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Rechtliche Stolperfallen (2) Kultur, Social Media und Recht

Freitag, März 16th, 2012

© skvoor, Fotolia.com

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Nachdem vergangene Woche das Urheberrecht Thema war, sollen diese Woche ein paar Aspekte, des schier unerschöpflichen Themas Recht und Social Media, herausgegriffen und in Erinnerung gerufen werden. Viele Punkte wurden schon häufig genannt. Auf Spreerecht wurden sie alle schon mal ausführlich in einzelnen Blogbeiträgen dargelegt. Aber manchmal schadet es ja nicht, einige Punkte noch einmal aufzugreifen. Und wie auch schon vergangene Woche hat mir freundlicherweise Sebastian Dramburg für den Blogpost Woche Rede und Antwort gestanden.

Da wäre zunächst die Impressumspflicht bei Twitter und Facebook, oft erwähnt, nicht immer umgesetzt. Warum, weshalb und wie ist das Impressum einzubinden?

Rechtsanwalt Sebastian Dramburg

Rechtsanwalt Sebastian Dramburg

Sebastian Dramburg: Das Gesetz unterscheidet nicht zwischen konkreten Web-Plattformen, d. h. aus rechtlicher Sicht besteht kein Unterschied zwischen einer Unternehmenswebsite, einem Newsblog oder eben einem Social Media Account wie bei Facebook oder Twitter. D. h. sobald eine derartige Plattform beruflich genutzt wird, muss die Impressumspflicht erfüllt werden.

Blog ist klar, aber besteht auch für andere Plattformen wie etwa Flickr, YouTube oder issuu die Impressumspflicht? Wenn ja, reicht die „2-Klick-Regel”?

Sebastian Dramburg: Ja, die Pflicht besteht. So muss beispielsweise ein Unternehmen, das einen Youtube-Kanal für seine Spots betreibt auch hier ein Impressum bereit halten.

Da es in den USA aber keine Impressumspflicht gibt und die meisten Plattformen da her kommen, ist es nicht immer möglich, das Impressum direkt dort unterzubringen.

Das ändert aber nichts an der Impressumpflicht. So wurde bereits durch ein deutsches Gericht entschieden, dass bei Facebook eine derartige Pflicht besteht.

Hier kommt die sog. “2-Klick-Regel” ins Spiel. Danach darf das Impressum auf einer Internetpräsenz (Youtube, Twitter, Blog, Facebook, etc.) nie länger als zwei Klicks entfernt werden.

Es bietet sich daher immer an, auf der Profilseite einen Direktlink auf das Impressum der Website zu setzen. Die beiden Bilder verdeutlichen es vielleicht etwas besser:

Screenshot der StädelMuseum-Facebook-Seite
Screenshot der StädelMuseum-Facebook-Seite
Screenshot der Spreerecht-Facebook-Seite
Screenshot der Spreerecht-Facebook-Seite

Twitter hingegen bietet sehr wenig Möglichkeiten, das eigene Profil zu gestalten. Um hier die Impressumspflicht zu erfüllen, sollte man, um sicher zu gehen, direkt auf das Impressum seiner Website verlinken.

Noch einmal zurück zu Facebook. Viele Kultureinrichtungen sind mit einer Seite vertreten ohne dass die Fans wissen, wer für die Seite schreibt. Das ist aus rechtlicher Sicht ja völlig in Ordnung. Doch was ist, wenn die Seite bei anderen Seiten oder Profilen kommentiert?

Sebastian Dramburg: Auch hier haftet dann nach außen der Betreiber der Facebookseite, also die Kultureinrichtung. Es gilt nichts anderes, als wenn ein Mitarbeiter einer Kultureinrichtung per Telefon woanders anruft und dort rumpöbelt. Handelt der Mitarbeiter während der Arbeitszeit, dann muss sich dies in den meisten Fällen der Arbeitgeber zurechnen lassen.

Insofern bieten die Kürzel in erster Linie Transparenz für das Unternehmen (welcher der Mitarbeiter war das?).

Und wie sieht es aus, wenn die Seiten-Admins namentlich bekannt sind. Darf dann unter Verwendung eines Kürzels auf einer anderen Seite kommentiert werden?

Sebastian Dramburg: Die Haftung wäre dann wie oben beschrieben. Die Verwendung von Kürzel ist keine Voraussetzung für das Kommentieren.

Das Problem beim Kommentieren auf anderen Seiten kommt aus einer anderen Ecke: Es kann als Werbemaßnahme eingestuft werden und gegen das Wettbewerbsverbot verstoßen. Hier sollte also nicht unüberlegt gepostet werden.

Was gibt es generell bei der Einbindung der Social-Media-Icons auf der Website, dem Blog, in Präsentationen etc. zu beachten?

Sebastian Dramburg: Facebook selber gibt genaue Vorgaben an, wann und wie deren Logos und Zeichen verwendet werden sollen:

Grundsätzlich gibt es keine allgemeine Regel, da die Plattformen hier selbst die Vorgaben bestimmen können. Realistischer Weise muss man aber sagen, dass es keine Probleme geben wird, wenn man mit einem Icon auf seine Social Media Seite verweist und hier nicht das Logo massiv verändert.

Datenschutz ist ja auch bei Blogs ein Thema. Was gibt es zu beachten?

Sebastian Dramburg: Jede Website braucht eine Datenschutzerklärung, um die Besucher der Seite über die Datennutzung und -erhebung aufzuklären. Je nach Art der Datennutzung und nach Nutzung der verschiedenen Social Plugins muss die Datenschutzerklärung entsprechend angepasst werden. Es gibt also kein “one-fits-all”-Muster.

Zudem sollte nicht zuletzt wegen der Diskussion in Puncto “Datenschutz vs. Social Plugins” besonders darauf geachtet werden, dass die Datenschutzerklärung einer Website auf dem aktuellen Stand ist.

Auf das Thema Bilder einzugehen würde vermutlich den Rahmen sprengen. Oder können Sie dazu in wenigen Sätzen was sagen?

Sebastian Dramburg: Puh :-)

Die Grundaussage ist stets: Fremde Inhalt in der Regel nur nach entsprechender Einwilligung nutzen. Das gilt für Texte ebenso wie für Bilder. Wobei ja Textzitate möglich sind, aber Bildzitate hingegen nur in sehr engen Voraussetzungen verwendet werden können.

Das heißt, vor der Verwendung fremder Fotos, Grafiken, Videos, Musik und Texten sollte eine Einwilligung eingeholt werden, um Ärger zu vermeiden.

Haben Sie einen Tipp, wie sich beispielsweise Museen verhalten sollten, wenn Fotos aus Ihren Ausstellungen gepostet werden? Viele Häuser gehen ja sehr strikt mit Copyright um.

Sebastian Dramburg: Das ist nicht ganz einfach zu beantworten. Aus rechtlicher Sicht ist klar: Liegt keine Erlaubnis vor, dann kann es gegen das Urheberrecht verstoßen, wenn fremde Fotos verwendet werden. Nicht immer macht es aber Sinn, sofort mit der Rechtskeule zuzuschlagen. Es kommt also immer auf den Einzelfall an und eine pauschale Aussage ist schwer zu treffen. Denn es spielt natürlich auch eine Rolle, wer das eigene Bild verwendet. Ist es ein Kunstfreund, der in dem Blog über die Ausstellung berichtet, dann sollte anders verfahren werden, als wenn bspw. ein Unternehmen das Foto für eigene Zwecke kommerziell verwendet.

Vielen Dank, Sebastian Dramburg,  für die Antworten und Statements für die beiden Blogbeiträge!

Vor längerer Zeit hat sein Kollege Thomas Schwenke im Treffpunkt Kulturmanagement über das Thema Onlinerecht referiert. Die Aufzeichnung gibt’s hier zu sehen.  Und noch mehr Informationen gibt es in seinem Buch “Social Media Marketing und Recht“.

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Public Relations sind nicht Medienarbeit

Dienstag, November 29th, 2011

Public Relations

PR Daily hat auf seiner Facebook-Seite kürzlich die Frage gestellt

„ If you could change one thing about being a PR pro, what would it be?”

PR Daily

Eine Antwort, die häufig genannt wurde war „Having to explain what I do for living over and over again” Auch ich kenne diese Frage bzw. das Erklären müssen zur Genüge und zwar nicht nur im Familien- und Bekanntenkreis, sondern auch von Kultureinrichtungen.

Ich hatte mich im Rahmen meines Vortrags zu „Kultur PR und Social Web” beim KMtreff ja schon mal den Begriff erklärt. Damals ging es um die Einbindung von Social Media in die PR-Arbeit. Heute soll’s etwas konkreter werden.

Public Relations sind - verkürzt gesagt - die Gewinnung öffentlichen Vertrauens, also das bewusste und legitime Bemühen um Verständnis sowie der Aufbau und die Pflege von Vertrauen in der Öffentlichkeit. Durch eine transparente Informationskultur nach innen und außen bauen PR-Leute Verständnis auf, das in Vertrauen resultiert und letztendlich aus Interessierten Fürsprecher macht. Konkret heißt das, dass jede Organisation - egal ob Unternehmen oder Kultureinrichtung - Menschen benötigt, um ihre Ziele zu erreichen. Zu diesen Menschen zählen die Mitarbeiter (interne Kommunikation) genauso wie die verschiedenen Teilöffentlichkeiten (externe Kommunikation) wie etwa potentielle Besucher, Journalisten, Dienstleister, Geschäftspartner, Sponsoren etc. Ich nenne diese Menschen Dialoggruppen, da Kultureinrichtungen durch die Social Media nicht nur Beziehungen eingehen, sondern weil im Social Web jeder zum Kommunikator wird. Mehr noch als in der herkömmlichen klassischen PR, sind diese Menschen mehr als Empfänger, sie sind Teil des Ganzen, reden (auch ungefragt) mit und rezipieren Partizipierend. All diesen Personen (intern und extern) muss ein klares Vorstellungsbild der Kultureinrichtung vermittelt werden: Wofür steht die Kultureinrichtung? Was macht sie so einmalig, dass sich andere angezogen fühlen? Mehr noch als früher hat PR hat vor diesem Hintergrund die Aufgabe, intern mit und für die Mitarbeiter ein klares Bild von der Organisation und ihrer Einzigartigkeit zu entwerfen. Nutzen die Mitarbeiter Social Media, werden sie auch von ihrer Einrichtung berichten - berufliches und privates verschwimmen zunehmend. Umso wichtiger ist es, dass die Mitarbeiter zufrieden sind und von der Einzigartigkeit ihrer Kultureinrichtung überzeugt sind und entsprechend kommunizieren. Haben die Mitarbeiter eine klare Vorstellung von der Einzigartigkeit ist es ein Leichtes auch die potentielle Besucher, Geschäftspartner, Sponsoren, ein klares Bild zu vermitteln.

Im Unterschied zur Werbung sind Public Relations auf Dauer angelegt und dienen der Reputation. Vom Marketing unterscheiden sie sich dahingehend, dass Marketing die Funktion hat, so Bernhard Heidel,

„die absatzpolitischen Instrumente eines Unternehmens unter Berücksichtigung des Konsumentenverhaltens zu gestalten”.

In meinem Berufsalltag mache ich oft die Erfahrung, dass Public Relations mit Medienarbeit gleichgesetzt wird. Dass diese Annahme viel zu kurz greift ist, zeigte schon der eingangs erwähnte Hinweis auf die Dialogpartner. Um das öffentlich Vertrauen zu gewinnen sind Newsletter, Flyer, Mitarbeiterzeitschriften, Events, Intranet und Internet, das Social Web sowie die Organisation und/oder Teilnahme an Symposien, um nur einige Beispiele zu nennen, geeignet. Kommuniziert werden hierdurch einerseits Informationen über ganz konkrete Leistungen einer Kultureinrichtung (z. B.  Ausstellungseröffnung, neues Theaterstück) und andrerseits  über den Kulturbetrieb allgemein (Vortragsreihen “Was ist Gegenwart” oder auch zu gesellschaftlichen Themen “Museum Public”).

Häufig wird der Fokus in den Public Relations zu sehr nur auf Kommunikation über die Leistungen gelegt. Ich unterscheide in meinem täglichen PR-Alltag zwischen „Produkt-PR” also die Kommunikation über neue Ausstellungen, Konzerttermine, Lesungen etc., die eher marketingorientiert ist, da sie auf den Verkauf von Tickets abzielen und punktuell (wenn auch kontinuierlich) auftreten. Parallel dazu stehen die Corporate-PR, die kontinuierlich mit übergreifenden, allgemeinen Informationen, Reputationsbildend wirken.

Meine These 1 lautet: Nur wer kontinuierlich Corporate-PR macht, wird längerfristig und nachhaltig auch Erfolg in der Produkt-PR haben, offline oder online. Für Kultureinrichtungen, auch für kleiner und mittlere, ist das Social Web auch aus Public-Relations-Sicht und hier insbesondere für Corporate-PR aus mehreren Gründen interessant. Nicht jede kleine Kultureinrichtung hat die Chance, in den klassischen Medien präsent zu sein sowie Flyer und Newsletter zu gestalten und Vortragsreihen oder Tage der offenen Tür zu organisieren. In dieser Hinsicht bieten Social Media eine Möglichkeit die Dialogpartner kontinuierlich auch mit dem „Blick hinter die Kulissen” an ihrer Arbeit teilhaben zu lassen und ihre Reputation zu schärfen.

Viele Kultureinrichtungen betreiben im Social Web allerdings nur Produkt-PR und wundern sich dann, dass ihr Social-Media-Engagement nur bedingt erfolgreich ist. These 2: Würden sie mehr Corporate-PR zulassen und sich auf Diskussionen einlassen, wären sie sicherlich auch begehrter. Zum einen bieten virtuelle Räume den Kultureinrichtungen die Möglichkeit, sich und ihre Kunst in einem neuen Umfeld zu präsentieren und erlebbar zu machen. Zum anderen führt der Mitmachgedanke, der Dialog, dazu, dass ein Meinungs- und Erfahrungsaustausch stattfindet - Kulturvermittlung  - und sich Aussagen über die Kultureinrichtungen viral verbreiten und die Reputation steigern.

(Der Beitrag war Teil meines Vortrags “Schafft PR mehr Zugang zur Kultur?” im Rahmen des Forum Kulturvermittlung der Pro Helvetia Stiftung)

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Wie Social Media die Kultur-PR verändern

Mittwoch, Mai 25th, 2011

Nachdem ich im ersten Teil davon geschrieben habe, was in der PR-Arbeit sowohl off- als auch online gleich bleibt, wird es heute um die Veränderung und auch neue Kompetenzen, die im Social Web gefragt sind, gehen.

Social Media sind zwar keine Massenmedium, dafür ermöglichen sie einen unmittelbaren, direkten Kontakt zu den Dialoggruppen. Bei den klassischen Medien sind die Leser, Zuhörer und Zuseher schon da, im Social Web müssen sie „gesucht” werden, man muss sie für sich einnehmen. Und das wird nur gelingen, wenn man Online-Präsenz schafft, die auf Dialog ausgerichtet ist sowie konstruktive Kritik und Mitgestaltung zulässt. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass die (PR-)Verantwortlichen eine Kultureinrichtung nicht in Social Media platzieren können. Was man allerdings tun kann, sind Plattformen auf zu machen und Inhalte zu bieten. Wenn diese Inhalte gut gemacht sind, kommen auch viele, um das Gespräch zu suchen. Machen sie es schlecht, haben sie Pech gehabt. In Social Media bedarf es keiner Mittler mehr; Journalisten als Gatekeeper werden überflüssig. Wobei es sicherlich auch nicht schadet Influencer und Fürsprecher auf seiner Seite zu haben, um die Bekanntheitsgrad der Institution zu steigern. Beziehungspflege eben!

Neu sind auch die Abläufe. Lange Freigabeprozesse sind obsolet. Jeder wird nun zum Sprachrohr der Einrichtung. Die Leitung einer Kultureinrichtung muss einerseits Vertrauen in die Mitarbeiter haben und damit einhergehend auch die Befugnis geben, öffentlich und entsprechend der Erwartungen der Interessierten zu kommunizieren.

Auch wenn es DEN EINEN oder DIE EINE Verantwortliche(n) gibt, sollten andere Mitarbeiter miteinbezogen werden. Auch wenn eine PR- und Social-Media-Verantwortliche etwa Kunstgeschichte studiert hat, ist es mitunter beim Thema Restauration sinnvoller die Kollegin mit dem entsprechenden Know-how zu Wort kommen zu lassen oder sie zu Rate zu ziehen. Kommunikation wird zur Teamarbeit. Jeder Mitarbeiter ist Sprachrohr und Botschafter „ihrer” Kultureinrichtung. Deshalb ist es auch angebracht, dass nicht nur über die Fanseite kommuniziert wird, sondern, dass jeder Einzelne über seine Profile kommuniziert. Dieses Multiplikatoren-Potential wird immer noch viel zu selten genutzt. Und diese Einbindung aller kann wesentlich zum Aufbau der digitalen Reputation beitragen. Positivbeispiel ist in dem Zusammenhang Sebastian Hartmann, der in seinem Profil stets auch über „sein Museum”, das Neanderthal Museum in Mettmann berichtet. Eine Kultureinrichtung hat damit nicht nur ein Gesicht, sodass Interessierte, wissen mit wem sie sich unterhalten, sondern er trägt Informationen des Museums auch in seinen Freundeskreis, der nicht zwingender weise zum Freundeskreis des Museums zählt.

Beim nächsten Beitrag wird es um Medien- und Blogger-Relation gehen.

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Tagungsband zur stART10 “Social Media im Kulturmanagement” ist erschienen

Mittwoch, Mai 11th, 2011

Der Tagungsband der stART10 mit dem Titel Social Media im Kulturmanagement ist nun erschienen. Das Buch enthält eine Sammlung von theoretischen und praktischen Grundlagen, Best-Practice-Beispielen, Aufsätzen zu den Schwerpunktthemen der Konferenz “Geschäftsmodelle im Web 2.0″ und “Mobile Web” sowie Studien. Einen kleinen Vorgeschmack auf den Inhalt und ein Probekapitel gibt es hier.

Zur Einbettung des Buches hier auf dem Blog hab ich, wie von den Herausgebern vorgeschlagen, Book2Look genutzt. Damit ist es einerseits möglich, verschiedene Infos zum Buch, wie Inhaltsverzeichnis und einen Artikel, gleich online zu lesen. Der Vorteil zu anderen File-Sharing-Angeboten ist allerdings, dass die Texte  neben den Sharing- und Embeding-Funktionen zusätzlich durch Links, Videos und Audiofiles ergänzt werden können und das Buch auch gleich online gekauft werden kann. Mit einem Klick auf das rote Kästchen oben ganz rechts werden Links zu Online Shops angezeigt. ;-)

Auf dem Blog der startconference  werden bis morgen, 12. Mai,  noch drei Exemplare des Buches verlost.

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Nur wer etwas besonderes anbietet, wird wahrgenommen ¦ Interview mit Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Direktor des Neanderthal Museums

Mittwoch, November 17th, 2010

Auch nach Abschluss der Studie werde ich die Interview-Serie mit Verantwortlichen aus den Kultureinrichtungen zu deren Social-Media-Aktivitäten in loser Folge fortsetzen.

Wer kennt ihn nicht - Mr. N., das Sprachrohr des Neanderthalmuseums, der seit Anfang des Jahres Wissenwertes und Unterhaltsames von den Neanderthalern zwitschert und so dem Bild des keulenschwingenden Höhlenmenschen entgegenwirkt. Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger, Museumsdirektor des Neanderthal Museums in Mettman, hat mir dazu einige Fragen beantwortet.

Prof. Dr. Gerd-C Weniger mit Mr. N.

Prof. Dr. Gerd-C. Weniger mit Mr. N.

Ulrike Schmid: Was war Ihre Motivation, sich ins Social Web zu begeben?
Prof. Dr. Gerd-Christian Weniger: Eines unsere zentralen Anliegen ist, sich eng mit der Gesellschaft zu vernetzen, um möglichst viele Menschen zu erreichen und um auf neue Entwicklungen der Wissensvermittlung, der Pädagogik und des Marketing schnell reagieren zu können. Museen müssen heute den jeweils aktuellen technischen Standard in der Gesellschaft abbilden, wenn sie erfolgreich sein wollen. Nach dem Relaunch unserer Website war der Gang ins Social Web daher der nächste logische Schritt. Wir wollten online mit verschiedenen Zielgruppen via Facebook, Twitter, Blog und Co ins Gespräch kommen und die Web-2.0-User mit einem Blick hinter die Kulissen auf unsere umfangreichen Aktivitäten aufmerksam machen und für das Haus werben.

U. S.: Wie sind Sie vorgegangen?
G. W.: Nachdem die grundsätzliche Entscheidung getroffen war, entwickelten wir ein Konzept für unseren Auftritt im Social Web. Entscheidend war dabei, die internen Abläufe, mit denen Informationen, Daten und Geschichten im Web platziert werden sollten, zu definieren und Routinen zu entwickeln. Wir haben als Museum einen entscheidenden Vorteil: Bei uns ergeben sich täglich Prozesse, die es wert sind, nach draußen kommuniziert zu werden. Die Kunst lag nun darin, das Team zu motivieren, um die einmal definierten Informationskanäle auch zu nutzen. Nach der Vorbereitungsphase, fiel im Februar des Jahres der Startschuss.

U. S.: Kam der Anstoß von innen oder wurden Sie extern von einer Agentur/einer Social-Media-Beratung unterstützt?
G. W.: Unser Mitarbeiter der Mediathek, Sebastian Hartmann, hatte die stARTconference 2009 besucht. Nach der Konferenz platzierte er das Thema Social Media im Museum. Nach einer kurzen internen Diskussion wurde in Absprache mit der Abteilung Marketing und Pressearbeit der Prozess in die Wege geleitet. Einer der Konferenzorganisatoren, Frank Tentler, stand uns anfangs beratend zur Seite. Das waren für uns ideale Rahmenbedingungen, denn wir mussten echtes Neuland betreten.

U. S.: Viele Kultureinrichtungen klagen, dass mangelnde Zeit und fehlende Finanzen der Grund dafür seien, weshalb Sie zurückhaltend sind, wenn es um den Einsatz von Social Media geht. Wie haben Sie dieses Problem gelöst?
G. W.: Das Neanderthal Museum finanziert sich zu einem Großteil durch Einnahmen. Wirtschaftliches Denken und Handeln sind Teil unseres Alltags. Wir sahen eine Chance mit den Aktivitäten im Web 2.0 bestimmte Zielgruppen an das Haus zu binden. In erster Linie sehe ich den täglichen Arbeitsaufwand und die „Manpower” im Umgang mit den Web2.0-Werkzeugen als Herausforderung. Die Pflege unserer Accounts ist Teil des Aufgabenprofils des hochmotivierten Mediatheksmitarbeiters. Die Arbeit im Web 2.0 konnte er nach einem höheren Aufwand zu Beginn gut in den Arbeitsalltag integrieren. Außerdem gelang es, weitere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen für eine Beteiligung zu gewinnen - wie zum Beispiel beim Neanderblog.

U. S.: Gibt es bei Ihnen eine Social-Media-Guideline?
G. W.: Viele der Mitarbeiter/innen bei uns am Haus sind jung und in Social Networks wie Facebook vertreten. Sie waren besonders zum Start gute Multiplikatoren, da sie die Werbetrommel für unsere Fanseite rührten. Ich setze in der Online-Kommunikation unserer Mitarbeiter auf Vertrauen und Loyalität unserem Haus gegenüber. Bislang gab es keine negativen Vorkommnisse. Mittelfristig wird es aber die wichtigsten Verhaltensregeln im Social Web auch schriftlich geben.

U. S.: Sie sind ein sehr kommunikatives Museum, das den Dialog mit den Fans und Followern sucht. Wie gehen Sie dabei vor? Welche Unterschiede gibt es in der Konversation innerhalb der verschiedenen Kanäle?
G. W.: Vielen Dank für das Kompliment. Es war klar, dass gerade in der ersten Zeit der Dialog bzw. Multilog im Mittelpunkt stehen muss. Dass heißt: Interaktion und Partizipation. Dabei gibt es natürlich Unterschiede zwischen den Plattformen. Wir legten die Accounts konzeptionell unterschiedlich an: Das Blog ist in seiner Form eine Art „Tagebuch” des Neanderthal Museums, wo die Leser den Museumsalltag mit allen Facetten hautnah erleben können. Wir erlauben einen Blick hinter die Kulissen. Ich selber schreibe auf dem Blog auch Beiträge in der Rubrik „Schulterblick Forschung”. Bei Facebook wollen wir innerhalb einer Neanderthaler-Fangemeinschaft kommunizieren. Wir bestücken die Fanseite mit vielen Museumsinfos, aber auch externen Beiträgen zum Thema Archäologie und Evolution. Hier stellen wir Fragen, regen zu Diskussionen an, „fordern” zum Feedback und zur Interaktion auf. Besonders wichtig sind auch Mitmachaktionen. Twitter ist für uns ein Kanal zur Informationsstreuung - jedoch in Erzählform. Mr. N., die Neanderthaler-Rekonstruktion aus dem Museum, tritt hier als Sprachrohr des Museums auf und zwitschert Neuigkeiten aus dem Neandertal, empfiehlt Angebote, Events und Veranstaltungen oder schlägt auch mal andere Museums-Accounts bei Twitter vor. Gerne antwortet Mr. N. auch auf Fragen anderer Twitterer, die vom Museum begeistert sind.

U. S.: Stichwort Content Syndication. Inwieweit findet eine Verknüpfung von klassischer PR und Social Media statt?
G. W.: Wichtige Elemente des klassischen Marketings wie zum Beispiel die Diffusion eines Ausstellungsplakates oder das Bewerben von neuen Angeboten des Museums oder aktuellen Veranstaltungen fließen selbstverständlich in die Web-2.0-Präsenzen mit ein. Hier ergeben sich hervorragende Synergien, ohne dass es für die User aufdringlich wird. Das gilt auch für die Infos aus den Pressemitteilungen. Ich habe den Eindruck, dass dies sehr positiv wahrgenommen wird. Das zeigen vor allem die Weiterempfehlungen oder auch die Interaktionsraten. Klassische Werbemedien verknüpfen sich mit Social Media. Dies funktioniert dann, wenn alle Abteilungen gut miteinander vernetzt sind. Unser Team ist darauf hervorragend eingestellt.

U. S.: Wie frei darf Ihr Mitarbeiter agieren?
G. W.: Innerhalb der redaktionellen Betreuung hat Sebastian Hartmann viele Möglichkeiten und Freiheiten. Oberste Prämissen sind Aktualität und Qualität. Die kommunizierten Inhalte sollen einen Mehrwert für das Museum erzielen und nicht persönliche Bedürfnisse befriedigen. Wie und auf welche Art und Weise die Informationen über die Kanäle verteilt werden, wurde vorab im Konzept diskutiert und dann definiert. Auf der anderen Seite entwickelt unser verantwortlicher Mitarbeiter für das Social Web eigenständig die Accounts konstant weiter. Gleiches gilt für das Blog, bei dem knapp ein Dutzend Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen autonom Beiträge verfassen.

U. S.: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Social-Media-Aktivitäten?
G. W.: Das oberste Ziel ist selbstverständlich einen Mehrwert für das Haus zu produzieren. Erste Erfolge haben wir bereits nach kurzer Zeit erreicht. Wir wollten den Neanderthaler und das Museum im Internet bekannter machen, wollten dem verzerrten Bild des Neanderthalers als einem keulenschwingenden Höhlenmensch entgegenwirken und zeigen, dass er ein sozialer, technikaffiner Mensch war. Darüber hinaus suchen wir den Kontakt mit den Besuchern und verstehen die verschiedenen Netzwerke als virtuelle Gästebücher. Anders als beim klassischen Gästebuch kann sofort ein Feedback erfolgen. Das hat bislang alles gut geklappt. Natürlich möchten wir in einem nächsten Schritt neue Zielgruppen im Museum begrüßen. Die Web2.0-Generation zwischen 20 und 40 Jahren ist in den meisten Museen als realer Besucher unterrepräsentiert. Diese gilt es nun nicht nur „online” anzusprechen, sondern auch „offline” ins Museum zu holen. Wobei wir uns hier keine schnellen Erfolge versprechen.

U. S.: Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen?
G. W.: Im Social Web lässt sich sehr gut mit Zahlen und Statistiken arbeiten. Hier sind die bisher registrierten Erfolge beträchtlich: 3000 bis 5000 Leser greifen auf Blogbeiträge zu, die Fangemeinde auf Facebook wächst langsam Richtung 1000 Fans, im Top-Ten-Ranking der twitternden Museen in Deutschland sind wir eins von lediglich zwei Archäologie-Museen und unser Museumstrailer auf YouTube wurde weit über 20.000 mal angeklickt. Aber auch die Interaktionsrate der User ist für uns wichtig. Bei Facebook wird mittlerweile jeder Beitrag mehrfach mit „gefällt mir” angeklickt oder kommentiert. Dies belegt, dass man über das Neanderthal Museum spricht. Und worüber gesprochen wird, das wird auch weiterempfohlen.

U. S.: Welche Neuerungen/Weiterentwicklungen wird es geben?
G. W.: Das Social Web ist ein bewegtes Medium, dass nach neuen Formen der Kommunikation sucht. Wir halten zukünftig das Mobile Web und Spezialangebote für Twitterer und Facebooker für wichtige Themen. Wer unseren Blog abonniert oder Fan und Follower wird, kann sich über neue Entwicklungen auf dem Laufenden halten.

U. S.: Was tun Sie, um die Freunde aus dem Social Web ins Museum zu bekommen?
G. W.: Das ist die zweite große Herausforderung für das kommende Jahr 2011. Wir arbeiten zu Zeit daran, unterschiedliche Angebote für die Facebooker und Blogleser wie zum Beispiel Preview-Führungen, zu entwickeln. Diese sollen einen Anreiz für die Online-Gemeinde bilden, das Museum „in echt” zu besuchen. Auch spezielle Twitter-Events (Twittwoch, Twittagessen) sind in Planung.

U. S.: Was empfehlen Sie anderen Kultureinrichtungen, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden wollen?
G. W.: Das Social Web heute als ein Muss für jedes Museum zu fordern, ist sicher falsch. Richtig ist, zunächst die Chancen von Social Media für eine Einrichtung zu bewerten. Dabei sollte geprüft werden, inwieweit ein Alleinstellungsmerkmal oder eine besondere Expertise für ein Thema vorliegt. Auch im Web 2.0 gilt: nur wer etwas Besonderes anbietet, wird wahrgenommen. Unabhängig davon wird Social Media zukünftig ein wichtiges Feld für die Kultur werden, da sich immer mehr Personen auf diesem Wege informieren und organisieren. Es gilt mittelfristig hier präsent zu sein, um unsere Kunden überall dort abzuholen, wo sie sich aufhalten.

Vielen Dank Herr Professor Weniger für das Interview.

Bisher erschienene Interviews:

Johannes Reiss, Österreichisches Jüdisches Museum, Eisenach
Prof. Dr. Klaus Schrenk, Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Max Hollein, Städel Museum, Schirn Kunsthalle und Liebieghaus Skulpturensammlung, Frankfurt
Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf

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Behind the Scenes

Mittwoch, Oktober 13th, 2010

Per Zufall entdeckt: Ein Video, das einen Blick hinter die Kulissen gewährt. Oder besser gesagt, es gewährt hoch-interessante Einblicke, was vor und während eines Konzert-Mitschnitts der Berliner Philharmoniker für eine Übertragung in der Digital Concert Hall passiert.

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