Posts Tagged ‘Studie’

Wir machen das nicht, um hipper oder flotter zu wirken ¦ Interview mit Max Hollein, Direktor von Städel, Schirn und Liebieghaus

Mittwoch, Juni 2nd, 2010

Im Rahmen meiner Studie „Museen und Orchester im Social Web” hat mir Max Hollein, Direktor des Städel Museums, der Schirn Kunsthalle und der Liebieghaus Skulpturensammlung einige Fragen schriftlich beantwortet.

Ulrike Schmid: Was war Ihre Motivation, sich ins Social Web zu begeben?

Max Hollein, Foto: Copyright@Gaby Gerster

Max Hollein: Wir machen das nicht, um hipper oder flotter zu wirken, sondern sehen darin eine Weiterdefinition dessen, wo und wie Museum stattfinden kann. Es zählt nicht nur der physische Museumsbesuch, sondern eine Sammlung, das ganze Museum und seine Aufgaben als Bildungs- und Vermittlungsinstitution können auch im Netz erlebt werden und hier noch eine ganz andere Wirkung entfalten. Die Begegnung mit dem Original bleibt zwar immer noch einzigartig, ist aber nur eine von mehreren Formen der Auseinandersetzung mit Kunst.

U. S.: Wie haben Ihre Mitarbeiter reagiert, als sie mit dem Thema konfrontiert wurden?
M. H.:
Wir sind mit dem Ziel angetreten, im Bereich des Internet und Social Web eine Vorreiterrolle unter den deutschen Museen einzunehmen, insofern haben Abteilungen wie Marketing, Fundraising, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Bildung und Vermittlung die Entwicklung von Beginn an vorangetrieben. Bei manchen wissenschaftlichen Mitarbeitern gab es anfangs eine gewisse Skepsis. Mittlerweile jedoch kommt beispielsweise der Content für die Websites aus allen Abteilungen - es werden immer wieder proaktiv neue Ideen eingebracht. Auch drehen wir zu allen größeren Ausstellungen Videos, in denen die Kuratoren ihre Projekte vorstellen. Am Blog, das wir seit August 2009 als Informations- und Spendenplattform zur Erweiterung des Städel Museums betreiben, sind ebenfalls zahlreiche Mitarbeiter beteiligt.

U. S.: Die Schirn Kunsthalle hatte ein temporäres Blog, das Blog des Städel befasst sich ausschließlich mit dem Erweiterungsbau. Gibt es Überlegungen auch in den jeweiligen Häusern Blogs zu etablieren, die einen stärkeren Blick hinter die Kulissen und in den Arbeitsalltag gewähren?
M. H.:
Es gibt sowohl auf der Website des Städel als auch des Liebieghauses Bereiche, die einen Blick hinter die Kulissen bieten und den Besuchern eine Vorstellung über die Vorbereitungen zu einer Ausstellung vermitteln. Wir behandeln die jeweiligen Häuser jedoch sowohl hinsichtlich des Programms als auch der Kommunikation sehr individuell. Aus diesem Grund wird es nicht in allen Häusern ein Blog wie jenes zur Erweiterung des Städel Museums geben. Aber wir arbeiten gerade an einem Relaunch der Schirn-Website und hier wird es etwas Neues geben, das gut zur Schirn passt - mehr kann ich noch nicht verraten.

U. S.: Wie wird das Städel-Blog angenommen?
M. H.:
Das Blog hat sich inzwischen gut etabliert, wir haben eine recht treue Leserschaft und arbeiten daran, es noch weiter auszubauen und zu vernetzen. Das Blog wird vor allem als Informationsplattform und weniger als Diskussionsplattform genutzt. Der Dialog wird vor allem über Facebook geführt. Wichtig ist für uns die Transparenz, die das Blog bietet, indem hier über alle Vorgänge im Zusammenhang mit der Errichtung des Erweiterungsbaus kommuniziert wird: über den Baufortschritt, die Spendenkampagne und auch den Sammlungsbereich „Kunst nach 1945″, der im neuen Städel zu sehen sein wird. Wir erhalten viel positives Feedback, z. B. Anfragen von Universitäten, die unsere Kampagne mit dem Blog als zentrale Informationsplattform als Best-Practice-Beispiel nutzen. Das freut uns natürlich.

U. S.: Die Spendengelder-Akquirierung für den Neubau ist auch ein Thema bei der Netzgemeinde. Inwieweit ist die Netzgemeinde auch bereit für den Neubau zu spenden?
M. H.:
Man kann generell sagen, dass die Vernetzung gut funktioniert. Die Aktionen, die wir mit unseren Partnern machen, bringen uns über deren Websites viele Zugriffe auf unser Blog. Sehr gut angekommen ist beispielsweise die Versteigerung von Gummistiefeln, die von den Spielern der Eintracht Frankfurt, die das neue Städel unterstützt, signiert waren. Neben den Spendenaktionen ist jedoch auch wichtig, dass das Blog eine erhöhte Aufmerksamkeit für das neue Städel schafft und zu einer verstärkten Identifikation von Stadt und Region mit dem Erweiterungsprojekt beiträgt.

U. S.: Haben Sie darüber nachgedacht, eine Aktion speziell für die Netzgemeinde zu organisieren, um Spendegelder zu erhalten?
M. H.:
Unser primäres Ziel war es, zunächst eine Web 2.0-Gemeinde aufzubauen. Jetzt sind wir an einem Punkt angelangt, an dem wir über spezielle Aktionen nachdenken.

U. S.: Bewegtbild-Kommunikation nimmt in beiden Häusern eine wichtige Rolle ein, anders verhält es sich bei den Fotos. Weshalb nutzen sie Flickr nicht intensiver?
M. H.:
Wir nutzen Flickr vor allem für die Dokumentation von Veranstaltungen oder für Aktionen. Hier geht es um Partizipation oder einfach darum, sich Bilder von einer Veranstaltung, an der man teilgenommen hat, ansehen zu können. Flickr ist auch in das Städel-Blog integriert, wo jeweils die vier aktuellsten Fotos gezeigt werden.

Die Videos erfüllen eine andere Funktion. Mit ihnen vermitteln wir auf möglichst ansprechende Weise Ausstellungsinhalte, sprich kunsthistorisches Wissen. Das Spektrum reicht dabei von Zuschreibungsfragen bei Michelangelos Zeichnungen, einer Einführung in die Ernst-Ludwig-Kirchner-Retrospektive bis zur Präsentation von aktuellen Ankäufen wie Peter Roehrs „Schwarze Tafeln” im Städel, der Vorstellung des Werkes von Jean-Antoine Houdon in der Liebieghaus Skulpturensammlung oder Filmen über die Ausstellungen von Eberhard Havekost, George Seurat und Uwe Lausen in der Schirn, um nur die letzten drei Schirn-Ausstellungen zu nennen. In den Videos kommen die Kuratoren zu Wort, aber auch immer wieder Künstler. So haben wir für die Ausstellung „Zelluloid - Film ohne Kamera” in der Schirn soeben Interviews mit Aldo Tambellini, der 80-jährig eigens für die Ausstellung aus New York angereist ist, Bärbel Neubauer und Jennifer Reeves gedreht. Außerdem dokumentieren wir Veranstaltungen wie zum Beispiel die Auktion einer Auswahl von Werken, die 1.000 Schülerinnen und Schüler der Schillerschule zur Unterstützung des neuen Städel geschaffen haben. Für die Schüler bietet das natürlich auch einen Anreiz, unser Blog zu lesen. Wir stellen die Videos generell auf unseren eigenen Internetplattformen, auf YouTube und bei großen Ausstellungen in einem Medienraum zur Verfügung. Darüber hinaus bieten wir sie Onlinemedien als Ergänzung zu deren redaktioneller Berichterstattung an.

U. S.: Wie halten Sie es mit dem Zuhören bzw. wie wichtig ist Ihnen der Dialog?
M. H.:
Der Dialog ist uns sehr wichtig. Wir finden es spannend, auf unterschiedliche Art und Weise mit unseren Besuchern kommunizieren zu können. Medien wie Facebook und Twitter ermöglichen einen spontanen und direkten Kontakt.

U. S.: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Social-Media-Aktivitäten?
M. H.:
Das Ziel ist es, die Menschen dort abzuholen, wo sie sich aufhalten. Insofern sind die Social-Media-Aktivitäten für uns wichtig, um ein jüngeres Publikum anzusprechen. Für uns ist das jedoch nur eine von mehreren Sprachen, die wir sprechen. Die Nutzung der sozialen Netzwerke ersetzt nicht die klassischen Kommunikationsmittel des Marketing und der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

U. S.: Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen?
M. H.:
Die Häuser haben Accounts auf YouTube, Flickr, Twitter, Facebook, Friendfeed und Lifestream. Das Städel, das Liebieghaus und die Schirn twittern seit Anfang 2009. Pro Monat kommen auf Twitter durchschnittlich 100 neue Follower hinzu. Die Zahl der Abonnenten, die dem Städel auf Twitter folgen, liegt derzeit bei knapp 1.700, bei der Schirn sind es 1.500. Die Schirn hat bei Facebook 2.200 Fans und generiert viele Kommentare. Der YouTube-Kanal des Städel enthält über 25 Videos, der Kanal der Schirn 35. Die Städel-Videos auf YouTube werden teilweise auch direkt in das Städel-Blog eingebunden. Der Film mit Peter Doig in seiner Ausstellung in der Schirn wurde auf YouTube 10.000 Mal angesehen, der Film zur Erweiterung des Städel Museums über 5.000 Mal. Das Botticelli-Video zur Ausstellung wurde auf der Städel-Website insgesamt 75.000 Mal aufgerufen. Die steigenden Zahlen bei den Nutzern unserer Webangebote auf den unterschiedlichen Plattformen zeigen uns, dass wir unser Publikum erreichen. Wir werden die Entwicklungen in diesem Bereich auch in Zukunft aufmerksam beobachten und unsere Ressourcen gezielt einsetzen und ausbauen.

U. S.: Welche Neuerungen wird es noch geben?
M. H.:
Wir sehen natürlich großes Potential im Bereich des Multimedia-Publishing in Bezug auf unsere Ausstellungskataloge und andere Museumspublikationen.

U. S.: Was tun Sie, um die Freunde aus dem Social Web ins Museum zu bekommen?
M. H.:
Auf den Facebook-Seiten des Städel und der Schirn werden gezielt an die junge Benutzergruppe angepasste Veranstaltungen, Führungsformate und Workshops eingestellt. Die Fans können angeben, ob sie eine Veranstaltung besuchen und sehen, welche ihrer Freunde ebenfalls an dieser Veranstaltung teilnehmen.

U. S.: Was empfehlen Sie anderen Kultureinrichtungen, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden wollen?
M. H.:
Man sollte sich immer genau ansehen, was zum eigenen Haus passt. Außerdem muss einem bewusst sein, dass mit dem Einsatz von Social Media ein nicht geringer Zeitaufwand verbunden ist. Aber abgesehen davon ist es für viele Formate eine sehr effiziente und kostengünstige Form der Kommunikation.

Vielen Dank Herr Hollein für die Beantwortung der Fragen.

Bisher erschienene Interviews:

Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt
Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker

Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Werner Lippert, NRW-Forum Düsseldorf

Post to Twitter Tweet This Post

Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ (7) Facebook ist beliebtester Kanal von Kultureinrichtungen

Freitag, Mai 14th, 2010

Eine Facebook-Fanseite oder auch eine Gruppe ist schnell eingerichtet, Veranstaltungen, Konzerte, Ausstellungen sind fix angelegt und ein Stimmungsfoto ist schnell hochgeladen. Doch reicht das, um mit diesem Kanal erfolgreich Marketing zu betreiben?

Screenshot Landing-Page NRW-Forum DüsseldorfFacebook ist nicht nur innerhalb der soziale Online-Netzwerk das beliebteste, sondern bei Museen und Orchester auch der Social-Media-Kanal der ersten Wahl. In die Wertung wurden alle Gruppen und Fanseiten einbezogen, die eindeutig einer Einrichtung zugeordnet werden konnten. Untersucht wurden die u. a. Eigendarstellung, die Verlinkung mit anderen Social-Media-Kanälen sowie die Anzahl und Art der Pinnwandeinträge. Ein besonderes Augenmerk galt der Vernetzung mit den Gruppenmitgliedern und Fans. Inwieweit bedingen sich Fanzahl und Interaktion? Haben die Museen und Orchester mit den meisten Fans gleichzeitig auch den größten Grad der Vernetzung?

Eigendarstellung ist ausbaufähig
Die Eigendarstellung der Institutionen ist sehr heterogen und reicht von stichpunktartig aufgelisteten Links zu Homepages und speziellen Ausstellungsseiten bis hin zu ausführlichen, teils zweisprachigen Beschreibungen der Institution und ihrer Projekte. Häufig sind unter „Info” Links zu den anderen Social-Media-Kanälen vorhanden bzw. hierfür gesonderte Reiter angelegt.

Logos, Markenkennzeichen und Wiedererkennungssymbole, werden als Profilbild selten genutzt. Orchester bevorzugen i. d. R. ein Bild von sich, Museen hingegen präsentieren sich mit einer Ausstellungsansicht oder der Außenansicht des Hauses.

Auffallend ist, dass viele Museen und Orchester das Angebot eine eigene Vanity-URL einzurichten, um die Sichtbarkeit in der Google-Welt zu verbessern, nur selten wahrnehmen (wer mind. 25 Fans hat, kann sie sich hier registrieren).

Noch seltener als eine eigene Vanity-URL haben die Kultureinrichtungen eine Landing-Page eingerichtet. Die Chance mittels einer individuellen Startseite v. a. die nicht-registrierten Besucher willkommen zu heißen und Orientierung zu bieten nutzt lediglich das NRW-Forum Düsseldorf.

Die Möglichkeiten, externe Anwendungen auf der Fan-Seite einzubinden sind vielseitig und werden von den Kultureinrichtungen auch ganz unterschiedlich genutzt. Zum Standard gehört, dass Blog und/oder Twitter-Stream automatisch einfließen. Schon seltener findet sich die Verknüpfung mit dem Flickr-Account, ein extra Reiter zur Bestellung des Newsletters oder ein prominent platzierter Hinweis auf die aktuelle Ausstellung.

Zahl der Fans/Gruppenmitglieder
Die Zahl der Fans liegt zwischen gerade mal fünf und rund 5.300 (NRW-Forum Düsseldorf). Die meisten Fans haben mit rund 59.000 die Berliner Philharmoniker. Doch Mitglieds- und Fanzahlen sagen noch nichts über die Qualität aus. Wie sehr sich ein Fan tatsächlich verbunden fühlt, zeigt sich erst dann, wenn eine Kultureinrichtung zu einer Aktion aufruft.

Das NRW-Forum etwa, das seine Fans kontinuierlich mit den unterschiedlichsten Themen und auch Aktionen an sich bindet, hat innerhalb nur eines halben Jahres seine 5.300 Fans gewonnen. Andere vergleichbare Museen hingegen, die im Regelfall nur ihre „Standard-Pinnwandeinträge” veröffentlichen, haben weitaus weniger Fans.

Pinnwandeinträge/Postings
Bis auf wenige Ausnahmen gibt es mind. einmal pro Woche, meist mehrmals wöchentlich, einen Pinnwandeintrag. V. a. bei Gruppen sieht man auffallend viele Einträge von Gruppenmitgliedern, die oft nichts mit der Einrichtung selbst zu tun haben. Fans hingegen schreiben wesentlich seltener an eine Fan-Seite und beziehen sich dann auch meist auf das jeweilige Orchester oder Museum. Zwei Museen haben den Reiter Pinnwand sogar deaktiviert und geben nur einen Blick auf ihre Kontaktdaten frei.

Inhaltlich beziehen sich die meisten Einträge fast immer auf Ausstellungs-, Veranstaltungs-, und Konzertankündigungen, Hinweise auf Führungen, Besprechungen in den klassischen Medien. Nur selten erfahren die Fans etwas „persönliches”, das die Kultureinrichtung und die Personen, die dahinter stehen ausmacht: Einblicke in Proben, Neuerwerbung, Ausstellungsvorbereitungen werden kaum gegeben. Das Gros der Postings ist nüchtern und neutral geschrieben, wenig begeisternd und emotionalisierend.

Zusätzlich zu den Ankündigungen geben einige Einrichtungen auch Impressionen von Eröffnungen oder Konzerten wieder, indem sie direkt bei Facebook Fotos und Videos hochladen oder auf ihre entsprechenden Flickr- und Vimeo-/YouTube-Profile verweisen.

Keine der Kultureinrichtungen - das NRW-Forum ausgenommen - verweist regelmäßig auf interessante Beiträge, die sich nicht unmittelbar auf die eigene Einrichtung beziehen. Ein kontinuierlicher proaktiv geführter Dialog mit den Fans scheint nicht Schwerpunkt der Facebook-Aktivitäten zu sein.

Von den etwa vier Einrichtungen, die Fragen an ihre Fans adressiert haben, gab es kaum eine Reaktion seitens der Fans. Ein Grund dafür ist sicherlich dass sich die Museen nicht kontinuierlich mit den Fans vernetzen.

Das Beispiel NRW-Forum zeigt, dass Aktionen (z. B. „schickt uns Fotos eurer beliebtesten Ausstellungskataloge” oder der Kreativ-Wettbewerb zur Robert-Mapplethorpe-Ausstellung) funktionieren, wenn kontinuierlich interessanter Content zur Verfügung gestellt wird.

Interaktion
Die einfachste Reaktion seitens der Fans und Gruppenmitglieder ist es, den „Gefällt-mir-Button” anzuklicken. Die Zahl derer, die so reagieren, variiert sehr stark. Sie reicht von keinerlei Reaktion über regelmäßiges „gefällt mir” bis hin zu über 270 Personen, denen ein Eintrag bei den Berliner Philharmonikern gefällt Natürlich muss man diese Zahlen auch immer in Relation zur Anzahl der Fans sehen. Wichtiger als die absolute Zahl ist eine regelmäßige, kontinuierliche Interaktion.

Bei den Kommentaren sieht es ähnlich aus - sie sind nur selten vorzufinden. In wenigen Fällen entspinnen sich auch Diskussionen unter den Fans. Ausnahmen sind auch hier die Berliner Philharmoniker und das NRW-Forum. Beim NRW-Forum liegt es sicherlich auch daran, dass das Haus stets aktiv auf die Fans zugeht und versucht, mit interessanten Maßnahmen auf sich aufmerksam zu machen, um eine Beziehung aufzubauen. Bis von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, reagieren Kultureinrichtungen direkt auf Kommentare.

Fazit
Eine Facebook-Fanseite bietet Kultureinrichtungen sehr gute Möglichkeiten, mit ihren Freunden ins Gespräch zu kommen, weil sie die Menschen an einem virtuellen Ort erreicht, wo sie sich in erster Linie privat aufhalten, um ihre Kontakte zu pflegen. Es ist also auch für Kultureinrichtungen sinnvoll,  Menschen gerade dort - in diesem „privaten Umfeld” - abzuholen.

Nur viel zu selten geben die Kultureinrichtungen allerdings einen Blick in ihr Inneres frei und weichen von den Standard-Ankündigungen ab. Eine Sprache, die von der üblichen PR-Rethorik abweicht, wäre wünschenswert. Doch Ankündigungen reichen längst nicht aus, um Menschen für sich zu begeistern. Um sie tatsächlich als Fan und Freund des Hauses gewinnen zu können, bedarf es interessanterer Einblicke und auch gelegentlicher Aktionen.

Die Zahl derer, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden, steigt stetig. Da Facebook der derzeit beliebteste Kanal bei Museen und Orchestern ist, müssen sie jetzt sofort Beziehungen aufbauen und pflegen, um die potentiellen Besucher an sich zu binden. Die reine Fan-Zahl sagt nur bedingt etwas über die tatsächliche Bindung eines Fans an ein Museum oder Orchester aus. Entscheidend ist, den Fans ein Angebot mit Mehrwert zu präsentieren, damit aus der Beigeisterung auch ein Engagement (sei es ein Museums-/Konzertbesuch oder “Mund-zu-Mund-Propaganda”) für die Kultureinrichtung wird.

Teil 1 - Einleitung
Teil 2 - Allgemeine Beobachtungen
Teil 3 - Beliebteste Kanäle
Interview: Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf
Teil 4 - Potential von Videoportalen nicht ausgeschöpft
Teil 5 - Flickr ganz unten auf der Beliebtheitsskala
Interview: Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Teil 6 - Es wird selten gebloggt
Interview: Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Interview: Dr. Helmut Gold, Museum für Kommunikation Frankfurt

Post to Twitter Tweet This Post

„Wir sind interessanter als wir glauben“ ¦ Museen und Orchester im Social Web

Freitag, Mai 7th, 2010

Diese Social-Media-Portale sind bei Museen und Orchester beliebt

Meistgenutzten Social-Media-Portale der Museen und Orchester

Mein Beitrag zur Blogparade “Geschäftsmodelle im Web 2.0? der stARTconference, handelt von der, von mir derzeit durchgeführten, Studie „Museen und Orchester im Social Web”.

Ausgangspunkt für die Studie
Ausgangspunkt war, dass ich einerseits ein sprunghaftes Ansteigen von Twitter-Accounts und Facebook-Fanseiten von Kultureinrichtungen innerhalb des vergangenen Jahres festgestellt habe, andrerseits aber diese Aktivitäten nirgends umfassend besprochen wurden. Es gab lediglich vereinzelte Hinweise.

Die Zunahme von twitternden und „facebookenden” Museen, Festivals, Theater, Orchester etc. lässt den Schluss nahe, dass sie das Social Web entdeckt haben. Doch ich wollte es genauer wissen, wollte wissen, wie diese Aktivitäten aussehen. Wie viele Kulturinstitutionen sind es tatsächlich, die aktiv das Social Web nutzen? Inwieweit betrachten die sie das Social Web auch als Mitmach-Web? Sind sie weiterhin dem altbekannten „Sender-Empfänger-Modell” verhaftet? Sind es nur die „großen Häuser” oder sehen es auch „kleine Häuser” als attraktiv an, im Social Web präsent zu sein? Diese und andere Fragen werden im Rahmen der Studie beantwortet.

Aufgrund der Fülle von Kultureinrichtungen, die wir in Deutschland haben, musste ich vorab eine Einschränkung treffen. Meine Wahl, die vor allem persönlichen Interessen und Erfahrungen geschuldet ist, fiel auf die beiden Kategorien Museen und Orchester. Zwei Kategorien sollten es sein, um herauszufinden, inwieweit Inhalte unterschiedlich vermittelt und Kanäle „kategoriespezifisch” bevorzugt werden.

Von den rund 6.500 Museen und Ausstellungshäusern sowie 133 Kultur- und Kammerorchestern, die die Deutsche Orchestervereinigung listet, wurden schließlich 92 Museen und 21 Orchester untersucht. So viele waren es, die im Zeitraum Dezember 2009 bis Februar 2010 nach den von mir aufgestellten Kriterien einen oder mehrere Social-Media-Kanäle nutzten bzw. dort präsent waren. Das sind die Plattformen YouTube/Vimeo, Flickr, Facebook, StudiVZ, MySpace und Twitter sowie das Vorhandensein eines Blogs.

Vorgehensweise
Die Studie umfasst neben der Untersuchung der verschiedenen Kanäle und deren Nutzung auch Interviews mit Repräsentanten ausgewählter Orchester (Berliner Philharmoniker und Duisburger Philharmoniker) und Museen (Pinakotheken, NRW-Forum, Museum für Kommunikation Frankfurt sowie Städel Museum/Schirn Kunsthalle). Die Interviews fließen allerdings nicht in die Auswertung der Studie ein, sondern haben ergänzenden Charakter.

Nach einer allgemeinen Untersuchung, welche und wie viele der Kanäle genutzt werden, ging es an die Untersuchung der Kanäle selbst. Herausgekommen ist zunächst, dass Museen und Orchester lediglich ein bis zwei der Social-Media-Kanäle nutzen. Darunter ist Facebook der beliebteste Kanal ist, gefolgt von den Video-Portalen bei den Orchestern und Twitter bei den Museen.

Für jeden Kanal wurden entsprechende Kriterien aufgestellt, nach denen alle Kultureinrichtungen gleichermaßen untersucht wurden. Diese waren einmal ganz faktischer, aber auch inhaltlicher Natur. Am Beispiel YouTube sah das etwa folgendermaßen aus:

Beitrittsdatum
Frequenz des Uploads
Anzahl der Video-Aufrufe
Anzahl der Freunde
Anzahl der Abonnenten
Biografie (Profilbild, Vanity-URL, Kurzbeschreibung der Institution, Webseite etc.)
Kanalaufrufe
Upload-Aufrufe
Web-2.0-Verknüpfung zu anderen Profilen vorhanden; Wie ausgeprägt
Kommentare (Zahl und inhaltlich)
Nutzung der Videos für Medienarbeit
Embedding
Sonstiges (Sprache, Inhalt der Videos)

Die gewonnenen Erkenntnisse flossen dann in die Gesamtbewertung der Nutzung des YouTube-Kanals ein. In den Blogbeiträgen wurde nicht dezidiert auf einzelne Kriterien eingegangen, sondern eine allgemeine Beschreibung und Bewertung, mit Nennung von Positiv-Beispielen, gegeben.

Ziel der Studie
Ziel der Studie ist es zu eruieren, inwieweit Museen und Orchester die verschiedenen Möglichkeiten nutzen, um die Aufmerksamkeit für ihre Ziele und spezifischen Projekte zu steigern sowie neue Beziehungen mit ihren Dialoggruppen aufzubauen. Es wird also der Ist-Zustand von Museen und Orchestern aufgezeigt. Gleichzeitig werden auch Anregungen gegeben und Empfehlungen ausgesprochen. Die Empfehlungen richten sich sowohl an die Kultureinrichtungen, die bereits vertreten sind, als auch an diejenigen, die mit Social Media beginnen wollen.

Die Interviews mit den Direktoren/Intendanten/Marketingleitern der oben genannten Museen und Orchester geben zusätzlich einen sehr individuellen Einblick in deren Strategie und Vorgehensweise. Die Fragen waren individuell auf das jeweilige Orchester/Museum zugeschnitten und nur zwei bis drei Fragen wurden gleichermaßen an alle gestellt. So etwa die nach der Motivation, sich ins Social Web zu begeben oder der „Tipp für die Kollegen”. In vielen der sehr offen geführten Gespräche wurden einige der Fragen beantwortet, die häufig unter den Kulturbloggern diskutiert werden. So etwa: Welche Person steckt hinter den Aktivitäten, weshalb wird bei Twitter nicht zurückverfolgt, weshalb kann auf dem Blog nicht kommentiert werden? Die Kultureinrichtungen hingegen erhalten Anregungen für ihren Start ins Social Web.

Was haben Kultureinrichtungen von der Studie?
Die Studie gibt Tipps und Anregungen, andere Kultureinrichtungen können von den untersuchten Museen und Orchestern lernen, die bereits Aktiven erhalten Verbesserungsvorschläge. Dadurch, dass jeder Social-Media-Kanal gesondert berücksichtigt wird, erhalten die Kultureinrichtungen einerseits Anstöße, den eigenen Auftritt unter den beschriebenen Gesichtspunkten zu überprüfen, andrerseits auch eine Anleitung, wie der eigene Auftritt gezielter geplant werden kann.

Geben meine Analysen einen allgemeinen umfassenden Einblick in den Ist-Zustand, erhalten Kultureinrichtungen mit den Interviews zusätzlich ganz konkrete Tipps und Empfehlungen aus der Praxis. Gerade durch die Interviews wird oftmals das Handlungsmuster der Museen und Orchester deutlich.

Aufgrund der Fülle der gesammelten (teils nicht-veröffentlichten) Daten ist auch die individuelle Überprüfung eines Auftritts denkbar, um gegebenenfalls Verbesserungsvorschläge zu erarbeiten.

Wenn Sie bisher noch zögerlich waren, nehmen Sie sich doch die Worte von Dr. Alfred Wendel von den Duisburger Philharmonikern zu Herzen, der empfiehlt, „[...] verhältnismäßig unvoreingenommen heranzugehen. Ich habe das Social Web als eine positive Sache kennen gelernt. Es gibt ein großes Wohlwollen im Netz, das ist eine der positiven Erfahrungen, die ich gemacht habe. Wir als Orchester sind interessanter als wir glauben - das sollte man sich bewusst machen.”

Post to Twitter Tweet This Post

Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ Interview mit Dr. Helmut Gold, Direktor des Museums für Kommunikation in Frankfurt

Donnerstag, April 29th, 2010

Im Rahmen meiner Studie „Museen und Orchester im Social Web” habe ich mich persönlich mit Dr. Helmut Gold, Direktor des Museums für Kommunikation Frankfurt, unterhalten.

Ulrike Schmid: Sie waren eines der ersten Museen die Social Media eingesetzt haben. Was war Ihre Motivation, sich ins Social Web zu begeben?
Dr. Helmut GoldDr. Helmut Gold
: Nun, unser Name verpflichtet: Museum für Kommunikation. Da liegt es nahe, auch bei allen neuen Kommunikationswegen und -mitteln dabei zu sein. Um sie erfolgreich zu nutzen, muss man allerdings überlegt vorgehen und man muss natürlich auch Mitarbeiter haben, die über Können und Affinität zu diesen Themen verfügen.

Wir haben zum Beispiel bei einem Gemeinschaftsprojekt mit Eintracht Frankfurt, Radio FFH und der hiesigen Universität vor zwei Jahren viel Arbeit in Second Life investiert. Jetzt ist Second Life relativ tot. Das Projekt war also ein „Investment”, das sich auf den ersten Blick nicht gelohnt hat. Auf lange Sicht betrachtet war es aber doch spannend, weil wir Erfahrungen sammeln konnten und einige Elemente der virtuellen dreidimensionalen Darstellung auch für unseren Internetauftritt nutzen können. Oder zum Beispiel die Darstellung der Information im Empfangsbereich, die wir damals geschaffen haben.

U. S.: Sind Sie noch bei Second Life?
H. G.:
Nein, wir sind dort nicht mehr vertreten, weil die Pflege zu aufwendig war. Das ist ja ein ganz entscheidender Punkt. Soziale Netzwerke sind toll. Man muss aber auch über genügend Manpower verfügen.

U. S.: War für Sie klar, dass Ihre Social-Media-Aktivitäten inhouse geleistet werden müssen?
H. G.:
Ja, das fand ich schon. Wir wollten auch die Erfahrung mit Social Media im Haus haben, selbst Know-how sammeln und uns verbessern. In Museen gibt es ja zum Glück Volontäre und Projektmitarbeiter als Nachwuchskräfte. Die bringen alleine schon durch ihr Alter in der Regel Social-Media-Affinität und frischen Wind mit. Deshalb war die Begeisterung, sich auf dieses Thema zu stürzen, auch groß. Im Grunde haben wir mittels der Volontäre vieles mehr oder weniger ausprobiert. Und allmählich wurde diese Arbeit dann in den Arbeitsalltag implementiert.

Wir haben zum Beispiel anfangs mit relativ einfachen Mitteln Audio- und Video-Podcasts produziert, von denen wir auch einige bei YouTube eingestellt haben und natürlich auf unserer Homepage. Dann hat sich das im Rahmen der museumspädagogischen Arbeit aus einem Pilotprojekt zum Thema Medienkompetenz mit einem Mädchen-Büro in Bockenheim weiter entwickelt. Wir haben den Mädchen ermöglicht, in einem Kurs zu lernen, wie man Podcasts erstellt. Nachdem das sehr gut angekommen war, haben die Museumspädagogen das in ihr Programm aufgenommen und mittlerweile gibt es Podcasting regelmäßig als Ferienworkshops. Sie sind eingestellt auf unserem Blog Medienspielplatz.

U. S.: Die Social-Media-Aktivitäten sind bei Ihnen also auf mehrere Schultern verteilt?
H. G.:
Es ist zumindest das Ziel - die Implementierung in die tägliche Arbeit, denn eine/n „Sonderbeauftragte/n Social Media”, haben wir leider noch nicht.

U. S.: Stichwort Blog: Das erwähnte Blog war ja themenbezogen und nur temporär. Warum gibt es kein permanentes Blog?
H. G.:
Hm, generell wäre das natürlich nicht falsch. Es wäre einerseits spannend, andererseits aber auch problematisch, da unser Themenfeld „Kommunikation” so riesig ist. Es umfasst zum einen stark technikorientierte Themen, darüber hinaus bieten wir aber auch Ausstellungen und Veranstaltungen zu Kunst und Kommunikation und zu kulturgeschichtlichen Themen an. Gleiches gilt für die Sammlungen. Ich halte es für besser, immer nur gezielt zu einzelnen Projekten oder Ausstellungen zu bloggen. Wenn wir es breit anlegen, müssten wir auch sehr viele Personen involvieren. Das ist dann auch eine Frage der Kapazitäten.

Zur Ausstellung „@bsolut privat - Vom Tagebuch zum Weblog” gab es ja ein Blog. Da passte es vom Thema her natürlich besonders gut. Auch zur Ausstellung „Do it yourself”, die 2011 stattfinden wird, wird es sicher wieder ein Blog geben.

U. S.: Wie wurde denn das Blog angenommen?
H. G.:
Das Blog hatte eine ganz gute Resonanz. Mich hat in erster Linie die Qualität mancher Kommentare erstaunt. Wir hatten z. B. ein Symposium veranstaltet und die beteiligten Experten haben ihre Beiträge eingestellt, woraufhin die Diskussionen im Blog unmittelbar weitergingen. Diese Möglichkeit hat mich sehr beeindruckt. Wenn die Community auch klein war, so konnte man doch für die eigene Arbeit Honig saugen. Das war eine tolle Geschichte, denn dadurch kam in gewisser Weise eine Erweiterung des Symposiums zustande.

U. S.: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Social-Media-Aktivitäten?
H. G.:
Für mich ist ein erstes Ziel, dass wir mit diesen Kommunikationsformen Erfahrung sammeln. Das zweite Ziel ist, Menschen wirklich ganz gezielt anzusprechen. Der Trend ist ja eindeutig, dass vor allem Jugendliche sehr gezielt im Internet nach Informationen suchen und sich weniger z. B. über Printmedien orientieren. Um diese Zielgruppe anzusprechen, sind Social-Media-Kanäle viel genauer und passender, als die herkömmlichen Kommunikationswege.

U. S.: Sie waren kürzlich Gastgeber des Twittwochs. Ist das Interesse am @MfK_Frankfurt unter den Twitterern nun größer?
H. G.:
Ich sehe das gar nicht so eng unter einem Nutzenaspekt. Es ist eine Veranstaltung, mit der ich eine bestimmte Zielgruppe erreichen will, die mit dem Medium vertraut ist, und genau das hat geklappt mit einer sehr gezielten Ansprache. Dass diese Teilnehmer jetzt nach nur einem Besuch wieder ins Museum kommen oder uns bei Twitter folgen werden, ist für mich nicht zwingend, zumindest haben sie uns kennen gelernt. Es gilt jetzt eher zu überlegen, wann ich dieser Gruppe das nächste Mal etwas anbieten kann.

U. S.: Das heißt, es reicht Ihnen, dass diese 100 Twitterer einfach schon mal vom @MfK_Frankfurt gehört haben?
H. G.:
Ja, das ist doch schon mal ein erster Anstoß. Erst einmal ist es toll, dass dadurch eine Klientel angesprochen wurde, die vielleicht sonst gar nicht zu den regelmäßigen Museumsgängern gehört. Und durch diese Aktion ist dieses Publikum ins Haus gekommen, lernt es kennen - und kommt vielleicht in ganz anderem Zusammenhang wieder zu Eröffnungen, Führungen oder einfach ins Café . Natürlich soll es auch einen langfristigen Effekt fürs Haus haben, aber den unmittelbar zu messen ist ganz schwer und man darf nicht zu hohe Erwartungen haben.

U. S.: Wie halten Sie es mit dem Dialog bzw. wie wichtig ist er Ihnen?
H. G.:
Tja, das ist immer eine Frage der Relevanz und auch der Ressourcen. Wir haben ja eine Menge Social-Media-Kanäle. Außer dem Twitter-Account und einer Facebook-Seite sind wir bei Flickr, haben die Podcasts und leider nur eine begrenzte Anzahl an Mitarbeitern, die diese Kanäle betreuen.

Ziel kann nur sein, dass immer mehr Leute aus dem Haus daran Spaß haben, mitzuarbeiten, damit es nicht nur auf den Schultern von zwei, drei Leuten getragen wird. Erst dann kann man diesbezüglich expandieren. Wenn ich jetzt sagen würde, wir wollen die Aktivitäten erweitern, käme aus der Belegschaft natürlich gleich die Frage auf, wer soll’s machen und was soll er oder sie stattdessen nicht mehr machen - denn das Personal ist knapp bemessen.

Die traditionellen Medien sind derzeit immer noch zu wichtig, als dass man die klassische Medienarbeit reduzieren könnte. Abgesehen von unserer eigenen Erfahrung ist das auch die Grunderfahrung in der Geschichte der Kommunikation: Selten wird ein Medium einfach durch ein anderes abgelöst, wie vielfach behauptet wird. Weder hat das Telefon die Briefe überflüssig gemacht, noch die SMS die Postkarte. Es gibt vielmehr ein Nebeneinander verschiedener Medien für verschiedene Anlässe, es differenziert sich immer weiter aus. Je mehr ich aber ausdifferenziere, umso breiter wird das, was ich bedienen muss. Es geht also eigentlich nicht so sehr darum, ob man den Dialog führen möchte, sondern auf welchen Kanälen gleichzeitig man mit beschränkten Ressourcen, sprich Mitarbeitern, man den Dialog führen kann

U. S.: Wie frei dürfen Ihre Mitarbeiter agieren?
H. G.:
Also, es wäre ja völlig verrückt, dieses Medium eng kontrollieren zu wollen. Bei uns gibt es da keinen Kodex, ich vertraue da den Mitarbeitern und deren Loyalität. Es ist vom Umfang her so, dass es Pflicht und Kür gibt. Zur Pflicht gehört, auf kommende Veranstaltungen hinzuweisen und sonstige Ankündigungen zu machen - und wenn dann noch jemand die Zeit und Lust hat, etwas Persönliches zu schreiben, wäre mir das durchaus recht.

U. S.: Also gibt es auch bei Ihnen ein Kapazitätsproblem?
H. G.:
Ja unbedingt. Wenn Sie sich die wenigen anderen Museen ansehen, die wesentlich aktiver sind, sind dort häufig Leute angestellt, die speziell die Social-Media- und Internet-Aufgaben betreuen. Zusätzlich zum Pressereferenten gibt es zum Beispiel noch einen Online-Redakteur. Und das ist auch notwendig. Bis in die Verwaltung, wo die Stellenpläne verhandelt werden, muss durchdringen, dass solche Stellen gebraucht werden. Hier muss ein Umdenken stattfinden: Social-Media-Ressourcen werden benötigt und sie zahlen sich auch aus. Weil sie auf lange Sicht gewinnbringend sind und deshalb etabliert werden müssen. Aber noch sind wir nicht soweit.

U. S.: Wie messen Sie den Erfolg Ihrer Maßnahmen?
H. G.:
Puh! Online-Berichterstattung ist ja generell schwer zu messen. Wir machen seit Jahren Medienresonanzberichte über die Resonanz in Zeitung, Radio und TV. Online-Ausgaben und Interneterwähnungen sollen dort künftig auch integriert werden, aber die Messbarkeit in ganz harten Zahlen ist schwierig. Genauso schwierig ist es im Falle von Social Media. Man könnte natürlich Follower- und Fanzahlen nehmen. Allerdings sagen diese Zahlen allein wenig aus. Wir haben deshalb auch entschieden, dass wir nicht um jeden Preis Freunde und Fans haben wollen, sondern wir schauen uns an, was unsere Follower machen und folgen dann gezielt zurück.

U. S.: Was empfehlen Sie anderen Kultureinrichtungen, die mit Social Media beginnen wollen?
H. G.:
Ich glaube, es hat keinen Sinn, Social Media zu nutzen, weil man glaubt, es gehöre dazu. Wer niemanden hat, dem diese Art der Kommunikation Freude bereitet und der sagt, das würde ich gerne machen, bekommt niemals die Leichtigkeit rein, die man braucht. Wenn das „von oben” gewissermaßen gesetzt wird nach dem Motto „jetzt macht mal”, dann wird es leicht statisch und öde.

Wenn es aber gelingt, eine persönliche Note zu etablieren, einen eigenen Stil - und darauf, glaube ich, kommt es an - dann sollten Kultureinrichtungen Social Media nutzen. Ich hatte mit Tine Nowak, die im vergangenen Jahr unsere Pressearbeit gemacht und Social Media im Haus etabliert hat, solch einen Glücksfall. Ihr fallen diese Aufgaben leicht und sie arbeitet weiter daran, obwohl sie inzwischen andere Aufgaben hat, und begeistert auch andere mitzumachen. Nur dann fällt die Mehrbelastung nicht so sehr ins Gewicht.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Dr. Gold.

Bisher erschienene Interviews:

Dr. Alfred Wendel, Duisburger Philharmoniker
Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf

Post to Twitter Tweet This Post

Der Marketing-Mix macht’s ¦ Interview mit Dr. Alfred Wendel, Intendant der Duisburger Philharmoniker

Donnerstag, April 22nd, 2010

Im Rahmen meiner Studie „Museen und Orchester im Social Web” führte ich ein Telefoninterview mit Dr. Alfred Wendel, Intendant der Duisburger Philharmoniker.

Ulrike Schmid: Die Idee, sich ins Social Web zu begeben wurde ja von außen an Sie herangetragen. Was war Ihre Motivation, sich darauf einzulassen?
Dr. Alfred Wendel, Foto: Christoph Müller-GirodAlfred Wendel:
Die grundlegende Motivation war, dass wir einfach näher am Publikum dran sein wollten. Ich sah es als Chance, eine große Menge interessierter Leute zu erreichen, die wir mit unserer konventionellen Werbung nicht erreichen können. Wir sind alle nur in der Lage, eine begrenzte Anzahl Plakate, Handzettel und Programmbücher zu produzieren und erreichen insofern auch nur eine begrenzte Anzahl Menschen. Das sind besonders interessierte Menschen. Es gibt allerdings noch mehr, die noch nichts von uns wissen. Und in dem Zusammenhang ist natürlich das Social Web eine wichtige Möglichkeit. Diese Idee, uns gewissermaßen auf einer menschlichen Ebene dem möglichen Publikum zu nähern, in den Dialog zu treten mit den Menschen im unendlichen All - das fanden wir hier doch sehr charmant. Also auch zu zeigen, was hinter den Kulissen passiert. Das kennt man ja auch von der Popmusik, dass da sehr viel mehr persönliche Informationen an die Fans gegeben werden. Und da haben wir uns gesagt, warum sollen wir das eigentlich nicht auch machen? Sodass das Orchester ein bisschen greifbarer wird mit den Menschen, die dahinterstehen.

U. S.: Im Unterschied zu anderen Kultureinrichtungen wird bei Ihnen ganz klar kommuniziert, dass ein externes Web-Team die Aktivitäten vorantreibt. Ist das nicht problematisch?
A. W.:
Nein, weil wir ja nicht über die entsprechende Erfahrung verfügt haben. Ich war beispielsweise, was das Social Networking betrifft, vollkommen unerfahren. Wir konnten das nur mit Partnern machen, die etwas davon verstehen. Inzwischen ist das auch ein bisschen anders geworden. Mittlerweile sind es Leute aus dem Orchester und aus dem Mitarbeiterteam vom Künstlerischen Betriebsbüro, die sich in dem Feld bewegen. Christoph Müller-Girod macht das immer noch federführend. Wir haben aber mittlerweile auch eine eigene Facebook-Seite, die von einem unserer Orchestermusiker betreut wird. Und die jüngeren Kollegen aus dem Orchester twittern auch. Das hat mittlerweile Kreise gezogen. Aber am Anfang war ganz klar, dass Frank Tentler und Christoph Müller-Girod, unterstützt von Christian Spließ, der die Musikkenntnisse einbrachte, diesen Part übernehmen. Es gab niemand hier, der das gekonnt hätte. Mittlerweile habe ich gesehen, dass sich natürlich die jüngeren Leute aus dem Orchester damit auskennen, und sie unterstützen die Aktivitäten.

Das ist jetzt eine wichtige Entwicklung. Wir werden da nach und nach etwas selbständiger. Unsere Konzertpädagogin wird das demnächst mit einer Praktikantin zusammen für ihren Bereich klasse.klassik selber machen, sodass wir da auch Entlastung bringen können.

U. S.: Wie stark sind Sie selbst involviert und geben Beiträge frei? Oder vertrauen Sie einfach dem Web-Team?
A. W.:
Es gab und gibt ein großes Grundvertrauen. Ohne das kann es nicht gehen. In der ersten Zeit habe ich natürlich alle Beiträge immer durchgesehen und hin und wieder auch Anregung gegeben, was uns gut gefällt und was weniger passend erscheint. Das Web-Team hat dann entsprechend mitgezogen. Die mussten ja auch ihre Erfahrungen machen. Für sie war natürlich unser Klangkörper und auch unsere Ästhetik etwas völlig Unbekanntes. So nach und nach haben wir dann zusammengefunden. Anfangs gab es da auch mal Stellen, wo wir unterschiedlicher Meinung waren, und wo ich gesagt habe: „Nein das ist jetzt aber nicht das, was wir über uns sehen möchten. Da müssen wir die Richtung ändern.” So etwas gehört jedoch dazu, dass man sich da immer wieder aufeinander zubewegt und einen Weg findet.

U. S.: In letzter Zeit wurde es etwas ruhiger.
A. W.:
Ja, definitiv. Das war auch die Absicht. Nach der stARTconference hier haben wir gesagt, wir können jetzt in dem Umfang - weil auch die Kapazitäten nicht mehr da sind - nicht mehr weitermachen. Und es muss vielleicht auch nicht sein, dass wir jeden Tag etwas veröffentlichen. Ich sehe die Gefahr, dass das sonst banal wird. Und das sollte nun ja doch nicht sein.

U. S.: Stichwort „banal”. Anfangs wurden ja auch „Banalitäten” getwittert. Hat Sie das nie gestört?
A. W.:
Das hat mich nie gestört. Teilweise habe ich es auch nicht mitbekommen, weil ich da nicht immer genau hingeguckt habe. Ich habe mir gedacht, die Experten wissen, wie das laufen muss, und sie kennen den Stil, in dem man da kommunizieren muss. Twitter ist zum Beispiel etwas, was ich ein paar Mal ausprobiert habe, und ich bin da nie wirklich heimisch geworden. Das erscheint mir nach wir vor fremd. Aber es ist eine ganz bestimmte Art, ich würde mal sagen, eine ganz bestimmte Kultur in der Kommunikation, und da sind wahrscheinlich „Banalitäten” auch an der Tagesordnung.

U. S.: Einer Ihrer Musiker, Matthias Bruns, ist ja sehr aktiv vor allem bei Facebook.
A. W.:
Ja, stimmt. Deshalb haben wir ihn vom Orchester aus auch gefragt, ob er nicht Lust hätte, für uns eine Facebook-Seite zu betreuen. Das hat er gleich willig aufgegriffen, und er macht das jetzt ehrenamtlich im Sinne des Orchesters zusätzlich zu seinem eigenen Profil.

U. S.: Wie sieht es mit den anderen Musikern aus?
A. W.:
Ja, es gibt noch ein paar andere, die vor allem bei Facebook aktiv sind. Für die kommende Saison ist jetzt vorgesehen, dass die Musiker nach und nach stärker einbezogen werden sollen. Sie sollen den Blog mit Inhalt füllen, indem sie beispielsweise etwas über ihre Instrumente erzählen und Ähnliches. Also etwas aus der persönlichen Sicht der Musiker.

U. S.: Ihr Einstieg ins Social Web hat ziemliche Wellen geschlagen. Waren Sie vom Erfolg überrascht?
A. W.:
Ja, das stimmt. Es hat eine super Welle geschlagen. Davon war ich schon überrascht. Jetzt haben wir ein bisschen Erfahrung gesammelt, und viele Leute besuchen unser Blog und interessieren sich nach wie vor für uns. Was man allerdings nach eineinhalb Jahren auch sagen muss, ist, dass sich die Aktivitäten nicht auch gleich im Saal niederschlagen. Man kann nicht sagen, dass sich das Publikum nachhaltig verändert hat oder dass sehr viel mehr Leute im Konzert sind - das ist nicht der Fall. Wer in der Community auf uns aufmerksam wird, kauft nicht gleich eine Karte. Das ist eine interessante Feststellung.

U. S.: Ich hatte gehört, die Konzerte seien jetzt besser verkauft.
A. W.:
Ja, die Konzerte sind hervorragend besucht, - aber nicht als alleinige Folge der Web-2.0-Aktivitäten. Die Konzerte verkaufen sich besser seit wir 2007 in die Mercatorhalle umgezogen sind. Seit dem Umzug haben wir regelmäßige 10-prozentige Steigerungen und sind jetzt oftmals ausverkauft. Das ist aber nicht etwas, das man direkt auf die Web-2.0-Aktivitäten zurückführen kann. Das Internet ist nicht die alleinige Rettung, aber es ist ein wichtiger Baustein. Man muss natürlich ein ganzes Marketing-Konzept haben. Wir haben uns immer sehr intensiv um unsere Kunden gekümmert. Key-Account-Management ist sehr wichtig. Wir machen Veranstaltungen für treue Abonnenten und für unseren Freundeskreis. Wir haben ja einen Freundeskreis von 800 Mitgliedern, die ständig für uns kommunizieren und neue Abonnenten einwerben. Das sind natürlich die Multiplikatoren, die direkt mündlich kommunizieren und weitererzählen. Wir haben allerdings auch eine Menge Veranstaltungen gemacht, wo wir direkt auf neues Publikum zugegangen sind.

U. S.: Zum Beispiel?
A. W.:
Open-Air-Konzerte, Konzerte bei der Extraschicht, beim Traumzeit-Festival, und bei der RuhrTriennale. Wir haben uns in den letzten drei Jahren enorm stark im Ruhrgebiet positioniert. Durch diese aufsehenerregenden Veranstaltungen haben wir natürlich ein ganz anderes Publikum erreicht, als in der Mercatorhalle. Dies alles zusammen bewirkt, dass die Konzerte gut verkauft sind. Der Erfolg kann nur im Gesamtkontext gemessen werden. Leider gibt es keine Möglichkeit, herauszufinden, wie viele Besucher allein durch die Social-Media-Aktivitäten ins Konzert gekommen sind.

U. S.: Sie haben noch ein weiteres Blog - im Prinzip ist es ja ein extra Portal - für Kinder und Jugendliche aufgesetzt. Wie wird klasse.klassik angenommen?
A. W.:
Das ist noch ein bisschen unterentwickelt und noch nicht optimal. Dort findet auch kaum Interaktion statt. Deshalb werden wir dort auch noch mal intensiv rangehen. Erst dann kann ich Genaueres dazu sagen.

U. S.: Weshalb glauben Sie, dass so wenige Orchester auf Social Web setzen?
A. W.:
Ich glaube das kommt jetzt so allmählich. Die Zurückhaltung kommt sicherlich daher, dass man gewisse Qualitätsstandards halten will und möglicherweise nicht bereit ist, den Leuten, die die Aktivitäten umsetzten, einen großen Vertrauensvorschuss zu geben.

U. S.: Was empfehlen Sie anderen Kultureinrichtungen, die Social Media in ihre Kommunikation einbinden wollen.
A. W.:
Ich würde raten, verhältnismäßig unvoreingenommen heranzugehen. Ich habe das Social Web als eine positive Sache kennen gelernt. Es gibt ein großes Wohlwollen im Netz, das ist eine der positiven Erfahrungen, die ich gemacht habe. Wir als Orchester sind interessanter als wir glauben - das sollte man sich bewusst machen.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Dr. Wendel.

Bisher erschienene Interviews:

Tobias Möller, Berliner Philharmoniker
Werner Lippert, NRW-Forum Düsseldorf

Post to Twitter Tweet This Post

Studie Museen und Orchester im Social Web ¦ (6) Es wird selten gebloggt im deutschen Kulturbereich

Donnerstag, April 15th, 2010

Blog Gewandhaus Orchester

Blogs werden im Kulturbereich bisher kaum eingesetzt. Ein Blog bietet einen direkten Zugang zur Öffentlichkeit. Es macht eine Kultureinrichtung authentisch und transparent und erlaubt auch einen Blick hinter die Kulissen. Es ermöglicht, sich mit Lesern auf unkomplizierte Weise auszutauschen und Kontakt zu pflegen. Es werden Geschichten erzählt, die den Weg in die Medien nicht finden: Interviews mit jungen Künstlern sowie Hintergrundberichte zu Konzerten und Ausstellungen oder Veranstaltungsankündigungen. Dennoch haben lediglich 22 % der untersuchten Museen und 24 % der untersuchten Orchester ein Weblog. Ausnahmen sind die Duisburger Philharmoniker und das NRW-Forum Düsseldorf, die jeweils sogar zwei Blogs betreiben. Erstere haben zusätzlich mit klasse.klassik ein Blog für Kinder und Jugendliche aufgesetzt, und das NRW Forum Düsseldorf nutzt zusätzlich noch Posterouse. Das Pinakotheken Magazin hingegen gibt  Einblicke in die drei Pinakotheken sowie in die Sammlung Schack-Galerie und das Museum Brandhorst. (Alle deutschen Museums- und Orchesterblogs finden Sie in meiner Blogroll.)

Bereits im Mai 2008 startete der Nassauische Kunstverein sein Blog. Mit dacapo ging dann im September 2008 eines der ersten Orchester-Blogs an den Start, das die Benchmark für alle weiteren Blogs im Kulturbereich festlegte. Damit meine ich Regelmäßigkeit (anfangs mind. ein Posting pro Tag - mittlerweile ist es etwas ruhiger geworden), interessante Einblicke auch hinter die Kulissen, Einbindung von Diashows und Videos sowie immer wieder Aktionen für die Webgemeinde. 2009 kamen weitere Museen hinzu, von denen die ersten ihre Blogs schon wieder einstellten, weil sie sich entweder nur auf eine Ausstellung bezogen - diese Blogs sind nicht in die Wertung eingegangen - oder ohne Angabe von Gründen „auf Eis gelegt” wurden (Museum der Weltkulturen, Frankfurt am Main). Bereits in der ersten Hälfte des Jahres 2010 haben drei Orchester Blogs eingerichtet (Stichtag für die Bewertung war der 2. Februar).

Erscheinungsbild
Hier gibt es große Unterschiede: von sehr professionell und ansprechend gestaltet bis hin zu lieblos. Bis auf zwei Ausnahmen haben alle Einrichtungen eine Vanity URL registriert, um ihre Sichtbarkeit zu verbessern. Die Chancen, über Plattformverlinkungen den Dialog mit Interessenten zu intensivieren wird von ¾ der untersuchten Kultureinrichtungen genutzt, wohingegen Schlagworte und Kategorien nur bei der Hälfte vergeben werden.

Motivation und Autorenschaft
Über die Motivation ein Blog zu betreiben, erfährt man bei einigen recht viel (Städel Museum, Frankfurt am Main), bei anderen gar nichts und selbst die Blogbeiträge sind nicht namentlich gekennzeichnet. Bei etwas „kryptisch” klingenden Blognamen oder auch bei Blogs, die ein Offline-Projekt begleiten, wäre eine ausführliche Beschreibung über Sinn und Zweck sicher wünschenswert. Gut gelöst hat dies etwa das Museum Neukölln in Berlin. Das Blog ist klar und übersichtlich gegliedert, man erfährt den Sinn und Zweck des Blogs, jeder Beitrag hat einen Verfasser und - es wird täglich gebloggt.

Inhalt und Häufigkeit
Diejenigen Einrichtungen, die regelmäßig bloggen, verfassen meist einmal pro Woche einen Beitrag, einige wenige (NRW-Forum Düsseldorf, Neanderthal Museum in Mettmann, Museum Neukölln) auch mehrmals pro Woche. Inhaltlich befassen sich die Beiträge mit Veranstaltungen, Presseresonanz sowie Ausstellungs- und Konzertankündigungen. Mitunter wird auch ein Blick hinter die Kulissen gewährt, so etwa beim Neanderthal Museum.

Kommentare
Die meisten Institutionen lassen Kommentare auf ihren Blogs zu, auch wenn es nur in seltenen Fällen zu einer Interaktion zwischen Leser und Blogbetreiber kommt. Selbst bei dacapo, die immerhin täglich Leser im oberen dreistelligen Bereich haben, gibt es kaum Kommentare. Kommentiert wird, wenn bewusst Aktionen gestartet werden, um ein Feedback einzufordern. So etwa, wenn Verlosungen oder besondere Events anstehen (Adventskalender, web@classic).

Man muss sich einfach davon verabschieden, dass die Web-Freunde stets und überall reagieren. Die Reaktionen kommen allerdings auch an ganz anderen Stellen. „Die Fragen kommen über Twitter und Facebook und auch über Google Buzz. Wir sind ja auch ein öffentlich zugängliches Haus und so bekommen wir auch Briefe, E-Mails und Anrufe”, äußerte sich Werner Lippert vom NRW-Forum Düsseldorf bei mir im Interview dazu.

Fazit
Blogs sind noch sehr unterrepräsentiert bei den Kultureinrichtungen und werden oft, wenn vorhanden, nur unregelmäßig gepflegt. Auch die Einbindung von Flickr-Slideshows oder Videos wird selten genutzt. Doch gerade Blogs verfügen über das Potential, Blicke hinter die Kulissen zu gewähren und Geschichten zu präsentieren, die den Weg in die klassischen Medien sonst nicht finden.

Teil 1 - Einleitung
Teil 2 - Allgemeine Beobachtungen
Teil 3 - Beliebte Kanäle
Interview: Werner Lippert, NRW Forum Düsseldorf
Teil 4 - Potential von Videoportalen nicht ausgeschöpft
Teil 5 - Flickr ganz unten auf der Beliebtheitsskala
Interview: Tobias Möller, Berliner Philharmoniker

Post to Twitter Tweet This Post