Gemeinde bilden, das Museum „in echt” zu besuchen. Auch spezielle Twitter-Events (Twittwoch, Twittagessen) sind in Planung.

U. S.: Was empfehlen Sie anderen Kultureinrichtungen, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden wollen?
G. W.: Das Social Web heute als ein Muss für jedes Museum zu fordern, ist sicher falsch. Richtig ist, zunächst die Chancen von Social Media für eine Einrichtung zu bewerten. Dabei sollte geprüft werden, inwieweit ein Alleinstellungsmerkmal oder eine besondere Expertise für ein Thema vorliegt. Auch im Web 2.0 gilt: nur wer etwas Besonderes anbietet, wird wahrgenommen. Unabhängig davon wird Social Media zukünftig ein wichtiges Feld für die Kultur werden, da sich immer mehr Personen auf diesem Wege informieren und organisieren. Es gilt mittelfristig hier präsent zu sein, um unsere Kunden überall dort abzuholen, wo sie sich aufhalten.

Vielen Dank Herr Professor Weniger für das Interview.

Bisher erschienene Interviews:

Johannes Reiss, Österreichisches Jüdisches Museum, Eisenach
Prof. Dr. Klaus Schrenk, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Max Hollein, Städel Museum, Schirn Kunsthalle und Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf

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Studie zum Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester ist online

Donnerstag, Oktober 7th, 2010

Seit vergangenem Jahr findet Social Media zunehmend Beachtung in der Kommunikation von Kultureinrichtungen. Diese Feststellung war Anlass im Zeitraum Februar bis Juni 2010 die Studie zum Thema “Das Social-Media-Engagement deutscher Museen und Orchester” durchzuführen. Wie sehen die Aktivitäten aus? Wie viele Kultureinrichtungen sind es tatsächlich, die aktiv das Social Web nutzen? Sind es nur große, renommierte Häuser, oder sehen es auch kleine Häuser als attraktiv an, im Social Web präsent zu sein? Diesen und anderen Fragen wurde in der Untersuchung nachgegangen. Von den 474 untersuchten Kulturinstitutionen nutzt jedes sechste Orchester und jedes vierte Museum mittlerweile Social Media für seine Kommunikationsaufgaben.

Im Schnitt nutzen deutsche Orchester und Museen lediglich zwei Social-Media-Tools bzw. Communities, um mit ihren Stakeholdern zu kommunizieren.

Welches sind die beliebtesten Kanäle?
Facebook ist die mit Abstand populärste Community (62 % der Orchester und 70 % der Museen), gefolgt von den Videoplattformen YouTube und Vimeo (43 % der Orchester und 32 % der Museen) sowie dem Mikroblogging-Dienst Twitter (38 % der Orchester und 61 % der Museen). Die Netzwerke StudiVZ/MeinVZ und MySpace spielen eine untergeordnete Rolle. Die Foto-Plattform Flickr wird von je 14 % der Untersuchten genutzt. Corporate Blogs bestehen sowohl temporär zur Begleitung einer speziellen Ausstellung oder zu einer Orchester-Tournee als auch als kontinuierlich angelegtes Medium (29 % der Orchester und 21 % der Museen) und werden seitens der Leser v. a. als Informationsmedium betrachtet.

Übersicht über die Plattformen, bei denen Orchester und Museen Profile angelegt haben

Wie sieht es mit Kommunikation und Dialog aus?
Ein Hauptanliegen war es, mit der Studie das Kommunikationsverhalten der Museen und Orchester zu untersuchen. Um ein möglichst objektives Bild zu zeichnen, wurde deshalb die Außenbetrachtung gewählt. Es wurden Plattform-spezifische Kriterien zur Analyse aufgestellt. Am Beispiel Facebook waren dies u. a. Eigendarstellung, Verlinkungen zu anderen Profilen, Zahl der Pinnwandeinträge und Reaktionen seitens der Fans. Die Ergebnisse der Studie basieren auf deren Auswertung. Über einen Zeitraum von fünf Monaten wurde ermittelt, welche Inhalte wie kommuniziert werden und inwieweit eine Strategie erkennbar ist. Interviews mit Repräsentanten der Kultureinrichtungen hatten ausschließlich ergänzenden Charakter.

Dabei ist aufgefallen, dass Kommunikation und teilweise auch Dialog bzw. Austausch vor allem bei Facebook und Twitter stattfinden. Video-Beiträge von Orchestern werden wesentlich öfter den Inhalt betreffend kommentiert, als dies bei Videos von Museen geschieht. Auf Fotos und Blogbeiträge gibt es hingegen kaum Reaktionen.

Wie sieht’s mit der Vernetzung aus?
Eine Vernetzung der einzelnen Profile untereinander findet nicht konsequent statt. 64 % der Kultureinrichtungen binden ihre Social-Media-Elemente auf den Blogs ein. Eine Einbindung auf der Homepage fand zu Beginn der Untersuchung  bei 37 % der Untersuchten statt, im Juli waren es bereits nach 57 %. Bei Facebook sind es hingegen lediglich 22 %  der Einrichtungen, die auf alle anderen Social-Media-Profile hinweisen. Eine Einbindung von Social Media in die Gesamtkommunikation ist nicht sehr ausgeprägt. Ein strategisches Vorgehen scheint noch in der Anfangsphase zu stecken.

Anzahl der Museen und Orchester, die ihre Social-Media-Profile auf ihrer Homepage einbinden

Ergebnis
Die Untersuchungen im Rahmen der Studie haben gezeigt: Der Trend geht dahin, dass immer mehr Kultureinrichtungen in Social Media investieren. Die Herangehensweisen der Akteure sind jedoch unterschiedlich und weisen in weiten Bereichen der Untersuchungsfelder ein heterogenes Ergebnis auf. Hohe Übereinstimmung ist jedoch bezüglich der Beliebtheit einzelner Social Media-Kanäle bei den untersuchten Kultureinrichtungen festzustellen.

In Zukunft werden Einrichtungen sicherlich das Experimentierstadium überwinden und Strategien entwickeln, wie sie die jeweiligen Kanäle zielführend nutzen und crossmedial vernetzen werden. Erste Ansätze sind hier bereits erkennbar.

Sie können die Studie bei Scribd ansehen und weiterverbreiten oder sie direkt  hier herunterladen (circa 3 MB).

Die einzelnen Grafiken habe ich bei Flickr eingestellt und dürfen unter Angabe der Quelle gerne verwendet werden.

Kontakt:
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Ich freue mich auf eine rege Diskussion.

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